Novomatic bekommt grünes Licht für Übernahme von Casinos Austria

, Dezember 16, 2016

Novomatic Zentrale

Nach einer außerordentlichen Hauptversammlung bekam der Glücksspielkonzern Novomatic grünes Licht für eine mehrheitliche Übernahme der teilstaatlichen Casinos Austria AG. (Bildquelle)

Im Februar des vergangenen Jahres sorgte eine Meldung für großes Aufsehen in der deutschsprachigen Glücksspielszene: Der österreichische Glücksspielriese Novomatic will die teilstaatliche Casinos Austria AG (CASAG) übernehmen. Nachdem Novomatic schon ein paar Anteile an der CASAG übernommen hatte, plante der Konzern zusammen mit der Austrian Gaming Holding die Übernahme der Mehrheut. Doch das Kartellamt hatte Einwände gegen die Übernahme vorgebracht. Doch in diesen Tagen folgte nun eine gute Nachricht: Die MTB Privatstiftung von Maria Theresia Bablik hat sich bereit erklärt ihren Anteil an den Casinos Austria, der bei 17,2 Prozent liegt, an Novomatic zu übertragen.

 

Abgesegnet wurde die Mehrheitsübernahme am 14. Dezember auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Casinos Austria AG. So scheint der Weg für eine effektive Anteilsübernahme frei. Novomatic-CEO Harald Neumann sagte in einer Pressemitteilung des Konzerns:

„Der Einstieg von Novomatic als neuer österreichischer Gesellschafter ist ein wichtiger Schritt für eine stabile und nachhaltige Kernaktionärsstruktur der Casinos Austria-Gruppe. Als international führender und weltweit anerkannter Gaming-Technologiekonzern sind wir an einer werthaltigen Investition und einer guten Entwicklung der CASAG interessiert.“

 

Novomatic und Austrian Gaming Holding scheitern im ersten Versuch

 

Novomatic hatte sich Anfang des Jahres mit der Austrian Gaming Holding, einem tschechischen Konsortium um die Milliardäre Karel Komarek und Jiri Smejc, auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Novomatic und das tschechische Konsortium betreiben gemeinsam in Österreich viele Spielautomaten, beide sind im auch Sportwettenbereich tätig. Die Tschechen halten zudem auch schon 11,3 Prozent an den Casinos. Den ersten Übernahme-Vorschlag hatte das Kartellamt abgelehnt. Nun wurde eine andere Lösung gefunden.

 

Damit Novomatic die 17 Prozent der MTB Privatstiftung übernehmen kann, musste der Konzern seine Beteiligung an der Österreichischen Lotterien GmbH (ÖLG) halbieren und einen Anteil in Höhe von 11,56 Prozent an die tschechische Sazka-Gruppe, die zur Austrian Gaming Holding gehört, verkaufen. Die Österreichischen Lotterien sind eine 68-Prozent-Tochter der Casinos Austria. Novomatic war vor mehr als einem Jahr mit 23,11 Prozent indirekt bei den Lotterien eingestiegen und bleibt nun auch mit einem Anteil von insgesamt unter 25 Prozent beteiligt. Mit diesem Verkauf will der Konzern Bedenken der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) aus dem Weg räumen. Die Sazka-Gruppe ist bisher nicht am österreichischen Glücksspielmarkt aktiv, sie darf also, im Gegensatz zu Novomatic, unbeschränkt viele Lotterien-Aktien erwerben.

 

Was wird unter den neuen Eigentümern aus den Vorständen Stoss und Hoscher?

 

Ungewiss ist, was nach dem Eigentümerwechsel aus Casinos Austria-Konzernchef Karl Stoss und seinem Vorstandskollegen Dietmar Hoscher wird. Die Verträge beider laufen Ende 2017 aus. Über eine Verlängerung will Casinos Austria-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner erst im März 2017 entscheiden. Der Vertrag der dritten Vorständin Bettina Glatz-Kremsner läuft noch bis Ende 2019. Zuerst müssten laut Rothensteiner die wesentlichen Entscheidungen zur Eigentümerstruktur fallen, bevor man sich mit dem Thema der Vorstandsverträge beschäftigen könne. Stoss würde gern nach eigenen Angaben auch über Ende 2017 Chef der Casinos Austria bleiben. Doch wollen die neuen Großeigentümer ihn auch weiter an der Spitze haben? Seinem Kollegen Dietmar Hoscher trauen die Experten nicht zu, dass er das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernehmen könnte.

 

Karls Stoss, der auch Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) ist, kommentierte dies wie folgt:

“Ich kann durchaus nachvollziehen, dass der Aufsichtsrat die beiden Themen auch zeitlich getrennt behandeln und zunächst die Eigentümerfrage näher geklärt haben möchte. Ich bin zuversichtlich, dass in der Sitzung Ende März 2017 eine gute und tragfähige Lösung geschaffen wird.”

 

Casinos Austria rechnen mit abermaligen Ergebnissteigerung um mehr als 25 Prozent

 

Die Casinos Austria erwirtschafteten zuletzt, im Geschäftsjahr 2015, einen Umsatz von 3,6 Mrd. Euro und ein Betriebsergebnis von mehr als 100 Mio. Euro. Für dieses Jahr rechnet der Vorstand durch signifikante Verbesserungen in nahezu allen Geschäftsbereichen mit einer abermaligen Ergebnissteigerung um mehr als 25 Prozent. Novomatic setzte 2015 mehr als 2 Mrd. Euro um und verdiente unterm Strich 220,7 Mio. Euro. Der Konzern gehört seinem Gründer Johann Graf, einem der reichsten Österreicher. Das Monopol für die 12 Spielbanken hat der Casinos Austria-Konzern. Zusätzlich hat Casinos Austria die Lotterielizenz und darf Automatenhallen betreiben. Novomatic wiederum hat Automatenlizenzen, die von manchen Bundesländern vergeben werden.

 

Der erste Übernahme-Vorschlag wurde vom Kartellamt abgelehnt, weil dadurch der Wettbewerb eingeschränkt worden wäre. Durch einen Zusammenschluss wäre nicht nur eine marktbeherrschende Stellung auf dem Casinomarkt in Wien beziehungsweise Baden bei Wien entstanden, sondern auch auf dem Automatenmarkt in Niederösterreich, dem Burgenland und Wien sowie auch in Oberösterreich und Kärnten. Nur unter bestimmten Auflagen hätte der Deal noch grünes Licht bekommen. Die Wettbewerbsbehörde verlangte einen Verkauf von Novomatic-Standorten in Tschechien sowie Einschränkungen bei von der Casinos Austria-Gruppe betriebenen Video Lottery Terminals. Das hätte signifikante wirtschaftliche Nachteile verursacht, welche Novomatic und Austrian Gaming Holding nicht akzeptieren wollten.