Dienstag, 17. Mai 2022

Kriminalstatistik 2021: Illegales Glücks­spiel mehr als verdoppelt

beschlagnahmte Geldscheine Mit illegalem Glücksspiel werden Millionen verdient (Bild: Facebook/BKA)

Die Fälle von aufgedecktem illegalem Glücksspiel sind im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Dies geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2021 hervor, die vergangene Woche vom Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlicht wurde. Demnach haben sich die erfassten Fälle von 762 im Jahr 2020 auf 1.907 im Folgejahr mehr als verdoppelt.

Damit hat sich die Kriminalität in diesem Bereich anders entwickelt als die Gesamtheit der Straftaten in Deutschland. Dort konnte laut BKA bei gut 5 Millionen Delikten ein Rückgang um 4,9 % festgestellt werden

Ursachen für die gut 150-prozentige Zunahme der Fälle beim illegalen Glücksspiel werden in der Kriminalstatistik nicht genannt. Die Gründe variierten in den einzelnen Bundesländern. Genauere Daten zur Kriminalitätshäufigkeit auf Länder- und Städteebene im Jahr 2021 seien noch nicht von allen Bundesländern veröffentlicht worden.

Reduzierte Fallzahlen hingegen konnten in der Kriminalstatistik bei Überfällen auf Spielhallen vermeldet werden. Diese sanken gegenüber 2020 (263) um annähernd zwei Drittel auf 94 Überfälle. Damit setze sich laut BKA ein schon in den Vorjahren festgestellter Trend fort. So seien schon 2019 und 2020 Rückgänge um über 27 % festgestellt worden. Inwieweit die Corona-bedingten Schließungen der Spielhallen eine Auswirkung auf den Rückgang haben könnten, wird in dem Bericht nicht erwähnt.

Auch bei Diebstählen aus Automaten konnte die PKS einen Erfolg vermelden. In dem Bereich, in den neben Geldspielgeräten auch Zigaretten-, Getränke- und Snackautomaten fallen, wurden mit 9.078 Fällen 26,8 % weniger Diebstähle festgestellt.

Schwankende Zahlen beim illegalen Glücksspiel

Ein Blick in die Statistik vergangener Jahre zeigt, dass die Zahl der erfassten Vergehen in den vergangenen Jahren erheblich schwankte. So wurden bereits 2010 insgesamt 1.596 Fälle von illegalem Glücksspiel in Deutschland polizeilich aufgedeckt.

Zwei Jahre später sank der Wert um knapp 60 % auf nur noch 648. Danach pendelte er zwischen gut 500 und knapp 1.100 Delikten ein, ehe er 2021 auf den neuen Höchststand schoss.

Wie sehr das illegale Glücksspiel in einzelnen Landesteilen auf dem Vormarsch ist, zeigt sich auch in einer Studie des Spielsuchtexperten Jürgen Trümper im Auftrag des Verbands „Die Deutsche Automatenwirtschaft“ vom Februar dieses Jahres. Darin hatte der Geschäftsführer des Arbeitskreises gegen Spielsucht das illegale Glücksspiel in 150 deutschen Kommunen untersucht. Allein in 45 Kommunen von Nordrhein-Westfalen stellte Trümper dabei in 217 Spielstätten illegal betriebene Geldspielgeräte fest.

Die Ermittlungsbehörden begegnen dem Anstieg mit einem verschärften Vorgehen gegen das illegale Glücksspiel. Insbesondere in NRW gehen Polizeikräfte beinahe wöchentlich im Rahmen von umfangreichen Razzien gegen kriminelle Betreiber vor. Ob die Maßnahmen der Behörden ausreichen, um das illegale Glücksspiel zurückzudrängen, ist jedoch ungewiss.