, February 16, 2018

Spielkarten und Jetons

Am Pokertisch lauert die Spielsucht-Gefahr (Bild: Pixabay)

 

Online wie offline liegt Poker wieder im Trend. Zum einen profitiert das Spiel dabei von der stetig wachsenden Zahl von Online Casinos, die inzwischen unterschiedlichste Varianten des Kartenspiels im Angebot haben. Dazu kommen die Vielzahl prominenter Pokerspieler sowie von erfolgreichen Pokerprofis, die Poker auch der breiten Öffentlichkeit ein Gesicht geben.

 

In Australien sind 40 Prozent der Pokerspieler gefährdet

Doch das Spiel ist nicht ungefährlich. Untersuchungen zufolge besteht gerade bei Pokerspielern die erhöhte Gefahr einer Spielsucht. Einer Studie des Australian Gambling Research Centre zufolge sind in Australien beinahe 40 Prozent der Pokerspieler gefährdet, ein spielsüchtiges Verhalten zu entwickeln. Demnach leidet etwa die Hälfte der untersuchten Pokerspieler an einem oder mehreren Problemen, die zur Spielsucht führen könnten.

 

Die Auswirkungen einer Spielsucht können gravierend sein, denn sie betreffen mehrere persönliche Aspekte des Spielers. Neben Geldproblemen aufgrund der Finanzierung der Spielsucht gehören dazu hauptsächlich gesundheitliche Schwierigkeiten. Dies kann von Schlafstörungen über Herz-Kreislauf-Probleme bis hin zu psychischen Auffälligkeiten reichen. Hinzu kommen Probleme im zwischenmenschlichen Bereich, beispielsweise mit Partnern oder der Familie. Aus diesen Gründen sind weltweit Aufsichtsbehörden und andere staatliche wie auch private Organisationen bestrebt, die negativen Auswirkungen des Glücksspiels zu minimieren.

 

Pokerspieler auch bei anderen Glücksspielen aktiv

Der Hauptgrund für die erhöhte Spielsuchtgefahr ist, dass Pokerspieler häufiger dazu tendieren, weitere Glücksspiele zu betreiben. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit bei ihnen am höchsten, die negativen Auswirkungen des Glücksspiels zu erfahren. Etwa ein Viertel von ihnen entwickelte aufgrund ihres Spiels demnach physische oder psychische Gesundheitsprobleme.

 

Poker an sich scheint dabei nicht die Ursache zu sein, da die Spieler einen Großteil ihres Geldes in andere Glücksspiel-Aktivitäten steckten. Gab der durchschnittliche Pokerspieler etwa 1.750 Dollar im Jahr für Poker aus, lagen seine Ausgaben bei anderen Spielen mit 3.670 Dollar mehr als doppelt so hoch. Andrew Armstrong, Leiter der Studie meint dazu:

 

„Wir fanden heraus, dass ein hoher Geldbetrag in andere Glücksspiele floss. Das fiel besonders bei Spielern mit einem spielsüchtigen Verhalten auf. Ihre finanziellen Aufwendungen für Poker sind zwar hoch, nehmen aber im Gesamtbudget nur den kleineren Teil ein. Wenn wir einen Spieler mit problematischem Spielverhalten ansprechen wollen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich bei ihm um einen Pokerspieler handeln wird.“

 

Spieler sind tendenziell männlich und unter 50 Jahre alt

Der Grund für die unterschiedliche Gewichtung der Ausgaben liegt darin, dass auch bei Spielern, die beim Pokern ein hohes Risiko eingehen, am Tisch stets ein Gefühl von Risikokontrolle empfunden wird. Bei dem Kartenspiel können sie ihre Chancen relativ präzise einschätzen. Etwas, das ihnen bei anderen Glücksspielen nicht so gut gelingt. Daher die vergleichsweise hohen Verluste in diesen Bereichen.

 

Pokerspieler sind der Studie zufolge im Durchschnitt zu etwa zwei Dritteln männlich, unter 50 Jahre alt und in Vollzeitberufen beschäftigt. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung haben sie zudem einen geringeren Bildungsstand. Insgesamt spielen in Australien etwa 130.000 Erwachsene regelmäßig Poker. Die hohe Zahl von 40 Prozent Spielsuchtgefährdeter unter ihnen ist bedeutend, weil die Gefahr im Landesdurchschnitt bei weitem geringer ausfällt. Dem Australian Gambling Research Centre zufolge spielen etwa 6,8 Millionen Australier wenigstens ab und zu Glücksspiel. Unter ihnen befinden sich schätzungsweise 1,4 Millionen Personen mit Problemen aufgrund ihres Spiels. Mit etwa 20 Prozent ist ihr Anteil somit weitaus niedriger, als bei den betrachteten Pokerspielern.

 

Spielsucht auch in Deutschland ein Thema

Das die Spielsucht ein weltweites Problem darstellt, wird auch hierzulande immer wieder thematisiert. So führt die Bundesregierung in ihrem jährlichen Drogen- und Spielsuchtbericht stets die aktuellsten Statistiken und Analysen aus dem Bereich auf. Erfreulich ist, dass sich die Zahl der Spielsüchtigen in Deutschland aktuell auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau befindet und sich in den letzten Jahren halbiert hat.

 

Im Unterschied zu Australien stellen in Deutschland die Spielautomaten die größte Gefahr dar. Da ist es nicht verwunderlich, dass deshalb verstärkt Anstrengungen unternommen werden, die Zahl der Geräte durch neue Glücksspielgesetze stetig weiter einzudämmen. Auch in diesem Jahr drohen weitere Verschärfungen, als deren Folge die Zahl von Spielhallen und Lokalen mit Geldspielautomaten weiter zurückgehen dürfte.

 

Das als Reaktion darauf viele Spieler auf die stets nur einen Klick entfernten, und hierzulande in einer rechtlichen Grauzone operierenden Online Casinos ausweichen werden, steht auf einem anderen Blatt.