, 30.11.2017

Radioaktive Fässer mit Gefahrenzeichen

Spielkarten in Berlin sind radioaktiv verseucht gewesen. (Bild: pixabay.com)

In Berlin haben Betrüger offenbar eine besonders ausgefallene Methode gefunden, um Spielkarten zu zinken: radioaktives Jod. Nachdem bereits im November 2016 radioaktive Strahlung an einem Entsorgungsfahrzeug im brandenburgischen Rüdersdorf festgestellt wurde, bestätigte die Polizei jetzt, dass im Laufe der Entwicklungen insgesamt 13 mit Jod manipulierte Spielkarten sichergestellt wurden. Konfisziert wurden die Karten in einem Restaurant in einem Einkaufszentrum in Berlin-Lichtenfeld.

 

Die Polizei geht davon aus, dass mit der Jod-Markierung Spielbetrug betrieben werden sollte. Ob es tatsächlich dazu kam, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Die Räumlichkeiten des Fundes sind aktuell gesperrt und werden umfangreich saniert. Ob das Restaurant lediglich zur Präparation der Karten oder als Spielstätte genutzt wurde, ist nicht bekannt. Eine Kontamination erlitt bei den Aufräumarbeiten bisher niemand.

 

Die 41-jährige Gastronomin aus Lichtenfeld steht im Verdacht, ionisierende Strahlen freigesetzt zu haben. Sollten die Ermittlungen ihre Schuld beweisen, drohen ihr eine Geldbuße sowie eine bis zu fünfjährige Gefängnisstrafe.

 

Routinekontrolle auf Müllkippe bringt Ermittler auf die Spur

Im November 2016 wurde auf einer Müllhalde in Rüdersdorf in Brandenburg eine routinemäßige Kontrolle an einem Entsorgungsfahrzeug durchgeführt. Dabei stellte die Polizei radioaktive Strahlung im Inneren des Fahrzeugs fest. Diese konnte auf Spielkarten zurückgeführt werden, aus denen runde Teile ausgestanzt worden waren. Die Teile hatten einen Durchmesser von knapp 20 mm und stammten von der gleichen Kartenfarbe. Die Nachverfolgung der Route des Fahrzeugs führte die Beamten schließlich zur Adresse der 41-jährigen Verdächtigen in der Marzahner Straße in Berlin-Lichtenfeld.

 

Nach einjährigen Ermittlungen fand die Durchsuchung der Räumlichkeiten dieser Tage statt. Neben dem bereits erwähnten Restaurant wurden auch weitere Einrichtungen in derselben Straße durchsucht, darunter eine Karaokebar, ein Asiencenter und eine Privatwohnung. Der Einsatz förderte 13 radioaktiv belastete Spielkarten ans Tageslicht. Die Karten waren mit Jod-125 manipuliert worden.

 

Jod-125 kann Kontamination verursachen

Strahlenschutzfachleute bei der Arbeit

Strahlenschutzfachleute bei der Arbeit (Bild: wikipedia.com)

Bei Jod-125 handelt es sich um ein sogenanntes Nuklid, das am häufigsten in der Medizin zum Einsatz kommt, beispielsweise als Kontrastmittel bei Bildgebungsverfahren oder in Form einer Tinktur als Antiseptikum. Obwohl die Strahlenbelastung in Berlin sehr gering war, könne es laut Polizei bei unmittelbarem Kontakt ohne Schutzkleidung zu einer Kontamination kommen. Ob es in der Vergangenheit oder während möglicher Spielaktivitäten zu einem direkten Kontakt von Personen mit dem radioaktiven Stoff kam, ist nicht bekannt.

 

Die Halbwertszeit von Jod-125 beträgt 60 Tage. Dann ist die Strahlenbelastung nur noch halb so hoch wie zuvor. Bereits wenige Zentimeter von den sichergestellten Spielkartenteilen entfernt nahm die von den Fachleuten gemessene Strahlung bereits stark ab. 50 cm von den Karten entfernt war gar keine Gesundheitsgefährdung mehr festzustellen. Dennoch überschreitet die unmittelbar an den Karten festgestellte Strahlung den zulässigen Grenzwert um das Achtfache.

 

Eine Kontamination mit Jod-125 droht nur bei direktem Körperkontakt ohne Schutzkleidung.

 

Der Straftatbestand „Freisetzung ionisierender Strahlen“ ist in § 311 des deutschen Strafgesetzbuchs definiert. Die Definition sieht neben dem Vorsatz auch eine fahrlässige Strafbarkeit sowie die Strafbarkeit des Versuchs vor, was nicht bei jedem Delikt im StGB der Fall ist. Selbst bei Fahrlässigkeit drohen dem Angeklagten noch zwei Jahre Haft.

 

Strahlendetektor erkennt gezinkte Karten im Spiel

Möglicherweise sind die Karten präpariert worden, um sich im Spiel einen unlauteren Vorteil zu verschaffen. Die Polizei geht davon aus, dass die potenziellen Betrüger die manipulierten Karten mit einem Strahlendetektor erkannt haben, den sie am Körper getragen haben. Auf diese Weise können bestimmte Karten beim Austeilen aus sicherer Entfernung erkannt werden, ohne dabei Gefahr zu laufen, eine Kontamination zu riskieren.