, 12.11.2019

Die niederländische Glücksspielaufsicht Kansspelautoriteit (KSA) hat neue Details zum bevorstehenden Vergabeprozess für Online Lizenzen veröffentlicht. Das Verfahren soll ab dem 1. Juli 2020 in Gang gesetzt werden.

 

Am Montag gab die KSA die Informationen in Form einer “provisorischen Orientierungshilfe” heraus. Sie soll potentiellen Bewerbern dazu dienen, sich auf das bevorstehende Verfahren vorzubereiten, so die Behörde.

 

Demnach sind vier Segmente vorgesehen, für die sich Betreiber bewerben können:

  1. Casinos, in denen Kunden gegen den Anbieter spielen (Spielautomaten, Tischspiele)
  2. Spiele, bei denen die Nutzer gegeneinander antreten (Poker)
  3. Sportwetten
  4. Pferdewetten

Die KSA noch nicht endgültig festgelegt, ob und wie sich interessierte Anbieter gleichzeitig um mehrere dieser Lizenzen bemühen können.

Bisher ist Online Glücksspiel in den Niederlanden illegal. Doch im Februar 2019 wurde vom Parlament ein neues Glücksspielgesetz verabschiedet. Dieses soll es lizensierten Betreibern ab dem kommendem Jahr ermöglichen, holländischen Spielern Online Glücksspiele anzubieten.

 

Das derzeitige Verbot wird von der KSA streng überwacht. Bei Verstößen schreitet die Behörde ein und schreckt dabei auch nicht vor hohen Geldstrafen gegen die Betreiber zurück. Auf diese Weise wurden in diesem Jahr bereits Geldbußen in Millionenhöhe verhängt.

Strenge Vergaberichtlinien

In ihrem Leitfaden legt die KSA fest, was Bewerber bezahlen müssen, um an dem Vergabeverfahren teilnehmen zu dürfen: Demnach werden für die Beantragung einer Lizenz 45.000 Euro fällig. Diese Summe beinhalte jedoch keinerlei Erfolgsgarantie und werde auch bei einer negativen Beurteilung der Bewerbung nicht zurückerstattet.

 

Darüber hinaus fordert die KSA, dass die Anträge in holländischer Sprache verfasst werden. Sämtliche beigefügten Dokumente müssten dabei ebenfalls in holländischer Übersetzung eingereicht werden. Eine Prüfung erfolge erst, nachdem sämtliche relevanten Dokumente sowie die Gebühr bei der Behörde eingegangen seien.

 

Sollte die Behörde feststellen, dass ein Bewerber seine Identität zu verschleiern suche oder dass eine Nähe zu kriminellen Organisationen bestünde, würden die betreffenden Firmen auf der Stelle vom Verfahren ausgeschlossen. Gleiches gelte für Unternehmen, denen in der Vergangenheit Steuer- oder Insolvenzvergehen zur Last gelegt worden seien.

 

Maßnahmen zum Spielerschutz

Neben den administrativen Vorgaben stellt die KSA eine Reihe von Forderungen in Bezug auf den Spielerschutz. So müssen die Bewerber zusichern, sich jederzeit an die Marketing- und Werberichtlinien der Behörde zu halten.

 

Die KSA stellt Bedingungen (Bild: kansspelautoriteit.nl) Kansspelautoriteit

Die KSA stellt Bedingungen (Bild: kansspelautoriteit.nl)

Gleichzeitig müssten sie aus eine wirksame Strategie zur Bekämpfung der Spielsucht vorweisen können. Dazu sei es nötig, dass Repräsentanten des Anbieters in den Niederlanden stationiert würden, um vor Ort Hilfe leisten zu können.

 

Auch müsse sichergestellt sein, dass Minderjährigen der Zugang zu den Online Angeboten verwehrt bleibe und dass es für gefährdete Spieler die Möglichkeit gäbe, sich für das Glücksspiel sperren zu lassen. Die Bewerber müssten deshalb dafür sorgen, dass Nutzer sich bei der Anmeldung zweifelsfrei identifizieren, um die Sperren nicht umgehen zu können.

 

Anbieter von Sportwetten hätten darüber hinaus dafür Sorge zu tragen, dass ihnen effektive Instrumente zur wirksamen Verhinderung von Manipulationen und Match-Fixing zur Verfügung stünden, um Betrugsversuche zu verhindern.

 

Aufgrund der vielen Vorgaben will sich die Glücksspielaufsicht ausreichend Zeit für den Vergabeprozess nehmen, um die Bewerber ausgiebig prüfen zu können. Aus diesem Grund sollen Lizenzanträge ab Juli 2020 möglich sein. Die offizielle Legalisierung des Online Glücksspiels ist dann für Januar 2021 geplant.

 

Ein interessanter und wachsender Markt für Glücksspielbetreiber

Das Interesse von Glücksspielunternehmen an einer Lizenz dürfte außerordentlich groß sein, schließlich sind die Niederlande ein lukrativer Markt für die Branche. So verzeichnete der legale Glücksspielsektor im Jahr 2018 Umsätze in Höhe von über 2 Milliarden Euro [Seite auf Englisch].

 

Damit legt das legale Marktvolumen von Jahr zu Jahr beständig um drei bis vier Prozent zu. Diese Umsätze dürften sich nach der Legalisierung des Online Glücksspiels beträchtlich vergrößern.

 

Es ist deshalb kaum verwunderlich, dass nach Bekanntgabe der Regierungspläne zur Vergabe von Lizenzen weit über 70 Online Casinos ihr Interesse an einer Genehmigung anmeldeten. Es wird sich zeigen, wie viele von ihnen das im kommenden Jahr durchgeführte Vergabeverfahren erfolgreich überstehen werden.

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