, 02.01.2019

Das Casino hat in Europa eine lange Tradition. Viele der ersten Casinos sind in prächtigen Palästen entstanden und Ihnen haftete viel Glamour an, den sich heutzutage noch so mancher Spielfilm zunutze macht und den auch heute noch viele berühmte Casinos verströmen.

 

Die Herkunft des Casinos in Europa: Der Palazzo Dandolo in Venedig

 

Das Wort Casino, im Deutschen auch Kasino, ist dem Italienischen entlehnt, wo es ein „Gesellschaftshaus“, also ein Haus für gesellige Zusammenkünfte und für Unterhaltung mit Lesezimmer und mit Spielzimmer bezeichnet. Der Begriff „Casino“ leitet sich im Italienischen von dem Wort „Haus“ ab.

 

Der Begriff “Casino” wurde laut Digitalem Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ins Deutsche übernommen. Hier war es als solches zunächst im Süden bekannt.

 

Palazzo Dandolo

Der Palazzo Dandolo in Venedig beherbergte das erste moderne Casino Europas. (Bild: WIkipedia)

In Italien hat nicht nur das Wort Casino seinen Ursprung, sondern dort ist auch eines der ältesten Casinos Europas anzutreffen. In Venedig wurde 1638 „Ridotto“ im Palazzo Dandolo eröffnet.

 

In Europa waren, beispielsweise in Frankfurt am Main, bereits seit dem 13. und 14. Jahrhundert  konzessionierte Spielhäuser zu finden. Das “Ridotto” war daher nicht das erste Casino Europas.

 

Wohl war es aber das erste, das internationale Bekanntheit erlangte und als Vorläufer der modernen Casinos gilt. Heute beherbergt der Palast ein Fünf-Sterne-Hotel, das Hotel Danieli, das als eine der ersten Adressen Venedigs zählt.

 

Schnell nahm nach der Gründung des Ridotto in Italien die Anzahl der Spielhallen zu, die meistens von italienischen Adligen betrieben wurden und deren spielintensivste Zeiten eng mit dem Karneval verbunden war. Zur Institutionalisierung des Glücksspiels kam es im folgenden Jahrhundert in Europa vor allem in den Kurorten und in den Residenzstädten, aber auch auf Bällen und Jahrmärkten.

 

Unter Napoleon war das Glücksspiel im Pariser Palais

Bis zum 19. Jahrhundert entwickelten sich in den verschiedenen europäischen Staaten unterschiedliche Umgangsweisen mit den Spielstätten, oft abhängig nicht nur von der moralischen Auffassung der jeweiligen Herrscher, sondern auch von ihrer finanziellen Lage.

 

In Italien zum Beispiel, wo das moderne europäische Casino seinen Ursprung hat, verbot Napoleon Bonaparte das private Glücksspiel. Er erlaubte das Glücksspiel nur noch im Pariser Quartier Palais-Royal.

 

Von adligen Palästen bis in die Badeorte

 

Nicht nur im Pariser Palais-Royal erlebte das Glücksspiel im 19. Jahrhundert eine Blütezeit. Casinos gab es zu dieser Epoche in fast allen größeren Städten Frankreichs. Im Jahr 1820 jedoch erhielt die Stadt Paris das Recht, Spielhäuser an Privatunternehmer zu verpachten und begann, Restriktionen wie die Beschränkung der Spieltage einzuführen.

 

Die Einnahmen minimierten sich und 1837 ließ der als Bürgerkönig in die Geschichte eingegangene Louis Philippe die Spielhäuser in Frankreich schließen. Mit dem Ende dieser Ära in Frankreich jedoch begann die Zeit des institutionalisierten Glücksspiels in den deutschen Badeorten.

 

Die Badeorte und Heilquellen waren nicht nur beliebt, um hier die Gesundheit zu fördern, sondern auch, um sich anderweitigen Zerstreuungen zu widmen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die ersten echten Casinos in Kurorten wie Bad Homburg und Baden-Baden eröffnet.

 

Casino Baden-Baden – Kurhaus und Wahrzeichen der Stadt

 

Als nach 1837 die große Zeit der Casinos in den Kurorten begann, erlangte der Kurort Baden-Baden Berühmtheit. Jacques Bénazet, einst Casino-Pächter in Paris, suchte nach neuen Spielstätten außerhalb von Frankreich und wurde in Baden-Baden fündig. Im Jahr 1838 erhielt er die Konzession für das Spielhaus und ließ nicht nur viel Geld in das Etablissement an sich fließen, sondern auch in das kulturelle Leben in Baden-Baden.

