, 21.11.2020

Problemspielern und Spielsüchtigen in Italien steht ab sofort ein neues Online-Hilfsangebot zur Verfügung. Im Rahmen des Projektes „Mind the Gap 2.0“ können Betroffene auf kostenlose personalisierte Beratungen über Internet und Telefon zugreifen.

 

Wie die Zeitung Bergamo News am Donnerstag berichtet hat [Seite auf Italienisch], werde das Projekt von der multidisziplinären Hilfsorganisation Il Piccolo Principe im norditalienischen Bergamo betreut. Zum Fachpersonal der Organisation gehörten unter anderem Spielsucht- und Rechtsexperten.

 

Neuer Lockdown erschwert Zugriff auf Spielsuchthilfe

Die neue Online-Hilfe sei eine Reaktion auf den aktuellen Lockdown, von welchem fast alle Regionen Italiens betroffen sind. Aufgrund der strikten Ausgangsbeschränkungen ist es den Menschen derzeit nicht erlaubt, ihre Stadtteile zu verlassen.

 

Zwar gibt es Ausnahmen (der Weg zur Arbeit, zum Arzt oder in den Supermarkt), jedoch müssen die Menschen in diesen Fällen ein sogenanntes „Dokument zur Selbstautorisierung“ ausfüllen und im Fall von Kontrollen abgeben. Dabei muss der Zielort und Zweck des Besuches angegeben werden.

 

Für Problemspieler und Spielsüchtige, die eine Hilfsorganisation aufsuchen wollten, sei dies besonders unangenehm, da sie oft große Scham empfänden und ihr Problem möglichst vor anderen geheim halten wollten.

 

Der Projektleiter Stefano Rinaldi erklärt:

Wir befürchten, dass diese erneute Zeit der Isolation für einen erneuten Anstieg der Beteiligung am Online-Glücksspiel sorgen könnte. Daher ist es wichtig, dass die Hilfsorganisationen versuchen, mit neuen Formen der Intervention zu experimentieren und den betroffenen Familien gleichzeitig konkrete Hilfsangebote bereitzustellen, insbesondere in den jetzigen Zeiten, in welchen viele Menschen noch leichter einsam und isoliert zurückbleiben.

Widersprüchliche Daten zum Lockdown-Spielverhalten

Ob die Glücksspielbeteiligung während der Lockdowns in Italien tatsächlich zugenommen habe bzw. derzeit zunehme, sei umstritten. Diverse Umfragen und Erhebungen der letzten Monate hätten sehr widersprüchliche Ergebnisse zu Tage gefördert.

Laut einer Umfrage des Nationalen Forschungsinstitutes (CNR) sei die Teilnahme der Italiener am Glücksspiel während des ersten Lockdowns zurückgegangen. Von den Befragten hätten 35,4 % angegeben, ihr Glücksspiel reduziert zu haben. Weitere 22,8 % hätten erklärt, gänzlich mit dem Glücksspiel aufgehört zu haben. Lediglich 11 % der Befragten habe während des Lockdowns erstmals mit dem Online-Glücksspiel angefangen.

Die Studienergebnisse passten laut den Experten aus Bergamo jedoch nicht zu den Daten verschiedener Online-Glücksspiel-Anbieter. So hätten sich im selben Zeitraum die Neuanmeldungen auf Online-Poker-Portalen um 3.500 % gesteigert. Darüber hinaus sei die Nutzung von Online VLT-Automaten um 200 % angestiegen.