, 31.07.2021

Kryptowährungen sind seit längerer Zeit auf dem Weg in den Mainstream und könnten Finanzexperten zufolge in Zukunft die Fiat-Währung gänzlich ersetzen. Abgesehen von börsenähnlichen Wertschwankungen scheinen Bitcoin, Ethereum und Co noch ein weiters Risiko zu bergen: Die Sucht nach dem Krypto-Handel.

 

Obwohl diese Form der Sucht zunächst ungewöhnlich klingen mag, häufen sich seit einigen Monaten die Berichte über Menschen, die aufgrund von als zwanghaft empfundenem Krypto-Handel ihre gesamte Existenz verloren haben.

 

Wenn der Handel zum Zwang wird

Erst am Mittwoch berichtete das internationale Finanzmagazin Fortune über einen Mann aus Budapest, der 2018 mit dem Handel von Bitcoin, Ethereum und XRP angefangen und zunächst ein Vermögen damit gemacht haben soll. Als der Wert der Währungen kurz darauf drastisch gefallen sei, habe er alles verloren.

 

Er habe sich daraufhin Geld geliehen, um weiter in die Währungen investieren zu können und sich mit nichts anderem mehr beschäftigt. Seine Beziehung sei zerbrochen, seine Gesundheit habe gelitten.

 

Eine ähnliche Geschichte berichtete im Mai die BBC [Seite auf Englisch]. Ein Brite beschrieb darin, wie er innerhalb weniger Monate ein Gefühl der Abhängigkeit vom Bitcoin-Handel verspürte. Wertsteigerungen hätten bei ihm ein Gefühl der Euphorie ausgelöst, welches sein „reales Leben“ in den Hintergrund gestellt habe.

 

Als seine persönlichen Gelder nicht mehr ausgereicht hätten, habe er hohe Summen aus dem Unternehmen, in dessen Finanzbereich er tätig gewesen sei, abgezweigt. Letztendlich habe er Millionen von Pfund verloren und sei mit einer Strafanzeige konfrontiert worden.

Substanzunabhängige Süchte wie Online-Spielsucht oder Computer-Spielsucht werden nicht in allen Ländern offiziell als eine Erkrankung oder Störung anerkannt. Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nahm diese Formen der digitalen Sucht erst vor wenigen Jahren in ihren Katalog auf. So erkennt die Institution Computerspielsucht seit 2018 als offizielle Suchtkrankheit an, die insbesondere jüngere Menschen betrifft. Online-Glücksspielsucht hingegen wurde 2019 auf die Liste gesetzt.

Viele Parallelen zur Spielsucht

Während es noch dauern könnte, bis auch die Kryptowährung-Sucht in die Liste der anerkannten substanzunabhängigen Suchterkrankungen aufgenommen wird, sehen verschiedene Suchthilfen das Problem bereits als real an. Die britische Suchtklinik Castle Craig beispielsweise widmet dieser neuen Form der Sucht eine eigene Info-Seite.

 

Wie die Klinik erklärt, weise die Krypto-Sucht zahlreiche Parallelen mit der Spielsucht auf. In der Definition heißt es:

Kryptowährung-Sucht ist der zwanghafte Handel mit Kryptowährungen und dazugehörigen Aktivitäten, der sich negativ auf das Leben eines Menschen auswirkt. Kryptowährung-Sucht ist eine verhaltensbasierte Sucht, die der Spielsucht ähnelt und persönliche und familiäre Beziehungen sowie Freiheitsaktivitäten stört und schädigt.

Laut den Suchtexperten seien insbesondere Männer von dem Problem betroffenen. Obwohl die Sucht vor allem bei jungen Erwachsenen auftrete, könne sie auch ältere Generationen betreffen.

 

Besonders gefährdet seien Personen, die bereits problematisches Verhalten bei Glücksspielen aufwiesen, da ähnliche psychologische Mechanismen vorlägen. Pathologischer Krypto-Handel zeichne sich beispielsweise durch starke Emotionen aus, z.B. Euphorie im Falle einer Wertsteigerung, die zu einer persönlichen finanziellen Bereicherung führen.

 

Auch das „Nachjagen von Verlusten“, welches häufig zur Verschuldung führe, sei ein starkes Warnzeichen. Da das Phänomen der Kryptowährung-Sucht jedoch eher neu sei und es entsprechend keine gezielten Studien gebe, sei es nötig, dem Thema künftig mehr Aufmerksamkeit zu widmen.