, July 9, 2019

Die Gruppenphase des diesjährigen Afrika-Cups ist bereits vorüber und die verbliebenen Teams fiebern dem Finale entgegen. Doch ein in der letzten Woche veröffentlichter Medienreport aus Madagaskar wirft noch immer einen Schatten über das Turnier.

 

Dort wurde behauptet, dass der Torwart Simbabwes, Elvis Chipezeze, Schmiergelder angenommen habe, um absichtlich ein Spiel gegen die Demokratische Republik Kongo zu verlieren. Jetzt äußerte sich der 29-jährige Keeper bestürzt zu den Vorwürfen.

 

Ein spannendes Spiel mit überraschendem Ende

Es wäre nicht das erste Mal, dass der afrikanische Staat Simbabwe in einen großen Wettskandal im Fußball involviert ist. Desto schwerer wiegen daher die derzeitigen unbewiesenen Anschuldigungen gegen die Nationalmannschaft des Landes.

 

Es geht dabei um das Spiel Simbabwe gegen Kongo, welches am 30. Juni in Kairo ausgetragen wurde. Trotz einer insgesamt besseren Performance von Simbabwe [Zusammenfassung als Video] gewann Kongo am Ende mit 4:0.

 

Elmeter Gruppenspiel Simbabwe Kongo

Ein Elfmeter führte zum 3:0 für Kongo (Bild: YouTube)

Das erstaunliche Endresultat veranlasste daher einige Journalisten, anzunehmen, dass es zu Spielmanipulation gekommen sein müsse. Die Vorwürfe richten sich dabei gegen den Torwart des simbabwischen Teams, der teilweise eine offensichtlich schlechtere Leistung als gewohnt an den Tag legte.

 

So hatte Simbabwe beispielsweise 60 % Ballbesitz, acht Eckbälle (Kongo keinen) sowie ein deutlich schnelleres Spiel mit viel mehr Pässen als Kongo. Des Weiteren erhielt Simbabwe lediglich eine gelbe Karte, Kongo hingegen drei. Auch bezüglich der Fouls zeigten sich klare Differenzen (Simbabwe 16 vs. Kongo 27).

 

Doch bereits in Spielminute 4 fiel das erste Tor durch den 25-jährigen Kongolesen Jonathan Bolingi. Beinahe hätte Chipezeze den Ball gehalten, doch er entglitt letztendlich seinen Händen und landete direkt hinter ihm im Tor.

 

Das zweite Tor fiel in Minute 34 durch Cédric Bakambu (28), als Chipezeze weit in den Strafraum hinauslief. Das dritte Tor fiel durch einen Elfmeter, ebenfalls von Bakambu ausgeführt, und das Schlusstor fiel in Minute 78 durch Britt Assombalonga (26).

 

Manipulation oder politische Lüge?

Die Medien von Madagaskar waren die ersten, die schlussfolgerten, dass es sich klar um Spielmanipulation gehandelt haben müsse. Anderen afrikanischen Medien kamen die Spekulationen durchaus gelegen, sodass sich der vermeintliche Skandal schnell verbreitete.

 

Moise Katumbi

Politiker Moise Katumbi soll Chipezeze bestochen haben (Bild: Wikipedia)

So soll den entsprechenden Berichten zufolge Moise Katumbi, ein kongolesischer Geschäftsmann und Besitzer des afrikanischen Fußballvereins TP Mazembe, den simbabwischen Torwart bestochen haben.

 

Katumbi sei angeblich in dem Hotel gewesen, wo die simbabwische Nationalmannschaft am Tag des Spiels residierte. Dort habe er den Torwart dazu „gedrängt“, das Spiel absichtlich zu Gunsten Kongos ausgehen zu lassen. Eine große Geldsumme sollte dafür auf dem Konto Chipezezes eingehen.

 

Die englischsprachigen Medien jedoch schenken den Vorwürfen wenig Glauben, denn Katumbi war zuvor bereits Opfer politischer Angriffe. Der Politiker gehört nämlich der Opposition an und versucht seit Jahren, die Demokratie im Land zu fördern, was der amtierenden Regierung missfällt.

 

Nicht nur wurde ihm in der Vergangenheit bereits mehrmals vorgeworfen, Fußballspiele manipuliert zu haben, sondern man beschuldigte ihn sogar, die Ebola-Epidemie 2018 nach Kongo gebracht zu haben.

Simbabwe war vor mehr als zehn Jahren bereits in einen gigantischen Wettskandal involviert. Im Jahr 2011 kam ans Licht, dass zahlreiche Fußballer des Landes zwischen 2007 und 2009 bestochen worden waren, um Spiele in Malaysia, Vietnam und Thailand zu manipulieren. 80 Spieler, darunter viele erfolgreiche Nationalspieler, wurden damals wegen Wettbetrugs suspendiert.

Chipezeze über Vorwürfe empört

Gestern äußerte sich Chipezeze schließlich selbst zu den Anschuldigungen und zeigte sich dabei empört und bestürzt. Er mache sich große Sorgen um seinen Ruf und somit um seine künftige Karriere im Fußball:

Wissen Sie, es tut weh, einer solchen Sache beschuldigt zu werden, denn es ruiniert die Karriere eines Menschen und alles. Es ist schmerzhaft, so schmerzhaft […] Ich mache solche Sachen nicht, denn ich weiß, dass es die Karriere von jemandem ruiniert. Ich toleriere so etwas auch nicht. Ich weiß nicht, wer die Geschichte veröffentlicht hat oder was deren Absicht war […] Ich spreche derzeit mit meinem Anwalt, ich denke, er wird das in Ordnung bringen, so dass ich meinen Namen reinwaschen kann.

Chipezeze erklärte, dass er und seine Familie sehr unter den Vorwürfen litten. Er werde überall „schief angeschaut“, was ihm sehr weh tue. Seine schlechten Leistungen im besagten Spiel begründete er damit, dass es im Fußball immer gute und schlechte Phasen gebe.

 

Derzeit deutet vieles darauf hin, dass es sich in der Tat um haltlose Anschuldigungen handeln könnte. Auch der afrikanische Fußballverband Confédération Africaine de Football (CAF) sagte gegenüber den Medien, dass es keinerlei Beweise für einen derartigen Manipulationsversuch gebe.

 

Man ermittle jedoch weiter und werde Konsequenzen ziehen, sollten sich herausstellen, dass die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen. So bleibt fürs erste abzuwarten, ob Simbabwe erneut in einen riesigen Wettskandal verwickelt ist, oder es sich tatsächlich um politische Propaganda handelt.