, 20.09.2021

Die Netflix-Serie „Das Damengambit“ hat seit seinem Launch einen regelrechten Schach-Boom ausgelöst. Der Erfolg wird nun jedoch durch Sexismus- und Diskriminierungsvorwürfe der Großmeisterin Nona Gaprindaschwilli gedämpft. Die fünfte Damen-Weltmeisterin hat den Streamingdienst am vergangenen Donnerstag auf 5 Millionen US-Dollar Schadenersatz verklagt.

 

Schach-Großmeisterin verleumdet?

 

In der letzten Episode von „Das Damengambit“ spielt die Hauptfigur, dargestellt von Anya Taylor-Joy, ein Turnier in Moskau. Dabei sagt ein Kommentator:

Das einzig Ungewöhnliche an ihr ist wirklich ihr Geschlecht, und selbst das ist in Russland nicht besonders ungewöhnlich. Da gibt es auch Nona Gaprindaschwilli, aber die ist Damen-Weltmeisterin und hat noch nie gegen Männer gespielt.

Anders als die Hauptfigur ist Nona Gaprindaschwilli keineswegs fiktiv. Sie ist die erste Frau, die den Großmeistertitel im Schach erwarb. Während ihrer Schach-Karriere ist die 80-jährige Georgierin durchaus gegen Männer angetreten. Dabei war sie so erfolgreich, dass unter anderem die New York Times im Jahr 1968 titelte:

„Chess: Miss Gaprindashvili Beats 7 Men in a Strong Tourney“ (auf Dt.: Schach: Fräulein Gaprindaschwilli besiegt 7 Männer in einem starken Turnier).

 

Anders, als in der Serie dargestellt, stammt sie außerdem nicht aus Russland, sondern wurde 1941 in der damaligen Georgischen Sozialistischen Sowjetrepublik geboren und lebt noch heute in Georgien.

 

Klage wegen Falschdarstellung

 

Am vergangenen Donnerstag reichte Gaprindaschwilli nun Klage [Seite auf Englisch] beim Bundesgerichtshof in Kalifornien ein. Sie werfe Netflix eine „verheerende“ Falschdarstellung vor, die ihre Leistungen vor einem Millionenpublikum untergrabe. In dem Roman, auf dem die Netflix-Miniserie basiere, sei diese Darstellung zudem nicht zu finden. Hier werde Gaprindaschwilli zwar erwähnt, allerdings als Schachspielerin, die gegen russische Großmeister gespielt habe.

“Das Damengambit” wurde der New York Times zufolge im ersten Monat nach der Erstausstrahlung in 62 Mio. Haushalten gesehen und löste unter anderem bei der Schach-Plattform Chess.com einen regelrechten Rekord an Neuzugängen aus. Innerhalb von nur einem Monat habe die Trainings- und Spiel-Webseite nach Aussagen des Managers Nick Barton 2,5 Mio. neue Mitglieder erhalten.

 

Bei Sportwetten-Fans dagegen war Schach schon ein halbes Jahr zuvor verstärkt in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, als die Werbepartnerschaft von Magnus Carlsen mit dem Sportwettenanbieter Unibet das WM-Match in Dubai gefährdete.

Der New York Times gegenüber erklärte Gaprindaschwilli, es sei ironisch, dass Netflix eine Hauptfigur zeige, die anderen Frauen den Weg im Schach ebnet, während sie selbst bereits Generationen von Frauen inspiriert habe.

 

Der Streamingdienst erklärte in einem Statement, er respektiere Gaprindaschwilli, aber ihre Klage sei unbegründet und Netflix werde den Fall vehement verteidigen. Ob dies ausreichen wird, um die Forderung auf Schadenersatz in Millionenhöhe abzuwenden, bleibt abzuwarten.