, 26.07.2020

Die Universität Bremen hat in einer neuen Studie mit dem Titel „Die Bedeutung der Selbsthilfe in der Versorgung pathologischer Glücksspieler*innen: Nutzen, Grenzen und Optimierungspotenziale“ die Effekte von Selbsthilfegruppen (SHG) auf Glücksspieler untersucht.

 

Laut den Studienautoren Tobias Hayer, Lydia Girndt und Tim Brosowski bildeten klassische Selbsthilfegruppen im Rahmen „differenzierter Beratungs- und Behandlungsstrukturen“ eine wichtige Säule. Die Auswirkungen („Effekte“) seien jedoch wenig erforscht.

Nach Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) litten im Jahre 2019 in Deutschland ca. 229.000 Personen an problematischem Spielverhalten. Geschätzte 200.000 Personen seien überdies von einer pathologischen Form der Spielsucht betroffen.

Welche Kernaussagen trifft die Studie?

 

Die Studie der Universität Bremen wurde unter Mitwirkung von 355 Personen im Alter zwischen 19 und 80 Jahren angefertigt. Diese nutzten entweder professionelle Hilfe, eine „spezifische SHG“ oder beide Hilfsformen parallel.

 

Die unterschiedlichen Subgruppen seien je nach Fragestellung untersucht und verglichen worden. Die Ergebnisse zeigten:

„(…) dass Mitglieder einer SHG (Nur SHG und SHG+ n = 240) im Mittel sowohl älter waren als Klient*innen der bundesweiten ambulanten Suchthilfe als auch Problemspieler*innen der Allgemeinbevölkerung. Betroffene mit Migrationshintergrund waren in der untersuchten Gesamtstichprobe und unter den Mitgliedern einer SHG unterrepräsentiert.“

Rückschlüsse ließen sich auch im Zusammenhang von beruflicher Situation und SHG treffen. So besuchten Erwerbslose „seltener aktuell“ eine SHG. Darüber hinaus „berichteten frühere Mitglieder einer Selbsthilfegruppe deutlich häufiger als aktuelle“ über „substanzbezogene und psychischen Probleme“.

 

Welche Erkenntnisse zur Wirkung der Selbsthilfegruppen liegen vor?

 

Zu den häufigsten Gruppeninhalten einer SHG gehöre der Austausch über aktuelle Erfahrungen, Probleme und Gefühle der Teilnehmenden. In der Regel fänden die Treffen „einmal wöchentlich für eineinhalb bis zwei Stunden“ mit durchschnittlich neun Personen statt.

 

Nahezu alle Teilnehmer strebten „ein glücksspielfreies Leben“ an. Ein positiver Effekt der SHG sei ein „klarer Blick“ auf die eigene Situation. Auch erhielten die Betroffenen Hilfe beim Aufgeben des Glücksspiels und bei der Rückfallvermeidung. Negative Aspekte seien kaum bestätigt worden. Potenzial liege in der Ansprache jüngerer Betroffener.

 

Die Studie bestätige damit die „hohe Bedeutung klassischer SHG für die langfristige Unterstützung und Rückfallprophylaxe auch für Betroffene mit einer Störung durch Glücksspielen.“