, February 14, 2019

Am Dienstag veröffentlichte die Dutch Games Association ein Manifest zum Thema Lootboxen, in welchem sie sich gegen ein Verbot dieser positioniert und bessere Definitionen fordert. Gleichzeitig wurde bei der niederländischen Glücksspielbehörde ein Vorschlag über eine Selbstregulierung von Videospielen mit Lootboxen eingereicht.

 

Die Gaming-Gambling Agenda 2019

Lootboxen sind international ein polarisierendes Thema und die Behörden und Gesetzgeber tun sich schwer, eine unmissverständliche Abgrenzung zwischen Gaming und Gambling, also zwischen Videospielen und Glücksspiel, zu definieren.

 

In den Niederlanden ist das Thema daher in dieser Woche wieder neu aufgeflammt, denn in Kürze soll die sogenannte „Gaming-Gambling Agenda 2019“ in die Tat umgesetzt werden, in welcher die Niederländische Glücksspielaufsichtsbehörde (KSA) Lootboxen als Glücksspiel definiert und somit verbietet.

 

Von Oktober bis Januar jedoch gab die KSA den Industrien die Möglichkeit, sich zum Thema zu äußern und einen Beitrag zur endgültigen Gestaltung der Agenda zu leisten.

 

Gemeinsam mit der niederländischen Games Industrie hat die Dutch Games Association (DGA) daher ein vierseitiges Manifest formuliert, in welchem umfangreiche Lösungsvorschläge zum „Problem Lootbox“ erörtert werden. (Das Manifest kann hier auf Niederländisch eingesehen werden.)

 

Ausgangspunkt der Agenda und folglich des Manifests war die vorläufige Entscheidung der KSA, dass es sich bei Lootboxen klar um eine Form des Glücksspiels handle. Die Behörde argumentierte damit, dass die Käufer der Lootboxen nicht wüssten, was sie kaufen und das Ergebnis allein dem Zufall unterliege.

 

Von diesem Standpunkt ausgehend definiert das niederländische Glücksspielgesetz das Anbieten und den Kauf von Lootboxen als illegales Glücksspiel. Im April letzten Jahres hatte die KSA auch eine Untersuchung zum Thema abgeschlossen, deren Ergebnisse jetzt von der Games Industrie hinterfragt werden.

KSA Studie: 4 von 10 Lootboxen wie Glücksspiel

Am 19. April 2018 veröffentliche die KSA ihre Studie zum Thema Lootboxen. Die Kernfrage des Themas war dabei, ob Lootboxen dem niederländischen Glücksspielgesetz unterliegen und entsprechend verboten werden müssen. Dazu analysierte die Behörde die Lootboxen verschiedener Spiele, um herauszufinden, ob die Inhalte der Spiele durch die Geschicklichkeit eines Spielers oder allein durch Zufall erlangt werden.

 

Laut den Untersuchungsergebnissen fielen 4 von 10 Lootboxen aufgrund ihrer Charakteristika unter das Glücksspielgesetz. Der Inhalt werde zufällig vergeben und die Käufer bezahlten für eine Chance des Gewinnens. Die KSA verglich diesen Kaufvorgang mit Früchtespielautomaten und Roulette und hob in dem Zusammenhang auch die potentiellen Gefahren der Spielsucht hervor.

Größerer Fokus auf die Unterschiede gefordert

Die Dutch Games Association und die niederländische Games Industrie fordern jetzt eine klare Abgrenzung zwischen Lootboxen und anderen Formen des Online Glücksspiels.

 

Denn es läge den Spielentwicklern in der Tat fern, mit ihren Games Spieler zum Glücksspiel zu animieren oder gar den Auslöser problematischen Spielverhaltens darzustellen.

 

Gaming Konsole Fifa

Entertainment klar im Fokus (Bild: Pixabay)

Die Spieleindustrie habe das alleinige Ziel, mit den Spielen eine Form des Entertainments anzubieten. Im heutigen digitalen Zeitalter seien Videospiele eine kulturelle Bereicherung und hätten sogar ein größeres Potential und mehr Einfluss als Filme oder andere Medien.

