, September 16, 2018

Sportwetten sind aufregend. Sportwetten machen Spaß. Sportwetten sind Trend. In den vergangenen Jahren konnte ein deutlicher Anstieg der abgeschlossenen Sportwetten verzeichnet werden.

 

In Deutschland haben sich die Wetteinsätze innerhalb der letzten 5 Jahre verdoppelt. 2012 lagen die gesamten gespielten Summen bei einer Höhe von 3,46 Milliarden Euro, 2017 waren es bereits 7,67 Milliarden Euro.

 

In den USA ist mit einem gigantischen Anstieg zu rechnen, da es das Urteil des Obersten Gerichtshofs im Mai 2018 den US-Bundesstaaten freistellt, Sportwetten zu legalisieren oder nicht. Einige Staaten haben dies bereits getan und mit Beginn der NFL-Saison schossen auch die Wettabschlüsse in die Höhe.

 

Aber wie entstehen eigentlich die Kurse für Sportwetten? Was macht ein Buchmacher, bevor er einen Kurs festlegt?

 

Eintrittswahrscheinlichkeit und faire Quote

Zunächst wird die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Sieges einer der beiden Mannschaften, zum Beispiel bei einem Fußball-Bundesliga-Spiel, festgelegt. Diese Eintrittswahrscheinlichkeiten werden aufgrund von Expertenmeinungen festgelegt.

 

Große Wettanbieter beschäftigen eigene Experten, die sich konstant mit der Thematik beschäftigen. Sie haben Spielerverletzungen, aktuelle Leistungsstände der Sportler und der Mannschaften im Auge. Kleinere Wettanbieter kaufen diese Informationen von größeren Unternehmen.

 

Interessant ist dabei, dass besonders wichtige Partien oft deutlich besser analysiert sind als zum Beispiel Partien in unteren Spielklassen. Gewinne zwischen den einzelnen Anbietern können außerdem aufgrund unterschiedlich festgelegter Quoten bis zu 20 Prozent schwanken.

 

Nehmen wir an, es wurde für die fiktive Partie Dortmund – Stuttgart folgende Quote festgelegt:

Heimsieg Borussia Dortmund: 70 Prozent
Unentschieden: 15 Prozent
Auswärtssieg VFB Stuttgart: 15 Prozent

Teilt man den Wert 100 durch diese Eintrittswahrscheinlichkeiten, so erhält man die sogenannten fairen Quoten. In unserem Beispiel wären dies:

Heimsieg Borussia Dortmund: 1,43
Unentschieden: 6,67
Auswärtssieg VFB Stuttgart: 6,67

 

Faire Quote vs. Reale Quote

Sie wird deshalb faire Quote genannt, da der Anbieter der Wette mit dieser Quote keinen Teil des Umsatzes bekommen, sondern die Gewinnausschüttung direkt und ohne Abzüge an den Spieler weitergeben würde.

 

In der Praxis nehmen die Anbieter allerdings 5-10 Prozent Gewinnmarge. Die sogenannte Reale Quote errechnet sich also abzüglich der Gewinnmarge des Anbieters. In unserem Beispiel wären das 10 Prozent.

Reale Quote = Faire Quote x (1 – 0,10)

 

Heimsieg Borussia Dortmund: 1,29
Unentschieden: 6,0
Auswärtssieg VFB Stuttgart: 6,0

Nachdem die Wette platziert ist, kommt es oft noch zu Anpassungen der Quote durch das System der Wettanbieter. Dies kommt daher, dass das System versucht, ein Gleichgewicht herzustellen, das dem Anbieter einen Gewinn verschafft, unabhängig davon, wie die Partie ausgeht.

 

Dies könnte zum Beispiel eine Reduzierung der Quote auf den Auswärtssieg (z.B. von 6,0 auf 5,5) sein, falls zu viele Spieler bereits auf diese vergleichbar hohe Quote wetten sollten.

 

Das Leid der Steuer

 

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Einige Anbieter werben damit, dass sie die Steuer nicht auf ihre Spieler umlegen. Bildquelle: tipico.de

Laut dem Glücksspielstaatsvertrag legt der Staat fest, dass die Steuerabfuhr für Sportwetten in der Verantwortung der Anbieter liegt. Dies hat den Hintergrund, dass es schwer bis kaum zu kontrollieren wäre, wenn die Steuerabfuhr Sache der Spieler sei. Festgelegt wurde eine pauschale Steuer von 5 Prozent.

 

Die Anbieter haben unterschiedlich Modelle, ob und wie sie diese Steuer auf die Wettenden umlegen.

 

Nehmen wir für das Beispiel an, es werden von einem Bietenden 100 Euro auf den Auswärtssieg des VFB Stuttgart gesetzt.

 

Der Anbieter mybet wirbt mit steuerfreien Freitagen. Bildquelle: mybet.de

Einige Anbieter tragen die Steuern selbst und übertragen diese nicht auf den Spieler. In diesem Fall bleibt die reale Quote unangetastet. Tritt der Fall des Auswärtssieges ein, erhält der Wettende 100 Euro x 6,0 = 600 Euro Gewinn.

 

Einige Anbieter führen die Steuer vom Einsatz des Spielers ab. Sollte er also richtig getippt haben, wird sein Gewinn mit 95 Prozent seines Einsatzes berechnet. 95 Euro x 6,0 = 570 Euro.

 

Andere Anbieter ziehen die Steuer nur von gewonnenen Wetten ab. Liegt der Beispielspieler richtig, gewinnt er 100 Euro x 6,0 = 600 Euro. Hiervon werden 5 Prozent abgezogen und er erhält eine Auszahlung von 570 Euro.

 

Aus Spielersicht ist es also nicht nur interessant, die Quote selbst, sondern auch das Besteuerungsverfahren eines Anbieters zu betrachten.

 

Sagt die Quote etwas über die Siegwahrscheinlichkeit aus?

 

Obwohl die Quote mit der Eintrittswahrscheinlichkeit des Sieges erstellt wurde, kommt es doch häufig zu großen Abweichungen. Diese sind besonders regionaler Natur. Eigentlich müssten die Quoten überall gleich sein, wenn ein direkter Zusammenhang mit der Siegwahrscheinlichkeit besteht.

 

Es ist allerdings zu beobachten, dass die Quoten in Heimatregionen der jeweiligen Mannschaften sich hinsichtlich eines Sieges dieser Mannschaft verschieben. Dies kommt daher, dass die Wettenden in den jeweiligen Regionen gerne auf ihre Lieblingsmannschaft wetten, beziehungsweise verstärkt an diese glauben, obwohl ein Sieg vielleicht gar nicht so realistisch ist. So entstehen zum Teil Quoten, die kaum noch eine Aussage über die Ausgangswahrscheinlichkeit eines Spiels haben.

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