, 01.10.2019

Im kalifornischen Oakland/USA muss sich derzeit ein 22-Jähriger wegen Mordes vor Gericht verantworten. Marshall C. hatte im August 2018 einen Mann bei einer Schießerei vor einer illegalen Spielhalle erschossen und zwei weitere Personen verletzt. In seinem gestrigen Eröffnungsstatement plädierte der Anwalt des Mannes darauf, dass es sich bei dem Einsatz der Schusswaffe um Selbstverteidigung gehandelt habe.

 

Passantin durch Schüsse verletzt

 

Der Alameda County Superior Court in Oakland verhandelt momentan einen Vorfall, der sich in der Nacht zum 26. August 2018 gegen 2:30 Uhr in Oakland ereignete. Vor einer illegalen Spielhalle im für seine hohe Kriminalitätsrate (Seite auf Englisch) bekannten Westteil der Stadt war es zu einer Schießerei gekommen.

 

Landkarte Oakland Kalifornien

Oakland liegt am östlichen Ufer der Bucht von San Francisco (Quelle:Google Maps)

Der Schütze hatte das Feuer auf zwei Männer, die sich zuvor in dem Lokal aufgehalten hatten, eröffnet und hierbei auch eine Passantin getroffen. Eines der Opfer, der 32-jährige Xin Hoang, verstarb später im Krankenhaus.

 

Der Durchbruch bei der Aufklärung des Falls gelang den Ermittlern einige Wochen später, allem Anschein nach eher zufällig. Am 12. Dezember hatten Polizisten den Fahrer eines Luxuswagens kontrollieren wollen. Anstatt anzuhalten, gab der Verdächtige Medienberichten zufolge Gas und fuhr mit dem Auto in einen Zaun. Nach kurzer fußläufiger Flucht konnte er von den Beamten in Gewahrsam genommen werden.

 

Bei einer Überprüfung des Fahrzeugs fanden die Ermittler eine Schusswaffe. Zudem stellte sich heraus, dass der Wagen als gestohlen gemeldet worden war. Während eines späteren Verhörs gab der Festgenommene, der damals 21-jährige Marshall C. zu, auch an der Schießerei im August beteiligt gewesen zu sein.

 

Illegales Glücksspiel am Computer

 

Zeugenaussagen zufolge soll der Angeklagte die illegale Spielhalle im südwestlichen Teil Oaklands damals gemeinsam mit einem weiteren Mann betreten haben.

Der US-Bundesstaat Kalifornien vergibt bislang keine Lizenzen für Online Casinos. Da die Nutzung von Offshore-Glücksspielangeboten jedoch nicht explizit verboten ist, stellen diverse unregulierte Betreiber ihre Produkte auch Bewohnern des Westküstenstaates zur Verfügung.

 

Legal kann in Kalifornien derzeit in mehr als 160 landbasierten Tribal-Casinos gespielt werden.  Zugelassen sind zudem Pferdewetten, die Lotterien Powerball und MegaMillions sowie die Veranstaltung von Spielen wie Bingo zur Unterstützung gemeinnütziger Zwecke.

Bei seinem Eintreffen, so die Ermittler, sei Anwesenden aufgefallen, dass Marshall C. eine Schusswaffe bei sich getragen habe. Man sei davon ausgegangen, dass er das Lokal habe ausrauben wollen.

 

Das illegale Glücksspiel gegen Geld habe hier an Computern stattgefunden. Spielautomaten oder Tischspiele seien in den Räumlichkeiten nicht angeboten worden.

 

Aufgrund des verdächtigen Verhaltens von Marshall C. hätten die Betreiber einen privaten Sicherheitsdienst angefordert. Dieser habe die Männer dazu aufgefordert, die Örtlichkeit zu verlassen. Sofort nachdem er aus der Tür getreten sei, habe sich der Beschuldigte umgedreht und das Feuer eröffnet.

 

Schussabgabe in Todesangst

 

Diesem Ablauf widersprach Verteidiger Lamiero in seinem gestrigen Statement vor Gericht mit Nachdruck:

Er war dort, um zu spielen, sonst nichts. Er hat nicht gekämpft, er hat sich nicht gestritten und auch keine Waffe gezogen.

Vielmehr habe sein Mandant die Örtlichkeit anstandslos verlassen, als er dazu aufgefordert worden sei. Vor der Tür habe er dann Bewegungen hinter sich wahrgenommen und erkannt, dass ihm eine Gruppe von Männern zu folgen schien.

 

Darunter habe sich auch das spätere Opfer befunden. Xin Hoang sei mit einer Metallstange bewaffnet gewesen. Da Marshall C. davon habe ausgehen müssen, angegriffen und schwer verletzt zu werden, habe er sich entschieden, selbst das Feuer zu eröffnen. Hierbei sei es zu den tödlichen Schüssen gekommen.

 

Täter und Opfer

 

In einem separaten Verfahren wird gegen einen der mutmaßlichen Sicherheitsmitarbeiter wegen versuchten Mordes ermittelt. Dieser hatte seinerseits Schüsse abgegeben, Marshall C. gilt in diesem Prozess als Opfer.

 

Doch selbst wenn das Gericht dem 22-Jährigen zugestehen sollte, in der betreffenden Nacht in Selbstverteidigungsabsicht gehandelt zu haben, dürfte der Schütze nicht um eine Strafe herumkommen. Laut Auflagen einer Vorstrafe aus dem Jahr 2015 hätte Marshall C. keine Feuerwaffe bei sich tragen dürfen.

 

Der Prozess wird fortgesetzt. Im Falle eines Schuldspruchs droht dem Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Aussicht auf Bewährung.

Similar Guides On This Topic