Sonntag, 02. Oktober 2022

Studie: Künstliche Intelligenz kann Risiko­bereitschaft beim Glücksspiel erhöhen

Schriftzug Data has a better idea unter Fenster

Roboter können die menschliche Risikobereitschaft beim Glücksspiel beeinflussen. Dies belegt eine in dieser Woche in Großbritannien vorgestellte Studie. In der Untersuchung hatten die Forscher Probanden ihr Glück bei einer unberechenbaren Aufgabe testen lassen. Je nachdem, ob ein Roboter sie ermutigte, Risiken einzugehen, unterschieden sich ihre Ergebnisse.

„Der Roboter hat mich dazu gezwungen“

Die veröffentlichte Studie war im Oktober erstmals in der Fachzeitschrift Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking erschienen. Nun hat die Southampton University die Untersuchung mit dem Titel The Robot made me do it: Robots encourage risk-taking behaviour in humans (dt. „Der Roboter hat mich dazu gezwungen“: Roboter fördern risikobereites Verhalten bei Menschen) auch für die breite Öffentlichkeit aufbereitet [Seite auf Englisch].

In einer Versuchsreihe hatte das Team um Forschungsleiter Dr. Yaniv Hanoch 180 Studenten der sogenannten Balloon-Analogue-Risk-Task (BART) unterzogen.

Bei der BART sollen Versuchspersonen einen digitalen Luftballon an einem Computer durch Drücken der Leertaste aufpumpen. Mit jedem Klick schwillt der Ballon ein wenig weiter an und ein Penny wird dem „Konto“ des Probanden gutgeschrieben. Das virtuelle Geld kann jederzeit eingelöst werden und das Spiel beginnt von vorn. Platzt der aktuelle Ballon jedoch zu einem zufällig gewählten Zeitpunkt, ist das Geld verloren.

Um den möglichen Einfluss der künstlichen Intelligenz auf das Risikoverhalten zu testen, hatten die Forscher die Teilnehmer in drei Gruppen aufgeteilt. Die Mitglieder der ersten Gruppe befanden sich bei dem Versuch allein im Raum, den beiden anderen Gruppen wurden Roboter zur Seite gestellt.

Während die Roboter der zweiten Gruppe lediglich konkrete Anweisungen gaben und ansonsten passiv blieben, gaben die Roboter der dritten Gruppe zusätzliche Ratschläge. So ermutigten sie die Probanden zum weiteren Aufblasen des Ballons oder hakten nach, warum sie sich zum Aufhören entschieden hatten.

Mehr Risiko, mehr Geld

Letztlich, so die Erkenntnis der Forscher, hätten die Ergebnisse der Gruppen 1 und 2 keine signifikanten Unterschiede gezeigt. Ihnen gegenüber hätten die Probanden, die aktiv vom Roboter zum Weiterspielen motiviert worden seien, ihre Ballons deutlich stärker aufgepumpt und insgesamt auch mehr Geld gewonnen. Versuchsleiter Dr. Hanoch führt aus:

Wir haben gesehen, dass Teilnehmer der Kontrollgruppen ihr Risikoverhalten nach einer Ballonexplosion zurückgefahren haben, während Teilnehmer der Versuchsgruppe weiterhin so viel Risiko eingegangen sind wie zuvor. Die direkte Ermutigung durch einen risikofördernden Roboter schien also die direkten Erfahrungen und Instinkte der Teilnehmer außer Kraft zu setzen.

Künftig, so der Wissenschaftler weiter, solle geprüft werden, ob gleiche Effekte auch bei der Interaktion mit anderen Systemen der künstlichen Intelligenz, wie digitalen Assistenten oder Avataren, aufträten.

Zweifellos handele es sich um ein Feld, das mehr Aufmerksamkeit verdiene. Zum einen könne es besorgniserregend sein, dass Roboter in der Lage seien, Menschen zu riskantem Verhalten zu bewegen. Andererseits biete sich möglicherweise die Chance, künstliche Intelligenz einzusetzen, um Menschen mit problematischem Verhalten, beispielsweise im Suchtkontext, zu helfen.