, November 19, 2018

In den USA hat der Supreme Court entschieden, dass das Glücksspielrecht auf Bundesebene in Bezug auf Sportwetten nicht gesetzeskonform ist und den einzelnen Bundesstaaten damit die Macht zur Liberalisierung des Online-Sportwettenmarktes an die Hand gegeben. Im Nachbarland Kanada mehren sich nun Stimmen, die das Gleiche fordern.

 

Treffen mit Außenministerin: Forderungen nach neuen Regelungen für Sportwetten in Kanada

 

Parlament Kanada

Zuständig für Gesetzesänderungen: Das Parlament in Ottawa. (Quelle:arctc.gnome, licensed under CC 4.0)

Politiker und Verbände fordern von Kanadas Präsidenten Justin Theroux eine Überarbeitung der Gesetze zur Regelung von Sportwetten. Das machten sie bei einem Treffen mit Außenministerin Chrystia Freeland im Bundesstaat Ontario klar.

 

Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen beim Nachbarn USA wurden Forderungen laut, Kanada solle sich als Teil der boomenden Sportwettenindustrie positionieren. Dafür sei eine Änderung der derzeit geltenden Gesetze unumgänglich.

 

Verbot von Einzelwetten sorgt für Unmut

 

Bislang ist das Platzieren von Sportwetten in Kanada ausschließlich bei Buchmachern der staatlichen Lotterien erlaubt. Zudem muss in jedem Fall auf unterschiedliche Sportevents gesetzt werden. Einzelwetten sind laut Gesetz nicht möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass auch Sportwetten mit erneutem Gewinneinsatz nur abgeschlossen werden können, wenn sie zwei oder mehr Spiele umfassen.

Bei klassischen Einzelwetten setzt der Spieler zumeist auf den Ausgang eines Sportereignisses. Für jedes Ergebnis wird dem Kunden eine feste Quote angeboten.

 

Kombi-Wetten erfordern das gleichzeitige Setzen auf mehrere Ergebnisse. Die Quoten der einzelnen Sportereignisse werden miteinander multipiliziert, sodass die Gesamtquote deutlich höher ist, als die der Einzelwette. Die Gewinnchance ist allerdings entsprechend gering, da in der Kombi-Wette zumeist alle Tipps zutreffend sein müssen.

Das Verbot der Einzelwetten in Kanada führt nicht selten dazu, dass die Wettfreunde des nordamerikanischen Landes die Angebote internationaler, in einem rechtlichen Graubereich agierenderen Online-Buchmacher nutzen. Ein Umstand, der für Verärgerung sorgt.

 

Gewerkschaftler tritt für Angestellte der Glücksspielindustrie ein

 

Chrystia Freeland

Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland ((Quelle: Кабінет Міністрів України, licensed under CC 4.0)

Auch David Cassidy, der Präsident der Gewerkschaft Unifor Local 444 aus Windsor im kanadischen Ontario, positioniert sich im Kampf gegen den Status Quo. Cassidy vertritt neben rund 4.600 Mitarbeitern des Chrysler-Werks in Windsor auch die Angestellten des Caesar Windsor Casinos. Die Belange der im Glücksspielsektor Angestellten liegen ihm somit besonders am Herzen.

 

Bei einem Treffen mit der kanadischen Außenministerin Chrystia Freeland in Windsor machte Cassidy klar, warum seines Erachtens eine Neuausrichtung der gesetzlichen Regelungen zum Wetten auf Sportereignisse nicht nur sinnvoll, sondern auch wichtig sei:

 

Die Legalisierung von Einzelwetten könne allein in Windsor umgehend 150 neue Arbeitsplätze schaffen.

 

Den USA nicht das Feld überlassen

 

Außerdem warf Cassidy der kanadischen Regierung vor, in Kauf zu nehmen, hinter den USA zurückzubleiben. Die im Mai entschiedenen Lockerungen der US-Regelungen zum Einsatz von Einzelwetten wirkten sich auch auf Kanada und insbesondere Ontario aus:

 

Während die Einzelwetten im nur einen Steinwurf entfernten US-amerikanischen Michigan künftig erlaubt wären, bliebe man in Windsor „mal wieder“ zurück.

