, 02.12.2020

Der österreichische Glücksspielkonzern Novomatic ist erneut Thema des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Ibiza-Affäre.

 

Wie die Austria Presse Agentur meldet, werde Novomatic-Top-Manager Alexander Merwald am heutigen Mittwoch vor dem U-Ausschuss aussagen. Ihm folge Stefan Krenn, der als Public-Affairs-Leiter des Glücksspielgiganten fungiere. Geladen sei außerdem der Casinos-Austria-Prokurist Peter Erlacher.

 

Erst vor zwei Wochen war Novomatic im Zusammenhang mit Aussagen vor dem U-Ausschuss in die Schlagzeilen geraten. Laut dem Kurier war in einer Anzeige gegen Novomatic-Boss Johann F. Graf behauptet worden, dass Unternehmen habe dem ehemaligen Rapid Wien Torhüter Peter Barthold eine Millionen Euro für eine Falschaussage vor dem Ausschuss angeboten.

 

Beim „Ibiza“-Ausschuss in Wien geht es neben einem angeblichen Postenschacher beim Casino-Betreiber Casinos Austria (Casag) auch um vermeintliche Verwicklungen des Glücksspielgiganten Novomatic in die Politik. Die österreichischen Ermittlungsbehörden waren dem Vorwurf nachgegangen, Novomatic-Funktionäre hätten mit Politikern österreichischer Spitzenparteien eine wohlwollende Politik bei der Schaffung neuer Glücksspiellizenzen vereinbart.

 

Drei wichtige Personalien

 

Die Auskunftspersonen Merwald, Krenn und Erlacher besetzen wichtige Posten in der Welt des österreichischen Glücksspiels.

 

Novomatic-Manager Merwald werde in der Causa Casinos-Affäre als Beschuldigter geführt. Bei einer Hausdurchsuchung sei ein Notizbuch bei Merwald sichergestellt worden. Dabei handle es sich laut dem Newsportal Puls24, um:

 

eine Art “Preisliste”, für zwei Kasinolizenzen für Wien und das Burgenland, die insgesamt 1,5 Millionen Euro kosten würden.

 

Außerdem sei Merwald einst Bewerber um den Posten des Finanzvorstandes bei der Casag gewesen, den später der FPÖ-Politiker Peter Sidlo erhalten habe. Dessen Eignung für den Job war vom Personalberater Egon Zehnder allerdings bezweifelt worden. Sidlo bekam die Position dennoch übertragen. Hinter der Bestellung vermute der Ausschuss „einen Hintergrunddeal zwischen FPÖ und ÖVP.“

 

Novomatic-Mann Stefan Krenn sei heute als Zweiter vor den U-Ausschuss geladen. Er habe einst in der Agentur des Lobbyisten Peter Hochegger gearbeitet. Deren Auftrag sei es gewesen, das Glücksspielmonopol für Novomatic aufzuweichen. Krenn habe dabei als Kontaktperson zur Partei ÖVP gearbeitet – ein Vorwurf, den Krenn bestreite.

 

Casag-Prokurist Peter Erlacher habe in seiner Funktion als Abteilungsleiter im Finanzministerium hingegen an der geplanten Glücksspielnovelle 2006 mitgewirkt. Laut Puls24 dürfte Erlacher als Prokurist der Casag auch Einblicke in die Postenbesetzung gehabt haben und könne deshalb zur Bestellung von Peter Sidlo befragt werden.

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