, 01.10.2018

Bei der 42. Auflage des Ryder Cups spielten die Europäer die USA am Wochenende in Frankreich an die Wand. Vor einem begeisterten Publikum setzte sich das Team mit 17,5 zu 10,5 gegen die amerikanischen Favoriten durch.

 

Vom 27. bis 30. September gaben sich die Stars der europäischen und US-amerikanischen Golf-Szene in Paris die Ehre. Auf dem erst kürzlich umfangreich renovierten L`Albatros-Platz bei Paris fand der 42. Ryder Cup statt. Das prestigeträchtige Mannschaftsturnier wird im Zwei-Jahres-Turnus von den besten Spielern der USA und Europas bestritten, in diesem Jahr fand es zum zweiten Mal auf dem europäischen Festland statt.

 

US-Team: Favoritenrolle nicht erfüllt

 

Eigentlich war das US-Team um Kapitän Jim Furyk als klarer Favorit ins Rennen gegangen. Die Mannschaft war prominent mit den besten Spielern der Welt besetzt, sie traten an, um den ersten Auswärtssieg beim Ryder Cup seit 25 Jahren einzufahren.

Acht der zwölf Teilnehmer unter Furyk hatten sich über eine Rangliste qualifiziert. Unter ihnen der Weltranglistenerste Dustin Johnson, der diesjährige Masters-Sieger Patrick Reed, der PGA-Championship-Erste von 2017, Justin Thomas, und der 2018 mit zwei Majorsiegen extrem erfolgreiche Brooks Koepka.

Golf-Legende Tiger Woods hatte von Furyk eine der vier begehrten Wildcards für das Turnier erhalten, nachdem er sich in den vergangenen Monaten nach langer Durstrecke wieder an die Weltspitze gekämpft hatte.

Doch all die vergangenen Erfolge und großen Namen zahlten sich auf dem Grün nicht aus: Die Europäer um Mannschaftskapitän Thomas Bjorn feierten am Sonntag den bedeutendsten Titel des Golfsports, den Finaltag auf dem Course hatten sie trotz zeitweiser großer Spannung souverän gewonnen.

 

Über 50.000 verkaufte Tickets für das Ryder Cup-Finale

 

Wer unter Golf noch immer ein Spiel älterer Herren in karierten Pullundern in steifer Atmosphäre versteht, konnte am Sonntag eine Überraschung erleben. 51.000 Tickets hatten die Veranstalter für den Finaltag des prestigeträchtigen Ryders Cup auf dem L`Albatros-Platz des exklusiven Golfclubs „Le Golf National“ in der Nähe von Versailles bei Paris verkauft.

 

Der Ryder Cup ist das bedeutendste Golf-Mannschaftsturnier der Welt. Es handelt sich beim Ryder Cup um ein reines Prestigeduell, das bedeutet, das keine Preisgelder ausgeschüttet werden.

Initiator und Namensgeber war der britische Saatguthändler Samuel Ryder, der auch die Trophäe, den Ryder Cup, zur ersten offiziellen Austragung im Jahr 1927 stiftete.

Erst seit 1979 spielt eine gesamteuropäische Auswahl gegen das Team aus den USA, zuvor hatten sich die Amerikaner nur mit Briten bzw. seit 1973 auch mit Iren auf dem Grün gemessen.

Der Ryder Cup, der alle zwei Jahre im Wechsel auf US-amerikanischem und europäischem Gebiet stattfindet, hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Im Zentrum des Interesses steht der sportliche Kampf der „alten“ gegen die „neue Welt“.

 

Teamwork und mitreißende Atmosphäre beim Ryder Cup

 

Golfer Langer 1991 beim Ryder Cup

Seit Jahrzehnten ein Publikumsmagnet: Golfer Bernhard Langer 1991 beim Ryder Cup (Quelle: by Albrecht Golf Verlag GmbH licensed under cc-by-sa 3.0)

Die Zuschauer, die das Spiel um die Trophäe von den vielen Naturtribünen auf dem weitläufigen Gelände verfolgen konnten, erschufen eine Atmosphäre, von der sich manch ein Fußballstadion sich etwas abschauen könnte und nach dem letzten Duell gab es kein Halten mehr: Die Spieler fielen sich in die Arme und herzten einander, der Italiener Molinari, der den Sieg perfekt gemacht hatte, verschwand in einem Pulk Feiernder und durfte sich über eine Formel1-würdige Bierdusche freuen.

 

Auch auf der abschließenden Pressekonferenz ließen die Europäer keinen Zweifel daran, dass der moderne Golfsport alles andere als eine spießige Veranstaltung ist. Die Spieler machten Scherze, lachten, tranken und stellten klar heraus, was sie für den entscheidenden Faktor ihres diesjährigen Erfolgs halten: Den absoluten Mannschaftsgeist der normalerweise als Einzelkämpfer auftretenden Protagonisten.

Auch Kapitän Björn lobte den Zusammenhalt der Equipe in den höchsten Tönen:

 

Ich hatte es ganz leicht, sie waren alle total konzentriert und kollegial, ich musste eigentlich nichts machen.

 

Spannende Phasen – Überragende Leistungen der Europäer

 

Tatsächlich war es trotz beeindruckender Einzelleistungen das gesamte Team, das für den fulminanten Endstand von 17,5 zu 10,5 gegen die amerikanischen Konkurrenten sorgte:

Nachdem die USA zwischenzeitlich auf einen Stand von 9,5 zu 10,5 verkürzen konnten, drehte der Däne Thorbjörn Olesen das spannende Match mit einem Überraschungssieg von 5&4 gegen den dreimaligen Major-Sieger Jordan Spieth.

Superstar Tiger Woods verlor sein viertes von vier Duellen gegen den Spanier Jon Rahm und Ian Poulter aus England brachte das Momentum bereits nach 14 Löchern mit seinem 2-auf-Sieg gegen den 34-jährigen Dustin Johnson endgültig zum Kippen. Mit 13,5 zu 9,5 war die Vorentscheidung für Europa bereits gefallen.

 

Woods und Mickelson: Glücklos beim Ryder Cup

 

Phil Mickelson aus den USA sorgte in der Folge mit seinem Abschlag ins Wasser auf der 16. Bahn für Entsetzen auf der amerikanischen Seite: Das Team gab das Loch auf. Einen Achtungserfolg konnte für die USA nur noch Patrick Reed einfahren, der sich gegen Tyrrell Hatton aus England durchsetze.

Perfekt machten den Sieg noch der Spanier Sergio García, der im Duell gegen Rickie Fowler bestand, Stenson, der den 40-jährigen Bubba Watson schlug, und Alex Noren aus Schweden, der den erst 25-jährigen Bryson Dechambeau hinter sich ließ.

 

Fünf Siege in fünf Partien: Molinari überzeugt auf ganzer Linie

 

Besonderer Star des Turniers war der Italiener Francesco Molinari, der auf eine beeindruckende Bilanz von fünf von fünf möglichen Siegen beim diesjährigen Ryder Cup zurückblicken kann und somit maßgeblich zum Triumph der Europäer beigetragen hat. Doch obwohl er der erste Spieler überhaupt ist, dem diese Serie gelang, gibt sich der Gefeierte bescheiden:

Das wäre völlig egal gewesen, wenn wir nicht mit dem Team gewonnen hätten. Das ist das einzige, das zählt. Diese Mannschaft ist mit Abstand die beste, in der jemals gespielt habe.