, October 29, 2018

Traurige Nachrichten aus England: Nach dem Spiel zwischen Leicester City und West Ham (1:1) kam es am Samstagabend in der Nähe des King Power Stadions zu einem Helikopterabsturz, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen.

 

Vichai Srivaddhanaprabha

Vichai Srivaddhanaprabha bei einer Sportveranstaltung (Quelle: WikimediaCommons)

Einer der Passagiere war Leicester City´s Club-Boss Vichai Srivaddhanaprabha (61).

 

Wie Augenzeugen berichteten, war die Maschine um etwa 20:30 Uhr Ortszeit im Stadion abgehoben. Bereits kurz nach dem Start sollen die Rotoren des Fluggerätes begonnen haben, ungewöhnliche Geräusche zu machen.

 

Die Maschine sei noch einige hundert Meter Richtung Südosten geflogen, schließlich jedoch außer Kontrolle geraten und nahe dem Stadionparkplatz abgestürzt und in Flammen aufgegangen.

 

Obwohl Rettungskräfte von Polizei und Feuerwehr schnell vor Ort waren, konnten weder Besatzung noch Passagiere lebend geborgen werden.

 

Vichai Srivaddhanaprabha – der Duty Free-Visionär

 

Vichai Srivaddhanaprabha galt auf vielen Gebieten als Visionär. Als Vorsitzender von King Power war der Thailänder Führer eines der größten Duty Free-Imperien der Welt und konnte im Laufe seiner Karriere zum viertreichsten Mann Thailands aufsteigen.

 

Vichai Srivaddhanaprabha erhielt Anfang der 90er-Jahre eine der ersten Lizenzen, um in thailändischen Städten operieren zu können. Mitte der 90er bis in die frühen 2000er erwarb das Unternehmen unter seiner Leitung Genehmigungen, um auch Duty Free-Shops an chinesischen und thailändischen Flughäfen zu betreiben.

 

Vichai Srivaddhanaprabha unterhielt gute Kontakte in das thailändische Königshaus, das King Power 2009 zum offiziellen Hoflieferanten ernannte. 2014 konnte der Konzern einen Mega-Deal mit Air Asia verkünden, der es dem Duty-Free-Riesen erlaubte, seine Produkte auf allen Flügen der Airline zu verkaufen.

 

 

Ein leidenschaftlicher Sportfan

 

Neben seinen Geschäften widmete Srivaddhanaprabha seine Aufmerksamkeit dem Sport. King Power gilt als einer der größten Sponsoren von Polo in Thailand. Das Unternehmen engagiert sich vor allem für junge Spieler und fördert deren Ausbildung.

 

Die zweite große Liebe des Milliardärs war der Fußball. Im Jahre 2010 kaufte er den finanziell angeschlagenen Premier-League-Club Leicester City für 32 Millionen Pfund vom serbisch-amerikanischen Geschäftsmann Milan Mandaric.

 

Eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte

 

Leicester Logo

Das Logo von Leicester City (Quelle: Flickr Fourthhandfifteen)

Als Vichai Srivaddhanaprabha Leicester City kaufte, waren die Füchse ein angeschlagener Verein. Der Erstligist war verschuldet und sportlich immer nahe am Abstieg in die zweite Liga.

 

Es sah nicht danach aus, als hätte der Geschäftsmann, der Spielerblut besitzt, in diesem Fall auf das richtige Pferd gesetzt.

 

Doch Leicester City, ein 5000:1 Außenseiter auf den Premier League-Titel, schaffte das Unvorhergesehene und konnte in der Saison 2015/2016 die Meisterschaft für sich entscheiden. Spätestens nach diesem Erfolg galt Vichai Srivaddhanaprabha nicht nur als kluger Investor, sondern als Liebling bei den Fans.

Leicester City – eine kurze Vereinsgeschichte

Leicester City wurde im Jahre 1884 unter dem Namen Leicester Fosse gegründet. Zehn Jahre nach seiner Gründung wurde der Klub in die englische Fußball-Liga aufgenommen, wo er bis 1915 verblieb. Es folgten Jahrzehnte schwerer finanzieller Rückschläge.

 

Im Jahre 1948 erhielt der Verein sein offizielles Logo: den Fuchs. Er ist bis heute das Maskottchen des Teams.

 

Nach dem Leicester City die 40er-Jahre in der zweiten Liga zubrachte, stieg das Team in den 50er-Jahren immer wieder in die erste Liga auf, konnte sich aber nicht kontinuierlich halten. Auch die 60er-, 70er- und 80er-Jahre waren von Höhen und Tiefengeprägt, die bis in die 90er-Jahre und die 2000er anhielten.

 

2010 wurde die Mannschaft von einem thailändischen Konsortium unter der Führung von Vichai Srivaddhanaprabha gekauft. Auch unter der neuen Klubleitung konnten nur mäßige Erfolge erzielt werden, wie der Klassenerhalt in der Saison 2014/2015. In der Spielzeit 2015/2016 gelang dem Verein schließlich das Unglaubliche: Der Gewinn der englischen Premier League.

Ein beliebter Club-Chef

In einer Zeit, in der nicht wenige Fußballfans bedauern, dass Traditionsvereine von Milliardären kommerzialisiert werden, war Vichai Srivaddhanaprabha trotzdem sehr beliebt. Der Geschäftsmann war für seine lockere Art und großzügige Aktionen bekannt.

 

So durften sich Fans an seinem Geburtstag über Freibier im Stadion freuen. Einem lokalen Krankenhaus spendete er zwei Millionen Pfund. In den englischen Medien war er als „ruhiger Mann mit großem Herzen“ bekannt.

 

Der Thailänder gab Leicester City den Glauben zurück und hatte großen Anteil an der Aschenputtel-Geschichte des Vereins. Nach dem Gewinn der Premier League wurde Vichai Srivaddhanaprabha beinahe wie ein Heiliger verehrt. Portraits des Klubbesitzers zieren bis heute ganze Häuserwände in Leicester.

 

Große Trauer in Leicester

 

In Leicester ist die Trauer zwei Tage nach dem Unfall groß. Fans legen noch immer Blumen vor dem Stadion nieder und gedenken so einem Mann, der gezeigt hat, dass sportlicher Erfolg mit menschlichem Antlitz möglich ist.

 

Im offiziellen Statement von Leicester City (Link in Englisch) heißt es:

 

„Die Welt hat einen großen Mann verloren, einen wohlwollenden und großzügigen Mann,  der sich liebevoll seiner Familie widmete und denen, die er erfolgreich leitete. Leicester City war unter seiner Führung eine Familie.“

 

In dieser schweren Zeit ist es wichtig, dass Fans und Verein zusammenhalten. Denn so wie der gemeinsame Jubel über das „Wunder von Leicester“ die Stimmung einer ganzen Stadt erhellte, kann die gemeinsame Trauer den Schmerz des Verlustes ein wenig lindern.