, 09.12.2019

Am 19. November 2019 feierte die von Camelot betriebene britische National Lotterie ihr 25-jähriges Jubiläum. Derzeit ist allerdings unklar, ob es künftig weitere runde Geburtstage zu feiern gibt, denn beim Rennen um die Lizenz bekommt Camelot große Konkurrenz.

 

Grund dafür ist, dass die aktuelle Genehmigung nach einer zwischenzeitlichen Verlängerung im Jahr 2023 ausläuft. Der Vergabeprozess für die kommende Lizenz soll nach Angaben der verantwortlichen National Lottery Commission im kommenden Jahr beginnen. Es wird erwartet, dass sich neben Camelot eine Reihe weiterer Interessenten um den Betrieb der Lotterie bewerben wird.

 

Als einer der aussichtsreichsten Kandidaten gilt dabei der britische Verleger Richard Desmond. Der 68-Jährige gab am Wochenende bekannt, dass er sich um die kommende Lizenz bemühen wolle.

 

In seiner Aussage kritisiert der Besitzer der Express-Zeitungsgruppe den Zustand der Lotterie:

Die National Lotterie ist unter Camelot von ihrem Weg abgekommen (…) und sollte zurück in britische Hände gelangen.

Richard Desmond verfügt über Erfahrung im Lotteriegeschäft, denn neben seinem Medienimperium betreibt er in Großbritannien eine Gesundheitslotterie.

 

Weitere Bewerbungen erwartet

Richard Desmond ist jedoch voraussichtlich nicht der einzige Konkurrent, der sich um die Lizenznachfolge bewirbt. Medienberichten zufolge ist auch die Virgin Group des britischen Milliardärs Richard Branson am Betrieb der Lotterie interessiert.

Für den Briten Branson wäre es nach 1994 und 2000 die dritte Bewerbung um eine Lizenz für die National Lotterie. Im Jahr 2000 hatte es für ihn kurzzeitig so ausgesehen, als ob er den Zuschlag erhalten könnte. Doch nachdem Camelot gerichtlich gegen die Entscheidung der nationalen Lotteriekommission vorgegangen war, wurde diese annulliert und Camelot durfte die Lizenz behalten.

Neben den beiden britischen Milliardären gibt es eine Reihe weiterer Anwärter, die sich um die Lizenz bewerben könnten. Darunter fallen drei europäische Konzerne, die umfangreiche praktische Erfahrungen im Betrieb einer Lottogesellschaft vorweise können.

 

So wird dem niederländische Unternehmen Novamedia, das in seinem Heimatland Betreiber der Post Lotterie ist, ein gesteigertes Interesse nachgesagt. Daneben sollen auch der Sazka-Konzern, Inhaber des tschechischen Lotteriemonopols und größter Anteilseigner der Casinos Austria AG sowie der jüngst privatisierte französische Lottobetreiber Française des Jeux (FDJ) über einen Einstig in den britischen Markt nachdenken.

 

Ist Camelot für den Lottobetrieb geeignet?

Logo Camelot

Es gibt Kritik an Camelot (Bild: camelotgroup.co.uk)

Als Grund für die erneute Bewerbung sehen Beobachter neben den finanziellen Interessen der Aspiranten die Sorge, dass das einem kanadischen Pensionsfund gehörende Camelot nicht der richtige Betreiber für eine britische Lotterie sei. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit immer wieder Kritik an Camelots Geschäftsgebaren.

 

So wurde wiederholt die fehlende Transparenz bei Camelots Gewinnabgaben, die zur Finanzierung wohltätiger und karitativer Einrichtungen in Großbritannien dienen, moniert. Nach Meinung der Kritiker könnten dieses Summen höher sein, wenn die Milliardenprofite nicht stattdessen zum Großteil auf die Konten des Pensionsfonds umgeleitet würden.

 

Zudem wurde das Unternehmen 2018 von der UK Gambling Commission mit einer Rekordstrafe von 1,15 Millionen Pfund Sterling belegt. Die Glücksspielaufseher hatten dem Unternehmen Verstöße bei einer mobilen App sowie die Publikation inkorrekter Gewinnlisten nachgewiesen.

 

Allerdings kann Camelot auch gute Argumente für eine Lizenzverlängerung vorweisen. So steigerte das Unternehmen die Einnahmen aus den Losverkäufen im ersten Halbjahr des Jahres um 13,5 % auf 3,9 Milliarden Pfund Sterling. Damit erzielte Camelot den höchsten Umsatz, seit es 1994 die Lotterielizenz erhielt.

 

Ein Statement von Camelot zeigt, wie groß das Selbstvertrauen des Unternehmens in die eigene Leistung ist:

Die National Lotterie ist im besten Zustand aller Zeiten.

Zudem hat das Unternehmen in den letzten Jahren Milliardenbeträge für den guten Zweck bereitgestellt. Nach eigenen Angaben kamen innerhalb der letzten 25 Jahre so über 40 Milliarden Pfund Sterling zusammen, mit denen über 565.000 Projekte finanziell unterstützt [Seite auf Englisch] werden konnten.

 

Nicht zuletzt deshalb ist derzeit völlig offen, wie das Rennen um die britische Lottolizenz im kommenden Jahr ausgehen wird. Es dürfte ein spannender Wettkampf werden.