, 01.06.2021

In der vergangenen Woche stießen Einsatzkräfte der Polizei im Sauerland in einer Gaststätte auf ein illegales Casino. Regionalen Medien zufolge habe sich nun der Bruder des Lokalbetreibers zu Wort gemeldet. Er verwehre sich gegen den Vorwurf des illegalen Glücksspiels. Vielmehr habe es sich bei den Angetroffenen um eine private Selbsthilfegruppe für Spielsüchtige gehandelt.

 

Private Spielsucht-Selbsthilfegruppe in Werdohl

 

Am 21. Mai hatte die Polizei gegen 1 Uhr mit einem Großaufgebot ein kroatisches Restaurant in der Stadt Werdohl durchsucht. Die Beamten beschlagnahmten sechs illegale Spielautomaten und mehrere Black-Jack- und Pokertische. Gegen 28 Anwesende wird nun wegen unerlaubten Glücksspiels und Nichteinhaltung der Coronaschutzverordnung ermittelt.

Der Verdacht, dass in der eigentlich geschlossenen Gaststätte Widerrechtliches vor sich gehen könnte, so ein Polizeisprecher, habe sich ergeben, nachdem ein Mann vor dem Gebäude von einer Polizeistreife kontrolliert worden war. Zu diesem Zeitpunkt hatte noch die Corona-bedingte nächtliche Ausgangssperre ab 22 Uhr gegolten. Der Mann habe einen nicht unerheblichen Bargeldbetrag mit sich geführt. Daraufhin habe sich der Verdacht ergeben, dass in dem Gebäude illegales Glücksspiel betrieben werde.

Wie das Nachrichtenportal come-on.de berichtet, habe sich mit Sascha L. nun einer der Verdächtigen an die Redaktion gewandt, um ein angebliches Missverständnis aufzuklären.

 

Der Bruder des Gaststättenbetreibers habe erklärt, in den Räumlichkeiten eine Selbsthilfegruppe für Spielsüchtige betrieben zu haben. Zunächst hätten sich die Betroffenen, zu denen er sich auch selbst zähle, in Wohnungen und Kellern getroffen, um die Thematik gemeinsam zu bearbeiten. Später, so Sascha L., habe er den Treffpunkt in die Gaststätte verlegt. Generell habe er nur Gutes tun wollen.

 

Spielautomaten zur Suchtbewältigung

 

Die vorgefundenen Spielautomaten und -tische hätten lediglich der Unterstützung der Selbsthilfegruppe gedient. So hätten die Geräte verdeutlichen sollen, wie viel Geld das Glücksspiel verschlingen könne. Tatsächliches Spiel um Geld habe er jedoch „grundsätzlich nicht erlaubt“. Dass er an besagtem Abend selbst einen vierstelligen Betrag bei sich gehabt habe, sei nicht weiter ungewöhnlich:

Ich hatte an dem Abend 2800 Euro in bar dabei. Ich habe gerne Bargeld. Ich mag kein Plastikgeld. Das war legales Geld, das hatte ich versteuert.

Sein Bruder, Gaststättenbetreiber Tomislav L., habe mit dem Selbsthilfe-Casino in seinen Räumlichkeiten indes nichts zu tun gehabt.

 

Laut come-on.de sei sich Sascha L. bewusst darüber, dass seine Erklärung nur bedingt glaubwürdig klinge. Den Journalisten zufolge sei davon auszugehen, dass er mit seiner Öffentlichkeitsarbeit versuche, die Gaststättenkonzession seines Bruders, die nun in Gefahr sei, zu retten.