Im Mai 2018 hob der Supreme Court als höchstes Gericht der USA das bis dahin geltende Verbot von Sportwetten in den USA auf.

 

Es machte damit den Weg für die einzelnen Bundesstaaten frei, eigene Gesetze zum Umgang mit Sportwetten auf den Weg zu bringen. Bis dahin hatte legal nur im Bundesstaat Nevada, in dem auch die Spielermetropole Las Vegas liegt, auf Sportevents gesetzt werden können.

 

Nach der Entscheidung des Gerichtes zeigten sich die großen amerikanischen Sportligen enttäuscht: Sie befürchteten die Öffnung des Marktes würde das Risiko von Manipulationen erhöhen.

 

Spielcasinos und Wettbüros hingegen profitierten umgehend von den kommenden Neuerungen: Ihre Aktien legten über Nacht um bis zu zehn Prozent zu.

Unterstützung erhält der Gewerkschaftsführer aus Reihen der New Democratic Party (NDP). NDP-Parlamentsmitglied Tracy Ramsey nahm ebenfalls am Treffen mit der Außenministerin teil und kritisierte die liberale Regierung dafür, Änderungen im Sportwettengesetz zu blockieren.

Im Interview mit dem „Windsor Star“ stellte sie später klar, dass sie die Politik im Zugzwang sehe:

Ich verstehe wirklich nicht, warum es diesen Widerstand dagegen gibt, nicht nur in unserer Region, sondern in ganz Kanada Arbeitsplätze zu schaffen.

Zudem würde eine Legalisierung maßgeblich zur Trockenlegung des Schwarzmarktes beitragen und einen besseren Umgang mit problematischem Spielverhalten und Spielsucht ermöglichen.

 

Sportwetten in Kanada: 14 Milliarden am Fiskus vorbei

 

Caesars Windsor Casino

Das Caesars Windsor Casino (Quelle:mikerusselll, licensed under CC 3.0)

Ebenfalls für einen Richtungswechsel in Sachen Einzelwetten plädierte Anfang November bereits die Canadian Gaming Association (CGA). In einem Bericht wies sie darauf hin, dass neben den 450 Millionen Dollar, die jährlich legal auf die staatlichen Sportwetten platziert würden, rund 14 Milliarden Dollar am Fiskus vorbei auf die Angebote staatlich nicht regulierter Offshore-Buchmacher gesetzt würden.

 

Bereits in den Jahren 2011 und 2016 hatte es im kanadischen Parlament Vorstöße gegeben, das Verbot der Einzelwetten aufzuheben. Vor zwei Jahren scheiterte der Vorschlag des NDP-Abgeordneten Brian Masse nur knapp bei einer Abstimmung.

 

Reform zu Sportwetten in Kanada: 2016 knapp gescheitert

 

Mit 156:133 Stimmen wurde sein Gesetzesentwurf zur Legalisierung der Einzelwetten abgelehnt. Der Abgeordnete, dessen Wahlkreis ebenfalls die Glücksspielhochburg Windsor umfasste, hatte sich nach der verlorenen Abstimmung enttäuscht gezeigt: Das organisiere Verbrechen könne nun „feiern und die Korken knallen lassen“, während dem Staat weiterhin hohe Steuereinnahmen entgingen.

 

Ähnlich sieht es Gewerkschafter Cassidy, demzufolge eine Änderung des seiner Meinung nach „völlig überalterten Gesetzes“, nur eine Kleinigkeit ist:

„Es geht um nur eine Änderung in einem Paragraphen des Strafgesetzbuches.“

Dass die Kritiker der Regelungen gerade jetzt beginnen, ihre Lobbyarbeit zu intensivieren, kommt nicht von ungefähr: Die Regelungen im kanadischen Parlament erlauben der NDP in dieser Legislaturperiode nur den einmaligen Versuch, das Gesetz zu ändern.

 

2019 wird in Kanada erneut gewählt. Zeit also, den Hut in Sachen Liberalisierung schon mal in den Ring zu werfen.

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