, 23.07.2018

Özil und Erdogan posieren mit Özils Trikot

Özils Skandal-Foto mit Erdogan (Bild: RTL.de)

Der 29-jährige Mesut Özil hat am Sonntag über die sozialen Medien seinen Rücktritt aus dem Deutschen Fußball-Bund angekündigt. Er veröffentlichte gestern eine Erklärung zu seinem Treffen mit Erdogan, ein Statement über die Medien und seine Sponsoren und seine Abrechnung mit dem DFB.

 

Treffen mit Erdogan

Im Mai trafen sich Gündogan (27, auch deutscher Nationalspieler mit türkischer Abstammung) und Özil mit Erdogan. In seinem Statement dazu gestand der Spielmacher nicht ein, einen Fehler gemacht zu haben. Er habe sich nicht mit Erdogan getroffen, um ihn zu unterstützen. Er sei bei der Aktion lediglich seiner Pflicht als türkischer Staatsbürger nachgegangen.

 

Medien

In seinem zweiten Brief richtet sich Mesut zunächst an die deutschen Medien. Er habe kein Problem damit, wenn seine Spielleistungen kritisiert würden, da ihn dies nur dazu motiviere, sich als Fußballer zu verbessern. Stattdessen würden die Medien jedoch allein seine türkische Herkunft für das frühe Ausscheiden Deutschlands aus der WM verantwortlich machen.

 

Auch wirft er den Medien doppelte Standarts vor. Lothar Matthäus habe für sein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin neulich kaum Kritik geerntet. Özil meint, er sei nur aufgrund seiner türkischen Abstammung so heftig kritisiert worden.

 

Sponsoren und Partner

Des Weiteren hätten zwei Partner Özils sich aufgrund der Kritik durch die Medien von ihm abgewendet. Ein geplanter Besuch des Fußballers in seiner ehemaligen Gesamtschule „Berger-Feld“ in Gelsenkirchen sei abgesagt worden, nachdem das Treffen mit Erdogan Schlagzeilen machte. Wegen „Angst vor den Medien“, vor allem begründet durch „den Aufstieg der rechten Partei in Gelsenkirchen“ habe die Schule nicht länger mit Özil kooperieren wollen.

 

Joachim Löw, Mesut Özil, Reinhard Grindel, Ilkay Gündogan und Oliver Bierhoff diskutieren

(l.-r.) Joachim Löw, Mesut Özil, Reinhard Grindel, Ilkay Gündogan und Oliver Bierhoff (Bild: dpa)

Die Leiterin der Schule, Maike Selter-Beer, gab nun ein Umdenken der Schule bekannt, einhergehend mit einem mit Özils Anwalt neu vereinbarten Termin für den frühen Herbst.

 

Der Fußballspieler behauptet auch, dass auch ein Automobilhersteller ihn nach dem Medienwirbel aus einer seiner DFB-Werbekampagnen gestrichen habe. Özil kritisiert im weiteren Verlauf des Statements die Marke und deren Betriebspraktiken.

 

Adidas, Beats und BigShoe seien dagegen extrem loyal und er freue sich auf weitere Zusammenarbeit mit ihnen.

 

DFB

In seinem finalen Brief kritisiert der Fußballspieler den DFB, besonders den ehemaligen Bundestagsabgeordneten und jetzigen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel.

Er sei von Grindel respektlos behandelt worden und unterstellt ihm unterschwellig eine ausländer- und islamfeindliche politische Agenda.

„Wenn hochrangige DFB-Offizielle mich so behandeln, meine türkischen Wurzeln nicht respektieren und mich aus selbstsüchtigen Gründen für politische Propaganda benutzen, dann ist mir das zu viel.“

schreibt Mesut Özil.

 

Aufgrund des Konflikts mit der DFB-Spitze erklärt Özil im weiteren Verlauf der Stellungnahme seinen Rücktritt.

 

Folgen für den DFB

Der DFB ist momentan deutlich unter Druck. Reinhard Grindel bestätigte dem Fernsehsender Phoenix kürzlich, dass noch heute eine Stellungnahme zu Özils Rücktritt zu erwarten sei. Derzeit wird von allen Seiten ein Rücktritt Grindels gefordert. Das Image der Mannschaft wird unter Özils Angriff mit Sicherheit auch zu leiden haben.

 

„Es ist ein Rücktritt und Rundumschlag mit enormer Tragweite, der die Krise des deutschen Fußballs verschärfen dürfte.”

schreibt Julien Wolff, Sportredakteur bei Welt.de.

 

„Er wird den DFB und seinen Präsidenten Grindel, den Özil offen zum Rücktritt auffordert, noch tiefer in die Krise stürzen.“

schreibt Michael Eder, Sportredakteur der FAZ.

 

Wenn es jedoch nach Uli Hoeneß geht, sei „ein Neuanfang ohne ihn […] das Beste, was passieren kann.“

 

Aussichten bei Arsenal

Nach einem Ranking der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ ist Özil unter den „schlechtesten Elf“ der WM. Auch Arsenal-Trainer Emery ist sich bewusst, dass der Fußballspieler noch viel Coachingbedarf hat.

 

Gestern flog Özil mit der Mannschaft des FC Arsenal nach Singapur. Dort nehmen sie an einem im Nationalstadion stattfindenden Freundschaftsturnier, dem “International Champions Cup”, teil. Özil kann hier erstmals vor dem neuen Arsenal-Trainer Unai Emery spielen und damit seine Stellung in der Mannschaft für die am 12.08.2018 beginnende Saison in der Premier League beeinflussen.

 

Während der DFB bis zur EM 2020 Zeit hat, die Mannschaft neu zu strukturieren und ihr gutes Image wiederherzustellen, wird sich Özil auf seine Karriere bei Arsenal konzentrieren können und wahrscheinlich versuchen sich als Spieler neu zu definieren. Für die Buchmacher wird der DFB-Skandal rund um Özil für die Quotensetzung sowohl in der EM 2020 als auch in den künftigen Spielen des FC Arsenal von Relevanz sein.