, 27.02.2021

Bei der Prävention und Behandlung von Spielsucht fehlt es an „kulturell sensitiven“ Lösungen. Dies hat in dieser Woche das US-amerikanische Fernseh-Netzwerk NBC News thematisiert. So werde die Glücksspielsucht beispielsweise für Amerikaner asiatischer Abstammung häufig zu einem „stillen Kampf“.

 

Das Glücksspielverhalten sei, wie Timothy Fong von der Spielerschutzorganisation UCLA Gambling Studies Program den Journalisten von NBC erklärt, kulturell geprägt. In der asiatischen Kultur sei es beispielsweise in Form des chinesischen Glücksspiels Mahjong tief verwurzelt. So könne es beim chinesischen Mondfest sogar zum Tabu werden, nicht an Glücksspielen teilzunehmen.

 

Während das Glücksspiel in China jedoch nur Spielern in Macau zugänglich sei, träfen asiatische Spieler in den USA plötzlich auf ein großes und frei zugängliches Angebot. An alternativen nicht-glücksspielbezogen Freizeitaktivitäten, die gezielt die Gemeinschaft asiatisch-stämmiger Amerikaner anspreche, mangele es dagegen.

 

Armut als Trigger für Casino-Besuche

 

Im Jahr 2019 befragte die Glücksspielbehörde von Massachusetts, die Massachusetts Gaming Commission, asiatische Amerikaner zur hohen Beteiligung am Glücksspiel. Ein aus China stammender Spieler erklärte dabei, neben fehlenden Freizeitangeboten sei Armut Anlass für viele Casino-Besuche:

Menschen der unteren Klasse, ob sie arbeiten oder nicht, sprechen kein Englisch. Die Leute sprechen Taiwanesisch, Hakka oder nordische Dialekte wie Mandarin. Wo können die Menschen hingehen? Und sie wollen Geld machen. Zuerst denken sie, dass sie das Geld, das sie im Casino [mit Boni, Anm. d. Red.] gewonnen haben, verwenden können, um mehr Geld zu verdienen. Dann, wenn sie verlieren, beginnen sie, ihr eigenes Geld zum Spielen zu nutzen.

Besonders Boni, kostenlose Bustransfers sowie Gratis-Mahlzeiten seien für Spieler aus Bostons Chinatown hohe Anreize für einen Besuch im Casino. Während es an gezielten Spielangeboten für Asiatische Amerikaner nicht fehle, seien die Behandlungsmöglichkeiten laut Timothy Fong dagegen begrenzt.

Wie unter anderem das MiGAZIN berichtete, seien auch in Deutschland Menschen mit Migrationshintergrund anfälliger für Spielsucht. Gleichwohl mangele es an Beratungs- und Hilfsangeboten in ausländischer Sprache. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an einer Gesamtzahl von rund 500.000 Spielsüchtigen in Deutschland liege nach Einschätzung von Experten bei 40 %. Dagegen sei der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der gesamten deutschen Bevölkerung nur rund 20 % und damit halb so hoch.

In Kalifornien beispielsweise gebe es 206 zertifizierte Spielsuchtberater. Unter ihnen gebe es allerdings gerade einmal zwei Dutzend, die eine asiatische Sprache beherrschten. Doch nicht nur zweisprachige Behandlungsangebote seien bei der Spielsucht-Beratung notwendig. Auch die Beachtung kultureller Unterschiede sei entscheidend. So sei es bei der asiatisch-stämmigen Gemeinschaft besonders wichtig, nicht nur den Glücksspielsüchtigen selbst, sondern seine gesamte Familie zu behandeln.

 

Das Fehlen einer kultursensiblen Beratung wird von Experten nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland als Schlüsselfaktor betrachtet. So habe ein muslimischer Jugendlicher laut MiGAZIN aufgrund seines Glaubens einen anderen Bezug zur Glücksspielsucht. Zugleich fehle es an detaillierten und vielfältigen Informationen in anderen Sprachen, wie der Blick auf die Webseite der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern zeige.

 

In Boston Chinatown hätten sich nun verschiedene Gruppen und Vereine zusammengeschlossen, um das Glücksspielverhalten von asiatisch-stämmigen Gemeinschaften zu untersuchen. Ein ähnlicher Ansatz könnte auch in Deutschland den Weg für eine differenziertere Suchtprävention ebnen.