, December 9, 2016

Live Resort Madrid

Der US-Milliardär will mit dem „Live! Resort Madrid“ echten Las Vegas-Flair nach Europa bringen. Die Region um Madrid soll zu einem neuen Glücksspiel-Mekka werden. (Bildquelle)

Schon seit Jahren gibt es Bestrebungen, vor den Toren Madrids einen großen Casinokomplex zu erbauen. Experten von Pricewaterhouse Cooper hatten herausgefunden, dass die Region zu einem zweiten Las Vegas oder Macau werden könnte. Vor ziemlich genau drei Jahren gaben der US-Casinobetreiber Las Vegas Sands und der Magnat Sheldon Adelson ihren Plan vom vielversprechenden Projekt „Eurovegas“ auf. Für mehr als 30 Milliarden Euro sollte eine Glücksspielstadt mit sechs Casinos, zwölf Hotels und zahlreichen Geschäften entstehen. Dadurch sollten 250.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Doch der Casino-Betreiber konnte sich nicht mit der spanischen Regierung einigen. Nun versucht sich der US-Milliardär David Cordish, ein Freund von Donald Trump, an der nächsten Freizeit- und Casino-Stadt in der Nähe von Madrid.

 

Der Milliardär David Cordish hat einiges vor. Er will in der Nähe der spanischen Hauptstadt unter dem Namen „Live! Resort Madrid“ einen Casino-Komplex mit zahlreichen Hotels, Shoppingzentren, Restaurants, Kinos, Theatern im Broadway-Stil, einem eigenen Zirkus, sechs Schwimmbädern und sogar einem „Beach Club“ bauen. In dem Resort soll es 2.700 Übernachtungsmöglichkeiten geben. Der Komplex soll allerdings 50 Kilometer entfernt vom Zentrum Madrids entstehen. Mitten in der Einöde, unweit eines Dorfes namens Torres de la Alameda. An der Lage stört sich Cordish wenig. Da es rund um das viel attraktivere Barcelona keine Flächen mehr für Glücksspiel-Häuser gibt, bleibt ihm nur die Region Madrid.

 

Das 134 Hektar große Terrain in der Einöde hat David Cordish schon gekauft

 

In den USA besitzt Cordish, der gut mit dem kommenden US-Präsidenten Donald Trump befreundet ist, schon einige Casinos. Zu seinen bekanntesten Häusern gehören das Power Plant Live und das Maryland Live Casino. Der Komplex soll sein erstes Standbein in Spanien werden. Das Terrain für das „Live! Resort Madrid“, 134 Hektar verdorrter Steppe, hat der Milliardär schon gekauft. Bis zu drei Milliarden Euro will er dort investieren. Nun muss er aber viel Lobbyarbeit und Werbung für sein Projekt machen. Seine wichtigsten Manager haben in dieser Woche den Politikern der Hauptstadt den ersten Entwurf präsentiert. In einer Computersimulation bekamen die Verantwortlichen einen ersten Ausblick, wie das Resort eines Tages aussehen soll.

 

Die Madrider Landespräsidentin Cristina Cifuentes hat er schon auf seiner Seite. Sie bekräftigte gegenüber der Baltimore Sun:

„Ich bin noch vorsichtig. Aber es sieht gut aus. Wir wollen alles tun, damit ‚Live! Resort Madrid Realität’ wird. Wir werden das Eintrittstor für amerikanische Touristen in Europa. Das Projekt hat rein gar nichts mit Eurovegas zu tun, da nur ein kleiner Teil dem Glücksspiel gewidmet ist.“

Viele Politiker hoffen, dass durch das Resort noch mehr als die bisher elf Millionen Touristen im Jahr den Weg in Spaniens Hauptstadt finden. Cordish verspricht Einnahmen von vier bis sechs Milliarden Euro in den ersten fünf Jahren. Zudem will er 56.000 direkte und indirekte Jobs schaffen. Der Investor versucht es mit einer Strategie, bei der er wenig über das Casino und das Glücksspiel spricht, sondern viel mehr über die Familienunterhaltung und den Kongresstourismus.

 

Bekommt Cordish ähnliche Schwierigkeiten wie Sheldon Adelson mit Eurovegas?

 

Doch das „Live! Resort Madrid“ könnte vor ähnlichen Schwierigkeiten stehen wie „Eurovegas“. Gegner des Projekts argumentierten damals, dass solche Resorts nur Billigjobs schaffen und die Prostitution fördern würden. „Eurovegas“ musste endgültig beerdigt werden, als Sheldon Adelson von der Regierung auch noch großzügige Steuergeschenke und eine Lockerung der Nichtrauchergesetze in seinen Kasinos verlangte. Zudem sollte die Regierung die Übernahme aller möglicher Verluste garantieren und während der Bauzeit im Fall von veränderten Bedingungen für alle Investitionskosten aufkommen. Las Vegas Sands wollte sein Eurovegas auf dem 750 Hektar großen Brachland im Madrider Vorort Alcorcón bauen.

 

Nun soll also 50 Kilometer außerhalb der Hauptstadt in der Nähe von Torres de la Alameda gebaut werden. Der Bürgermeister Carlos Sáez Gismero wurde bisher nicht nach seiner Meinung gefragt. Die Bewohner des Dorfes sind sehr skeptisch. Sie fragen sich, ob sie nun alle Englisch lernen müssen? Oder wird der Dorfplatz in Zukunft regelmäßig von Fremden überschwemmt? Und was, wenn für die Jobs im Resort Billigarbeiter aus dem Ausland geholt werden? Cordish hofft, dass er in den nächsten fünf bis sechs Monaten grünes Licht von der Regierung für das „Live! Resort Madrid“ bekommt.