, October 19, 2019

Am 7. November soll die staatliche Lotterie Frankreichs, die Française des Jeux (FDJ), erstmals an der Börse notiert werden. Ab jenem Stichtag wird sich die FDJ nicht mehr mehrheitlich in staatlicher Hand befinden und es werden zahlreiche Kompetenzen und Verantwortungen an private Investoren abgeben werden.

 

Jeder kann Anteilseigner werden

Wenige Wochen vor der Privatisierung der französischen Nationallotterie rief Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire die Nation am Sonntag in einem Interview mit der Zeitung Journal du Dimanche dazu auf, sich am Aktienkauf der FDJ zu beteiligen.

 

So soll der Ausverkauf zwischen dem 7. und 20. November vonstattengehen, wobei sowohl einzelne private als auch größere institutionelle Investoren Anteile erwerben können.

 

Börsenkurs Graphik

Frankreichs FDJ geht erstmals an die Börse (Bild: Pixabay)

Noch immer ist nicht klar, wie viele verschiedene Anteilseigner es geben wird, welcher Prozentsatz davon privat investiert und wie hoch der Preis pro Aktie sein wird. Laut verschiedener französischer Medien scheint die Regierung jedoch einen Gesamtverkaufswert von zirka 1 bis 1.5 Mrd. Euro zu erwarten.

 

Diese Zahlen soll zumindest Stéphane Pallez, die derzeitige Geschäftsführerin der FDJ, genannt haben. Le Maire hingehen scheint sich nicht festlegen zu wollen. Gegenüber dem Journal du Dimanche erklärte er, dass man kein genaues Ziel festlegen wolle, da man so auch den Ambitionen des Staates ein Limit setze.

 

Dem Minister scheint indes viel daran zu liegen, dass sich möglichst viele französische Staatsbürger am Kauf beteiligen. Um die Aktien vor allem für private Investoren attraktiver zu gestalten, soll es eine Gratis-Aktie pro zehn gekaufter Aktien geben. Auch sprach Le Maire von einem grundsätzlichen Rabatt von 2 % auf alle Aktien.

Die Weichen für die Privatisierung der Française des Jeux wurden im April dieses Jahres gestellt, als die Nationalversammlung mehrheitlich für das Gesetzesprojekt „PACTE“ stimmte, welches das unternehmerische Wachstum in Frankreich fördern soll.

 

Noch bis September ist der französische Staat mit 72 % der mehrheitliche Anteilseigner der FDJ. Nach der Privatisierung sollen es lediglich 20 % sein, wobei der Staat sich vorbehält, in Entscheidungen der künftigen unabhängigen Glücksspielaufsicht (ANJ) einzugreifen.

Große Sorgen um Spielerschutz nach Privatisierung

Während die Regierung den Verkauf der Lotterie gegenüber der Bevölkerung als äußerst lukratives Geschäft darstellt, melden sich seit Monaten zahlreiche kritische Stimmen aus verschiedenen Sektoren.

 

Die nach wie vor staatlich geführten französischen Spielbanken sowie der staatliche Veranstalter von Pferdewetten (PMU) sorgen sich beispielsweise, dass die FDJ künftig zu einer zu großen Konkurrenz werden könnte.

 

Wettterminals Glücksspielterminals

Wird es zu viele Glücksspiel-Terminals geben? Bild: Wikimedia/NOVOMATIC AG)

Ein Grund dafür liegt in der mit der Privatisierung veranlassten Gesetzesänderung, dass die FDJ künftig deutlich mehr Glücksspiel-Terminals in Bistros und anderen öffentlichen Stätten aufstellen darf.

 

Während auf diesem Wege bislang lediglich Lottoscheine und Rubbellose veräußert werden dürfen, sei nicht auszuschließen, dass die Terminals bald auch Sport- und Pferdewetten oder gar vereinzelte Spielautomatenspiele anbieten werden.

 

Doch auch die Sorge um den Spielerschutz und die seit Jahren steigenden Zahlen der Spielsüchtigen werden immer wieder hervorgebracht. Erst am Mittwoch äußerte sich diesbezüglich der französische Wirtschaftsexperte Christophe Ramaux.

 

In einer Diskussion mit dem Chefredakteur [Link auf Französisch] der Zeitung L’Echo, Etienne Lefebvre, zeigte er sich nach Le Maires letztem Statement empört über die anstehende Privatisierung:

Die Privatisierung ist wahnsinnig. Der Minister hat vergessen, dass es beim Glücksspiel nicht nur um ein Spiel, sondern auch um eine Sucht geht. Die direkten durch Spielsucht verursachten Kosten für den Staat betragen eine Milliarde Euro, die indirekten, beispielweise wegen damit zusammenhängender Scheidungen, insgesamt 9 Mrd. Euro. Damit spielt man nicht.

Seiner Ansicht nach bestehe ein großes Risiko, dass die Zahlen der Spielsüchtigen nach der Privatisierung deutlich ansteigen könnten, da der Staat einen großen Teil seiner Verantwortung an bisher unbekannte Investoren abgebe.

 

Sein Diskussionsgegner Lefebvre hingegen konterte, dass der Staat als lediglich 20 prozentiger Aktionär deutlich effektivere Arbeit im Spielerschutz leisten könne, da ihm andere weniger dringliche Glücksspiel-Aufgaben abgenommen würden.

 

Trotz der Kritik und Analysen vieler weiterer Experten und Zeitungen ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich an den Privatisierungsplänen noch irgendetwas ändert. Ob und wie sehr der Staat langfristig tatsächlich profitieren wird, bleibt abzuwarten.