, March 3, 2019

Wie die Liechtensteiner Online Zeitung „Vaterland“ am Donnerstag berichtete, könnte es im Fürstentum Liechtenstein bald ein drittes Casino geben. Gemäß dem Liechtensteiner Geldpielgesetz kann jeder, der die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, sich um eine Konzession zum Bau einer Spielbank bewerben. Doch wie viele Casinos passen in den Kleinststaat und was sagt die dort ansässige Konkurrenz?

 

(K)eine Konkurrenz aus der Nachbarschaft

Das Fürstentum Liechtenstein ist der sechstkleinste Staat der Erde. Auf einer Fläche von knapp 160 km², deren Hälfte aus fast unbewohntem alpinem Gebirge besteht, wohnen 38.111 Menschen (Stand 2017), verteilt auf elf Gemeinden.

 

Seit dem Jahr 2017 gibt es in zwei der Gemeinden jeweils eine große Spielbank: das Casino Admiral Ruggell und das Casino Schaanwald in Mauren. Die bisher sehr erfolgreichen Casinos könnten nun Konkurrenz durch eine dritte Spielbank bekommen.

 

Liechtenstein Casinos

Alle drei Casinos in unmittelbarer räumlicher Nähe (Bild: Google)

Wie der Geschäftsführer der Axalo Immobilien AG gegenüber „Vaterland“ bestätigte, sei für die Zollstaße in der Gemeinde Schaan ein Baugesuch eingereicht worden, welches derzeit in Bearbeitung sei.

 

Während der Öffentlichkeit derzeit keine Informationen zu den Bauherren vorliegen, habe man bereits verkünden können, dass es sich bei dem Bauprojekt um ein Casino handle.

 

Informationen der Marketing-Abteilung des Casino Schaanwald zufolge, könne man ausschließen, dass es sich bei den Bauherren um die Gruppe Casinos Austria, handle.

 

Eine Gefahr für die eigene Spielbank sehe man im Casino Schaanwald aber keinesfalls. Vielmehr sei die Anwesenheit eines dritten Casinos eine Chance „sich von Mitbewerbern abheben zu können“. Eine ähnliche Einstellung scheint derzeit auch das Admiral Casino zu vertreten, deren Sprecherin auf das „Ermessen des Gesetzgebers“ vertraue.

 

Der Kampf um die Konzessionen

Dass es heute in Liechtenstein überhaupt Casinos geben darf, ist einer Gesetzesänderung im Jahr 2010 zu verdanken. Seit 1949 galt im Fürstentum nämlich ein ausdrückliches Glücksspielverbot, praktisch aber gab es bereits seit 1846 keine aktive Spielbank mehr im Alpenstaat.

 

Das Geldspielgesetz (GSG) vom 30. Juni 2010 liberalisierte dann den Markt für landbasierte Spielcasinos. Acht Monate später schrieb die Regierung dann die Vergabe einer Glücksspielkonzession aus. Jeder, der die im Geldspielgesetz erfassten Bedingungen erfüllte, konnte nun einen Antrag stellen.

 

Im Jahr 2012 erhielt die Casino Vaduzerhof AG zunächst eine Konzession, jedoch ging die konkurrierende Admiral Casino AG gerichtlich gegen diese vor. Nach einem fünf Jahre andauernden Rechtsstreit erhielt die Konkurrenz aus Österreich schließlich die Konzession, sich im Fürstentum niederzulassen.

 

Das Casino Schaanwald folgte nur wenige Monate später im Oktober 2017 und feierte eine große Eröffnung mit prominenten Gästen. Von der Ausstattung her sind sich beide Spielbanken recht ähnlich. So gibt es im Admiral Casino Ruggell beispielsweise fünf Live-Tische und 108 Spielautomaten, im Schaanwald Casino hingegen vier Tische für Kartenspiele, drei Roulette Tableaus und 114 Spielautomaten.

 

Beide Casinos könnten ihr Angebot theoretisch beliebig ausweiten, da per Gesetz keine Grenze für die Anzahl der Tischspiele, Spielautomaten oder Jackpots vorgeschrieben wird.

Seitens der Unternehmen lohnt sich das Anbieten von Glücksspiel in Liechtenstein besonders aus steuerlicher Perspektive. So variieren die Abgabepflichten je nach Höhe der Einnahmen zwischen 17,5 % und 40 %. In Österreich liegt der Steuersatz auf die Bruttoeinnahmen bei konstanten 30 %, in der Schweiz hingegen seit dem Geldspielgesetz von 2018 bei zwischen 40 und 80 %.

Die günstigen Steuersätze sind auch der Grund, warum die Liechtensteiner Casinos die Konkurrenz aus dem umliegenden Ausland nicht fürchten. Nahe der Landesgrenze auf Schweizer Seite befindet sich jeweils ein Casino in Pfäffikon, Bad Ragaz und St. Gallen, auf österreichischer Seite eines in Bregenz und in Deutschland jeweils eines in Lindau und Konstanz.

 

Eine erste offizielle Abrechnung über die Einnahmen beider Casinos bestätigte bereits nach weniger als einem Jahr den wirtschaftlichen Erfolg. Bis zum Juni 2018 kamen nämlich gebündelte 12,59 Mio. Euro Bruttoeinnahmen zusammen.

 

Online Glücksspiel erlaubt oder nicht?

Kompliziert wird es in Liechtenstein, wenn es um die Legalität des Online Glücksspiels geht. Im Geldspielgesetz (Abschnitt 5, Artikel 63) heißt es, dass Online Spiele nur von einer konzessionierten Spielbank angeboten werden dürfen. Konkret gemeint sind damit Spielbanken mit einem physischen Sitz innerhalb des Fürstentums.

 

Doch revidierte die Regierung in den letzten Jahren mehrmals jenen Abschnitt des Geldspielgesetzes und positionierte sich letztendlich gegen die Ausweitung des Glücksspiels auf das Internet. Weder das Admiral Casino Ruggell noch das Casino Schaanwald konnten daher eine zusätzliche Online Konzession erworben.

 

Wie die Liechtensteiner Zeitung „Volksblatt“ im April letzten Jahres berichtete, wolle man abwarten, wie die Eröffnung des Online Marktes in der Schweiz verlaufen würde. Bei einem geographisch so kleinen Land wie Liechtenstein drängen sich jedoch Zweifel auf, ob sich ein ähnlicher Weg wie jener der Schweizer tatsächlich lohnen würde.

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