, 18.10.2021

Bei den Landtags- und Bundestagswahlen war die Förderung der deutschen Games-Branche in diesem Jahr erstmals eines der zentraleren Themen. Das Land Rheinland-Pfalz hat in diesem Zusammenhang nun eines seiner Versprechen eingelöst und am Freitag die Medienförderung RLP GmbH in Betrieb genommen.

 

Ziel der neuen Tochter der Medienanstalt Rheinland-Pfalz sei es, „junge Talente mit maßgeschneiderten Stipendien im Land zu halten und Projekte unter Beteiligung der rheinland-pfälzischen Games- und Video-Wirtschaft zu fördern“, heißt es auf der Webseite der Medienanstalt.

 

Neben dem Land Rheinland-Pfalz seien auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender ZDF und SWR Träger der Gesellschaft.

 

game – Verband der deutschen Games-Branche erfreut

Für das Jahr 2021 sei ein Gesamtbudget von 380.000 Euro eingeplant worden. Davon würden unter anderem 95.000 Euro in die Games-Entwicklung und 50.000 Euro in Stipendien fließen. Für das Jahr 2022 hingegen sei ein Budget von insgesamt einer Millionen Euro geplant.

 

Damit liege Rheinland-Pfalz jedoch noch immer weit hinter anderen Bundesländern, kritisieren Branchenmedien. In Nordrhein-Westfalen und Bayern beispielsweise sei die Fördersumme für die Games-Branche zehnmal so hoch. Nichtsdestoweniger zeigt sich die Branche dankbar über den gemachten Anfang in Rheinland-Pfalz. In einem Kommentar von game – Verband der deutschen Games-Branche heißt es:

Der Einstieg in die Games-Förderung in Rheinland-Pfalz ist für die Branche vor Ort ein wichtiger und langerwarteter Schritt. Die Projektförderung und das Stipendien-Programm sind dabei besonders wertvoll. Potenzial liegt für die Zukunft in der Anhebung der Fördermittel auf das Niveau anderer Bundesländer und in Games-spezifischen Vergabegremien.

Am 1. November werde es einen ersten Förderaufruf geben, berichtet die Medienförderung RLP GmbH. Bewerbungsschluss sei dann der 8. Dezember.

 

Kritik von der Opposition: reines politisches Kalkül?

Das neue Interesse der Landesregierung für die Games-Branche scheint bei einigen jedoch für Argwohn zu sorgen. Schließlich hatte sich die seit 2013 amtierende Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) einer Förderung der Branche gegenüber mehrmals kritisch positioniert.

 

Kurz vor der Landtagswahl 2021 schien die Politikerin dann „ihre Meinung geändert“ zu haben. Laut Peter Moskopp, dem Digitalisierungs-Experten der CDU Rheinland-Pfalz, blicke das tatsächliche Desinteresse der Regierung an der Branche auch durch die neue Förderung durch.

Die ‚neue Medienförderung‘ macht Rheinland-Pfalz noch lange nicht zum digitalen Medien-Land Nummer 1 – leider. Vielmehr sind die von Staatssekretärin Raab angekündigten Fördersummen ein Tropfen auf den heißen Stein. Das liegt auch am Verständnis und der Wertschätzung, die das Land besonders modernen Formen der Medienschaffung entgegenbringt. Ich empfehle der Landesregierung, dringend ihr Medien-Grundverständnis zu aktualisieren.

Seitens der Medienanstalt Rheinland-Pfalz scheint man das Projekt deutlich positiver zu betrachten Laut Marc Jan Eumann, dem Chef der Medienanstalt, habe die Medienförderung die besten Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit. Sie sei bereits jetzt „breit vernetzt, fachlich gut verankert und mit ihrer innovativen Ausrichtung in der Lage, den Produktionsstandort Rheinland-Pfalz voranzubringen“.

 

Ob die selbsterklärten Ziele der Medienförderung erreicht werden und die Spielentwickler tatsächlich langfristig profitieren können, bleibt zunächst abzuwarten.