, 07.03.2020

Das erst im vergangenen Juni eröffnete Encore Boston Harbor Casino im US-Bundesstaat Massachusetts hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So tut sich das Luxushotel und Casino nicht nur schwer, seine Umsatzziele zu erreichen. Das Prestigeprojekt von Glücksspielbetreiber Wynn Resorts gerät auch immer wieder wegen gewalttätiger Übergriffe seiner Besucher in die Schlagzeilen.

 

Körperverletzung, Diebstahl und Betrug

 

Den Sicherheitskräften des Casinoresorts Encore Boston Harbor in Bostons Vorort Everett könnten erneut heiße Tage bevorstehen. Am vergangenen Wochenende hatten mehrere Schlägereien in der Spielstätte Schlagzeilen gemacht. Drei Polizeibeamte waren verletzt worden.

Das 2,6-Milliarden-Projekt Encore Boston Harbor ist der erste US-Standort der Wynn-Gruppe außerhalb von Las Vegas. Der Casinobereich erstreckt sich über rund 20.000 m², auf denen an über 230 Tischen und 3.100 Automaten gespielt werden kann.

Angaben der Polizeigewerkschaft zufolge soll es in den vergangenen Wochen regelmäßig zu Vorfällen gekommen sein, bei denen Gäste des Casinos Gewalt gegen Polizisten angewendet hätten. Ein Beamter soll infolge eines Angriffs einer Operation bedürfen.

 

Damit scheint sich ein Trend fortzusetzen, den Beobachter bereits im vergangenen November ausmachten: Recherchen hatten ergeben (Seite auf Englisch), dass es in den fünf Monaten seit der Eröffnung 161 Festnahmen im Encore Boston Harbor gegeben hatte. In den meisten der Fälle sei es um die Tatbestände ordnungswidriges Verhalten, Körperverletzung, Diebstahl und Betrug gegangen.

 

Umsatz vor Sicherheit?

 

Für Finanzprofessor Richard McGowan vom Boston College, der sich intensiv mit der Entwicklung des Glücksspiels in der Region auseinandersetzt, ist die hohe Kriminalitätsrate des Encore Boston Harbor eigenen Angaben zufolge „keine Überraschung“:

Das Encore versucht, die Anzahl der Spieler zu erhöhen, um das Automatenspiel anzukurbeln. Deshalb muss es seine Sicherheit erhöhen. Es scheint, dass das bislang nicht passiert ist.

Tatsächlich steht das Casino unter Druck. Seit seiner Eröffnung im vergangenen Juni ist es nicht einmal gelungen, das selbstgesteckte Umsatzziel von monatlich 66 Mio. US-Dollar zu erreichen. Vielmehr zeigten im Februar von der zuständigen Massachusetts Gaming Commission veröffentlichte Daten, dass die Zahlen weiter zurückgehen:

 

Konnte das Resort im Dezember 2019 noch 54 Mio. USD Umsatz generieren, waren es im Januar 2020 nur noch 49 Mio. USD. Aktuellen Einschätzungen zufolge könnte sich der Abwärtstrend aufgrund der Folgen des Coronavirus weiter fortsetzen.

 

Die Verantwortlichen des Casinos geben sich unterdessen gelassen. Entgegen der aktuellen Berichterstattung sei ein Rückgang der Gewalt und der Festnahmen im Encore Boston Harbor zu verzeichnen, so das Management in einem Statement. Mitverantwortlich hierfür seien der Einsatz von über 30 Sicherheitsangestellten und die enge Zusammenarbeit mit der Glücksspielspezialeinheit der Polizei von Massachusetts.