, 27.02.2020

Aktuell sorgt der von den Ländern geplante Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag (GlüNeuRStV) in Deutschland für großen Aufruhr. Niemand scheint mit den Inhalten des Vertragsentwurf restlos zufrieden.

 

Während Glücksspielanbieter und Verbände das Regelwerk insgesamt als zu streng und unattraktiv einstufen, kritisieren Spielsuchtexperten, dass nicht genug für den Spielerschutz getan werde.

 

Auch Daniela Senger-Hoffmann (57) von der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen ist der Ansicht, dass die Liberalisierung des deutschen Online-Glücksspielmarktes große Risiken berge.

Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) befindet sich in Frankfurt und betreibt seit dem Jahr 2008 15 ambulante Fachberatungsstellen für Spielsucht im gesamten Bundesland. Im Jahr 2018 seien in diesen insgesamt 1.300 von pathologischem Glücksspiel betroffene Personen oder deren Angehörige betreut worden, so die Landesstelle.

Im Interview mit der Frankfurter Rundschau erklärt Senger-Hoffmann, dass vor allem die Ausweitung der legal verfügbaren Glücksspielprodukte das Problem der Spielsucht in Deutschland vergrößern könnte.

 

Die Allgegenwärtigkeit von Sportwetten und Slots

Nach Ansicht der Expertin stelle der neue Staatsvertrag die Weichen für eine nahezu uneingeschränkte Verfügbarkeit des Glücksspiels, sowohl im landbasierten als auch im Online-Sektor.

 

Es sei zu bemängeln, dass für landbasierte Wettbüros keine Mindestabstände vorgesehen würden, weder untereinander noch zu Schulen und anderen Einrichtungen, in denen Minderjährige verkehren.

 

Das Online Glücksspiel jedoch maximiere diesen Aspekt, weil es nicht nur überall, sondern vor allem auch zu jeder Tageszeit nutzbar sei:

Online-Glücksspielen kann man rund um die Uhr. Es gibt überhaupt keine soziale Kontrolle mehr. Es gibt keine Sperrzeiten wie im hessischen Spielhallengesetz. Mehr Menschen werden die Angebote wahrnehmen, denn man kann sie überall auch auf mobilen Endgeräten spielen.

Aus diesem Grund könne es künftig sogar zu Klagen aus dem landbasierten Glücksspielsektor kommen, so die Expertin. Aufgrund der gesetzlich festgelegten Sperrzeiten für Spielhallen und Buchmacher entstünde ein Wettbewerbsnachteil.

 

Strengere Regeln, strengere Kontrollen

Eine Liberalisierung des Online-Glücksspielmarktes scheint sie dennoch zumindest insofern für sinnvoll zu halten, als der Staat mehr Zugriffsmöglichkeiten erhalte, um Spieler- und Jugendschutz durchzusetzen.

 

Das Glücksspielgesetz sei jedoch nur dann nützlich, wenn regelmäßig Kontrollen durchgeführt würden.

 

Auch müssten die Regularien für den Bereich des Online-Glücksspiels an den landbasierten Sektor angepasst werden. Die Rede ist von Sperrzeiten und einem Werbeverbot.

 

Ob die Minister der Länder den Vertragsentwurf in Bezug auf eine stärkere Spielsuchtprävention nachträglich ändern werden, ist fraglich. Die Diskussionen um das Thema werden ohne Zweifel jedoch weitergehen.