 

Bei Glücksspielen gehe es allein um finanziellen Gewinn, sowohl seitens der Anbieter als auch seitens der Spieler. Der Entertainment-Faktor im Glücksspiel sei daher nur das äußere Design, nicht die eigentliche Motivation.

 

Aber auch der finanzielle Aspekt der Lootboxen wird in dem Manifest angesprochen, denn schließlich ist der Erhalt einer „digitalen Leistung“ im Austausch gegen Echtgeld der Knackpunkt der Diskussion.

 

Die Games Industrie erklärt Lootboxen dabei als eine von vielen legitimen Möglichkeiten der Spielentwickler, durch ihre Produkte Einkommen zu generieren. Da die Spieler bei den Käufen immer eine Leistung erhielten und eben nicht wie bei Spielautomaten auch Verluste erleiden könnten, sei der Faktor des Entertainments dabei stets präsent.

 

Spielsucht und Jugendschutz adressiert

Die KSA möchte Lootboxen in erster Linie verbieten, weil sie in diesen ein großes Potential für Spielsucht wähnt. In Anbetracht der international steigenden Zahlen von Spielsüchtigen und Problemspielern ist dies ein unvermeidbares Thema, dem sich auch die Videospielindustrie stellen muss.

 

Die Games Industrie betont daher in ihrem Manifest, dass sie die Sorgen einer möglichen Spielsuchterkrankung sehr ernst nehme. Das Analysieren potentieller Gefahren von Lootboxen sei durchaus gerechtfertigt und nötig, um die Konsumenten zu schützen.

 

Gerade was den Jugendschutz anbelangt, müsse die Spieleindustrie bessere Vorkehrungen treffen und grundsätzlich keinerlei Lootboxen in Spielen zulassen, die an Minderjährige verkauft werden dürfen.

 

Allerdings sei sich die Industrie der Realität bewusst, dass es Kindern und Jugendlichen immer wieder gelinge, Zugang zu altersbeschränkten Spielen zu erhalten. Hier wolle man daher auf Aufklärung setzen und Minderjährige gezielt auf die Eigenschaften und potentiellen Risiken von Lootboxen hinweisen.

 

Bessere Kennzeichnung und neue Regulierung

Die Games Industrie und die DGA möchten Lootboxen klar auch weiterhin in Spielen erhalten. Dass mit den käuflichen Extras derzeit nicht alles perfekt läuft, räumen beide Parteien ein. Eine bessere Kennzeichnung müsse grundlegend her.

 

Das Bedeutet zunächst, dass Spieler vor dem Kauf eines Spiels auf den ersten Blick erkennen sollen, ob das Spiel Lootboxen enthält. Des Weiteren sollen bei jedem Spiel die konkreten Gewinnchancen in unmissverständlicher Weise gelistet werden. Klare Prozentzahlen sollen den Spielern bekannt sein, damit informierte Kaufentscheidungen getroffen werden können.

 

Dutch Gaming Association

Wer übernimmt die Regulierung (Bild: DGA)

Da sich die ganze Diskussion um die Frage dreht, ob Lootboxen nun Glücksspiel sind oder nicht, folgt die Frage, welche Behörde letztendlich für die Regulierung von Videospielen und Lootboxen zuständig ist.

 

Die Games Industrie hat daher der niederländischen Glücksspielbehörde vorgeschlagen, die Verantwortung über die Regulierung selbst zu übernehmen. Die Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen, könnte aber eine ideale Lösung für das niederländische Lootboxen-Problem sein.

 

Auf gesetzlicher Ebene hingegen liegt derzeit ein neuer Gesetzesvorschlag zum Thema Online Glücksspiel im obersten Senat (Eerste Kamer) des Landes. Sollte der Gesetzesvorschlag akzeptiert werden, würde das gesamte Glücksspielgesetz in den Niederlanden gelockert werden.

 

Lootboxen hätten damit grundsätzlich weniger Gegenwind. Auch das aktuelle Totalverbot könnte aufgehoben werden und somit einzelnen Formen des Online Glücksspiels der Markt ein wenig geöffnet werden. Doch wie sich der Senat entscheiden wird, ist aktuell noch nicht abzusehen.