Donnerstag, 30. Juni 2022

Glücksspiel und Alkoholsucht: Schalke-Profi Pálsson spricht über psychische Probleme

Mann in Hoodie Boys get sad too Mit seiner Geschichte will Pálsson für das Thema psychische Gesundheit sensibilisieren (Quelle: unsplash.com/Nathan McDine)

Der Schalke-Profi Victor Pálsson (31) spricht in einem Interview erstmals offen über seine schwierige Vergangenheit. Dem Magazin Der Spiegel gegenüber bekennt der Vizekapitän des Tabellenaufsteigers, unter großen psychischen Problemen gelitten zu haben. Um Schmerz und Konflikten aus dem Weg zu gehen, so der isländische Nationalspieler, habe er sich in Alkohol und Glücksspiel geflüchtet.

Flucht in Glücksspiel und Alkohol

Vor knapp zwei Wochen gelang Victor Pálsson mit seiner Schalker Elf in der Gelsenkirchener Veltins-Arena ein fulminanter Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga. Die Bilder der anschließenden Stürmung des Platzes durch Tausende euphorische Fans machten Schlagzeilen.

Aufstiegsspiel Schalke Pauli

Beim Aufstiegsspiel gegen den 1. FC St. Pauli brannte auf Schalke die Hütte (Quelle: privat)

Nun schlägt der Vizekapitän des S04 nachdenkliche Töne an. Im Spiegel-Gespräch bekennt er sich dazu, trockener Alkoholiker zu sein. Auch sein Glücksspielverhalten habe er über Jahre nicht unter Kontrolle gehabt. So zitiert unter anderem die Plattform Sport1 aus dem Interview:

Ich habe mich damals von vielen Themen außerhalb des Fußballs ablenken lassen wie dem Glücksspiel und Alkohol. Ich war geplagt von mentalen Problemen.

Bereits mit 17 Jahren, so der Mittelfeldprofi, habe er angefangen, exzessiv Alkohol zu konsumieren. Meist habe er bis zum Filmriss getrunken. Um der Scham am folgenden Tag zu entgehen, habe er erneut zum Glas gegriffen. Heute bezeichnet Pálsson sein Verhalten als Flucht. Er habe sich den Dämonen seiner Kindheit nicht stellen können.

Trocken seit 2014

So sei die Sucht in seiner Familiengeschichte tief verankert gewesen, was ihm schwer zugesetzt habe. Beide Elternteile seien alkoholkrank und drogenabhängig gewesen. Pálssons Mutter starb 2020 im Alter von nur 47 Jahren an den Folgen ihrer Abhängigkeit von Drogen und Alkohol.

Er hoffe, mit dem öffentlichen Bekenntnis seiner Suchtbiografie zu einer Enttabuisierung der Thematik beizutragen, so der Profikicker. Er selbst habe sich 2013 professionelle Hilfe gesucht, nachdem er vermehrt mit Suizidgedanken zu kämpfen gehabt habe. Seit 2014 habe er keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt.

Victor Pálsson ist nicht der einzige Fußballprofi, der in dieser Woche mit dem Gang an die Öffentlichkeit Stärke bewiesen hat. Am Montag erklärte Jake Daniels, Stürmer beim englischen Zweitligisten Blackpool FC, im Interview mit Sky Sport, schwul zu sein.

Auch in einem auf der Webseite seines Vereins veröffentlichten Statement [Seite auf Englisch] teilte der erst 17-jährige Spieler mit, sich nicht länger verstecken zu wollen. Damit erntete er international großen öffentlichen Zuspruch. Daniels ist aktuell der einzige offen homosexuelle männliche Fußballprofi in Europa.

Bis heute nehme er, auch aufgrund des für ihn sehr schmerzhaften Todes seiner Mutter, regelmäßig Unterstützung durch Therapeuten und Sportpsychologen in Anspruch. Für ihn habe die Bereitschaft, sich seinen mentalen Herausforderungen zu stellen, einen Wendepunkt dargestellt. Pálssons Message an die Öffentlichkeit: Probleme einzugestehen, sei keine Schwäche, sondern eine Stärke.