Das Kurhaus, das das Casino in Baden-Baden beherbergte, wurde von 1821 bis 1823 nach den Plänen von Friedrich Weinbrenner im klassizistischen Stil mit acht korinthischen Säulen errichtet. Hier befand sich neben verschiedenen Räumlichkeiten und einem Theater ein großer Speisesaal, in dem getanzt und gespielt wurde und der noch heute eines der bekanntesten Casinos Europas beherbergt.

Als Jacques Bénazet zehn Jahre nach der Übernahme des Casinos starb, übernahm sein Sohn Edouard Oscar Bénazet das Spielhaus und leitete eine Blütezeit ein, in der das Casino internationale Berühmtheit erlangte. Die Gäste kamen aus aller Welt und russische Staatsräte waren unter ihnen ebenso zu finden wie englische Adlige und Mitglieder der hohen Pariser Gesellschaft.

 

Nach der Reichsgründung mussten allerdings auch in Deutschland 1872 die Casinos ihre Pforten schließen. Daher zog das Glücksspiel nach Monte Carlo, wo noch heute das Casino zu bewundern ist.

 

Casino von Monte Carlo

Das Casino von Monte Carlo bezaubert noch heute mit einer prunkvollen Fassade. (Bild: Wikipedia)

Filmreifer Auftritt: Das Casino de Monte Carlo

 

Das Casino von Monte Carlo wurde im Jahr 1856 errichtet und bezaubert noch heute mit einem prunkvollen Antlitz, das es zur beliebten Filmkulisse macht. So ist das Casino von Monte Carlo beispielsweise in dem Film „Ocean’s Twelve“ zu sehen.

 

Als François Blanc, der Gründer des Casinos in Bad Homburg, die Spielbank von Monte Carlo 1863 übernahm, führte er sie zum internationalen Erfolg. Er ließ Unterhaltung und Glücksspiel miteinander verschmelzen und trieb den infrastrukturellen Ausbau des monegassischen Stadtviertels voran.

 

In Folge der Bemühungen von François Blanc wurden in Monte Carlo nicht nur mehr Hotels errichtet, sondern 1868 wurde auch die Bahnlinie eröffnete und es kamen immer mehr Besucher in den berühmten Stadtbezirk. Dies machte sich in den Einnahmen bemerkbar und viele Jahre lange deckten die Einnahmen durch das Casino die Ausgaben des Staatshaushaltes von Monaco.

 

Exklusives Glücksspiel in Großbritannien: Der Crockford Club in Mayfair

 

Während sich im Süden Deutschlands bereits im 18. Jahrhundert das Wort „Casino“ durchsetzen konnte, griff man zu dieser Zeit in Norddeutschland eher auf das Wort „Klub“ zurück. Dieses wurde aus dem Englischen übernommen und ging auf die Tradition der englischen „clubs“ zurück.

 

Die Clubs waren im 19. Jahrhundert das Zentrum der männlichen High-Society. Ihre Bedeutung spiegelt sich in zahlreichen Geschichten und Legenden, wie die um die Entstehung des Sandwiches, wider.

 

Es wird erzählt, dass der Earl of Sandwich dem belegten Brot seinen Namen verlieh, als der spielbegeisterte Adlige 1762 während eines besonders langen Spiels nichts weiter aß als ein Stück Roastbeef zwischen zwei Toastscheiben, die er in der Hand halten und dabei weiterspielen konnte.

 

In den Clubs traf man sich, um Freunde zu treffen, Gesellschaftsspiele zu spielen oder eben dem Glücksspiel nachzugehen und viele der Clubs erlangten Berühmtheit. Einer der ältesten Clubs, in dem man sich vorrangig dem Glücksspiel widmete, war der Crockford’s Club, der 1823 gegründet worden war und bis 1970 Bestand hatte.

 

Noch heute erfreuen sich die Herrenclubs großer Beliebtheit. Autor Tom Stacey beispielsweise ist seit über 40 Jahren Mitglied in einem von ihnen und beschreibt den Club gegenüber dem BBC als ein “Refugium”:

“Hier kann man völlig unbefangen sein. Man ist hier unter Menschen, mit denen man aufgewachsen ist, mit denen man zur Schule gegangen ist. Man spricht dieselbe Sprache. Das ist nicht versnobt, es erlaubt einem lediglich zu entspannen.”

Das Glücksspiel und eng verbunden mit ihm die Casinos sind im digitalen Zeitalter nicht mehr nur in der physischen Welt zu finden, sondern breiten sich auch online immer weiter aus. Beide, die „realen“ Casinos ebenso wie die Online-Casinos werden hierbei aber auch immer wieder verboten.