, 10.11.2020

Ein Mann aus dem australischen Sydney ist für die Entführung eines Kindes zu einer siebenjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Wie der Sender ABC [Seite auf Englisch] am heutigen Dienstag berichtet, habe der 55-jährige Zhen Jie Zhang auf diese Weise Schulden in Höhe von 5,5 Millionen AUD (rund 3,4 Millionen Euro) vom Vater des Kindes einfordern wollen. Diesem hatte er das Geld im Rahmen gemeinsamer Casino-Besuche geliehen.

 

Zhang habe den damals zwölfjährigen Jungen im Mai 2018 vor seinem Haus in Mudgeeraba im Bundesstaat Queensland entführt. Mithilfe von Hinweisen aus der Bevölkerung habe die Polizei das Kind am Tag darauf im 240 km entfernten Grafton aufgefunden.

Auch in Deutschland ist es im Zusammenhang mit Schulden schon zu Entführungen gekommen. Erst im Juni standen zwei Brüder in Hagen vor Gericht. Ihnen war vorgeworfen worden, im Januar einen 22-Jährigen vor einer Spielhalle entführt und misshandelt zu haben. Wie der Hagener Stadtanzeiger berichtete, hätten die beiden Angehörigen der Hagener Motorradgruppe Freeway Riders den Mann zur Begleichung seiner Schulden aus vergangenen Drogengeschäften bewegen wollen.

Entführung als letzter Ausweg

 

Bevor er sich dazu entschlossen habe, das Kind zu entführen, habe Zhang über die Dauer von dreieinhalb Monaten versucht, das Geld teils mithilfe von Todesdrohungen zurückzufordern. Der Verteidiger Alastair McDougall habe vor Gericht angegeben, dass sein Klient das Geld für medizinische Ausgaben seiner Mutter und für das Schulgeld seines eigenen Sohnes benötigt habe.

 

Vor dem Southport District Court habe Zhang die Tat gestanden und sich mithilfe eines Dolmetschers entschuldigt:

Ich möchte sagen, dass es mir sehr leidtut. (…) Wenn du Angst hast, bitte verzeihe mir das. Dein Vater hat sich furchtbar verhalten und mir eine beträchtliche Menge Geld geschuldet. (…) Ich habe keinen anderen Ausweg gesehen.

Vor der Entführung habe sich sein Mandant nichts zuschulden kommen lassen und sei frei von Vorstrafen, so der Anwalt. Diesen Punkt habe auch die Richterin Katherine McGinness bei ihrer Entscheidung berücksichtigt. Aber auch der Schaden, den Zhang für das junge Opfer verursacht habe, sei für das Urteil von sieben Jahren Gefängnis ausschlaggebend gewesen.