Donnerstag, 06. Oktober 2022

Muttermord in Borchen: Lebenslange Haft für glücksspiel­süchtige Frau

Nachttischlampe neben Bett

Das Landgericht Paderborn hat gestern eine Frau aus Borchen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die 48-Jährige ihre Mutter (†76) 2019 brutal ermordete. Hintergrund sollen hohe Spielschulden gewesen sein, die die Frau im Rahmen ihrer Sucht nach Sportwetten angehäuft hatte.

Muttermord im Eigenheim

Rund anderthalb Jahre nach dem gewaltsamen Tod ihrer Mutter wurde Sandra N. gestern des Mordes schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte der Frau vorgeworfen, die 76-jährige Witwe am 21. September 2019 im gemeinsamen Wohnhaus im nordrhein-westfälischen Borchen erschlagen zu haben.

Zuvor soll sie versucht haben, die Seniorin zunächst mit Schlafmitteln zu vergiften und dann zu ersticken. Als beides in Folge missglückt sei, habe sie zu zwei Nachttischlampen gegriffen, um die Tötung zu vollenden.

In der Nacht zum 23. September 2019 hatte die Verurteilte auf einer Autobahn in Bayern einen Unfall verursacht, in dessen Folge der Fahrer eines anderen Wagens verstarb. Danach war sie auf die Gegenfahrbahn gelaufen und schwer verletzt worden. Ihr ebenfalls im Wagen anwesender Ex-Mann blieb unverletzt. Einer der Ersthelfer vor Ort war der bayerische Innenminister Joachim Herrmann.

Als Motiv und Mordmerkmal hatten die Ermittler Habgier ermittelt. So habe die spielsüchtige Tochter auf ein vorzeitiges Erbe spekuliert. Die ebenfalls von der Staatsanwaltschaft geforderte Feststellung der besonderen Schwere der Schuld lehnte das Schwurgericht ab.

170.000 Euro Glücksspiel-Schulden

Während des Prozesses war herausgekommen, dass die Verurteilte jährlich bis zu 70.000 Euro beim Glücksspiel ausgegeben hatte. Um an mehr Geld zu gelangen, habe sie nicht nur dutzende Konten bei unterschiedlichen Banken eingerichtet und diverse Kredite aufgenommen, sondern auch ihre Wohnung beliehen und ihr Auto verkauft. Zudem habe ihre Mutter Kredite für sie aufgenommen.

Letztlich hätten sich ihre Schulden auf rund 170.000 Euro belaufen. Laut Anklage sei die Frau verstärkt unter Druck geraten:

Ihre Lage war aussichtslos. Sie wollte das Geld haben.

Die Verteidigung hatte während des Prozesses auf einen Freispruch hingearbeitet. Ihrer Auffassung nach bestünden erhebliche Zweifel an der Schuld der 48-Jährigen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass deren mittlerweile geschiedener Ehemann als Täter in Frage komme.

Der Veterinär war nach der Tat zunächst ins Visier der Ermittler geraten und hatte rund drei Monate in Untersuchungshaft verbracht, war dann aber freigelassen worden. Laut Neuer Westfälischer soll der Mann von der Staatsanwaltschaft jedoch nach wie vor als Beschuldigter geführt werden.

Seine Frau hatte unter anderem angegeben, dass er beide Frauen terrorisiert und die ältere letztlich erschlagen habe. In einer weiteren Version hatte sie angegeben, von ihrem Mann zur Tötung der Mutter gezwungen worden zu sein.