, 07.10.2020

Anfang der Woche ist den italienischen Behörden erneut ein großer Schlag gegen das illegale Glücksspiel gelungen. In einer koordinierten Großaktion in der süditalienischen Region Apulien haben die Finanzpolizei und die örtliche Antimafia-Staatsanwaltschaft (DDA) ein weitreichendes Glücksspiel-Netzwerk ausgehebelt.

 

Wie die italienischen Medien berichten [Seite auf Italienisch], habe die Polizei im Rahmen der Aktion „HYDRA“ Güter im Wert von 3,5 Mio. Euro sicherstellen können. Konfisziert worden seien 1.500 illegale Spielautomaten, 22 Fahrzeuge, drei Bankkonten und 400.000 Euro in bar.

 

Die Spur habe die Polizei zu drei Brüdern aus der Kleinstadt Racale geführt: Pasquale, Pietro und Saverio De Lorenzis. Die drei Männer seien der Polizei nicht unbekannt und gälten als gefährlich, da sie mit der kriminelle Vereinigung Sacra Corona Unita zusammenarbeiteten.

Die Sacra Corona Unita (SCU), auch apulische Mafia genannt, ist die jüngste der großen Mafia-Gruppierungen Italiens. Sie entstand in den 1980er Jahren durch den Zusammenschluss zweier Banden. Schätzungen zufolge besteht die Gruppe heute aus zirka 1.800 Mitgliedern. Zu den Hauptgeschäften der SCU zählen Drogenhandel, Zwangsprostitution, Einschleusung illegaler Einwanderer, illegale Müllentsorgung und seit einigen Jahren vermehrt das illegale Glücksspiel. Laut dem Bundeskriminalamt wurden seit den 1990er Jahren auch Aktivitäten der Gruppe in Deutschland festgestellt.

Unter falschem Namen sollen die Brüder die Glücksspiel-Firma Oxo Games Srl. geleitet und sich mit dieser als Marktführer der Region etabliert haben. Ihre illegalen Glücksspiel-Produkte hätten sie in ganz Süditalien vertrieben und ihre Profite dabei

durch gezielte Manipulation der Spielgeräte optimiert.

Teure Deals mit der apulischen Mafia

Brisant sei jedoch, dass laut den Ermittlern zwischen den drei Männern und Mitgliedern der Sacra Corona Unita besondere Vereinbarungen bestanden hätten.

 

Hierbei habe es sich um eine Art der freiwilligen Schutzgelderpressung gehandelt. Der Mafia-Clan hätte den Brüdern erlaubt, in „ihrem“ gesamten Gebiet Spielautomaten zu betreiben und ihnen dabei vollumfänglichen Schutz geboten.

 

Im Gegenzug hätten die Brüder ihre Einnahmen mit der Organisation geteilt, Mitglieder der Gruppe in ihren Glücksspiel-Geschäften eingestellt, Anwaltskosten getilgt, teure „Geschenke“ an besondere Clan-Mitglieder gemacht oder diese mit Medikamenten versorgt.

 

Welche Strafe die drei Männer nun erwarten könnte, bleibt unklar. Die Ermittlungen der Polizei werden in jedem Fall noch fortdauern.