, March 20, 2019

In Kanada wurden entsorgte Spielkarten intakt in einem Müllcontainer gefunden. Die vom Grand Villa Casino in Burnaby beauftragte Entsorgungsfirma hatte die Karten nicht wie vorgesehen geschreddert. Die kanadische Regulierungsbehörde der Provinz British Columbia, die British Colombia Lottery Corporation (BCLC), hat infolge des Skandals seine Regeln zur Entsorgung von Spielkarten geändert.

 

Entsorgte Spielkarten als Sicherheitsrisiko für Casinos

 

Es gibt eine Reihe von Sicherheitsvorschriften, die den Spielbetrug mit Karten im Casino verhindern sollen. Eine von ihnen betrifft die ordnungsgemäße Entsorgung gebrauchter Karten.

 

Manche Casinos schneiden hierfür eine Ecke der Spielkarte ab und bieten sie Spielern an, die sie gern mit nach Hause nehmen möchten. Andere verlassen sich auf externe Unternehmen, die die Spielkarten schreddern sollen. Für die letztere Option entschied sich auch das Grand Villa Casino im kanadischen Burnaby in der Provinz British Columbia.

 

Anfang März jedoch wurde ein Müllcontainer mit Spielkarten entdeckt, die weder geschreddert noch auf sonstige Weise unbrauchbar gemacht wurden. Dabei handelte es sich um nur eine von vielen Tonnen, die auf einem Parkplatz standen und die mit vertraulichen Dokumenten gefüllt waren.

Whistleblower entdeckt vertrauliche Dokumente

 

Anfang März hatte sich ein anonymer Informant beim kanadischen Radiosender News1130 gemeldet und von insgesamt 44 Müllcontainern berichtet, die der Firma ShredWise gehörten und die öffentlich zugänglich waren. In 17 der Container befanden sich vertrauliche Dokumente, wie Ausweiskopien, nicht eingelöste Schecks und Kreditkarteninformationen. Ebenso wie die Spielkarten des Grand Villa Casinos waren auch diese Dokumente nicht wie vorgesehen unbrauchbar gemacht worden.

 

Besonders brisant waren zudem die medizinischen Befunde, die unter den Dokumenten gefunden wurden. Zu diesen gehörten nach Aussagen des Informanten Bluttests, aber auch Krebsdiagnosen und positive HIV-Resultate. Das Unternehmen ShredWise muss sich nun einer Untersuchung durch die National Association for Information Destruction (NAID), eines Verbandes für die gesicherte Informationszerstörung, unterziehen.

Die British Colombia Lottery Corporation (BCLC) [Seite auf Englisch] leitete sofort nach der Entdeckung der Spielkarten eine Untersuchung ein. Das Grand Villa Casino, das zur Gateway Casinos and Entertainment Ltd. gehört, zeigte sich besorgt:

„Wir haben den Vorfall, den Sie uns gemeldet haben, näher untersucht und bestätigen, dass es sich um den Fehler eines Drittanbieters handelt, der die Bedingungen seiner Vereinbarung mit uns nicht eingehalten hat. Dies beunruhigt uns und wir haben schnelle und angemessene Maßnahmen ergriffen, damit dies nicht noch einmal geschieht.“

Wie das Casino versicherte, hätte das Sicherheitspersonal gesehen, dass die betreffenden Spielkarten in einen Schredder der Firma ShredWise geladen wurden. Nach Aussagen der Entsorgungsfirma war die Maschine jedoch defekt und die Karten landeten vollkommen intakt im Müllcontainer.

 

Das Casino hat den bestehenden Vertrag mit dem Entsorgungsunternehmen sofort gekündigt. Um zu verhindern, dass die alten Karten durch die Hände von Betrügern wieder an die Kartentische gelangen, wurden zudem alle Karten der Spielhalle durch neue Kartenserien ersetzt.

 

Die BCLC hat alle Casinos der Provinz British Columbia angewiesen, keine externen Dienstleister mehr in Anspruch zu nehmen, sondern die Karten selbst zu verbrennen oder mit einem Locher unbrauchbar zu machen.

 

As im Ärmel

Das berühmte As im Ärmel ist nur eine der beliebten Maschen von Betrügern. (Bild: Pixabay)

Der Betrug mit Spielkarten

 

Spielkarten werden von Betrügern gezinkt, seit es sie gibt. Früher wurden die Karten mit unauffälligen Zeichen wie Bleistiftmarkierungen oder kleinen Nadeleinstichen kenntlich gemacht. Eine der gängigsten Methoden – die auch mit dem Zerstören von alten Karten verhindert werden soll – war und ist das Ersetzen der Spielkarten durch eine andere.

 

Dafür gibt es sogar spezielle Halterungen, die Betrüger unter dem Ärmel verstecken. Mit der Zeit hat jedoch auch der Fortschritt vor den Betrügern nicht Halt gemacht und die Sicherheitsmaßnahmen werden immer ausgeklügelter.

Das Edge Sorting – eine Methode des Vorteilsspiels

 

Im Jahr 2012 hat Pokerstar Phil Ivey mit dem „Edge Sorting“ in den Medien für Aufmerksamkeit gesorgt. Er hatte mit der Methode fast 20 Millionen US-Dollar erspielt. Die Casinos warfen ihm Betrug vor. Beim Edge Sorting identifiziert der Spieler ihm nützliche Karten, indem er subtile Differenzen im Muster auf dem Kartenrücken erkennt und diese dementsprechend sortiert. Dafür bedarf es allerdings eines enorm scharfen Blickes, denn die Unterschiede sind meistens weniger als einen Millimeter groß.

 

Phil Ivey argumentierte, dass die Technik vollkommen legal sei. Schlussendlich wurde er jedoch vom Gericht zur Rückzahlung des Gewinns verurteilt. Zwar handele es sich beim Edge Sorting nicht um Betrug, nach richterlicher Meinung breche der Spieler damit aber den Vertrag mit dem Casino und habe demnach kein Anrecht auf die Gewinne.

Nicht ihre Geschicklichkeit, sondern vielmehr die Chemie nutzen Betrüger in Berlin, denen die Ermittler Ende 2017 auf die Spur gekommen sind. Sie hatten Karten mit einer radioaktiven Substanz markiert. Die mit Jod-125 gezinkten Karten sendeten eine Strahlung aus, die Betrüger mit einem versteckten Detektor empfangen konnten.

 

So einfallsreich die Betrüger mitunter auch sein mögen, die Sicherheitsvorkehrungen in den Spielhallen sind meistens so ausgefeilt, dass es nur den wenigsten gelingt es, beim Betrügen unentdeckt zu bleiben. Neben speziell ausgebildetem Personal verfügen viele Casinos über technisches Equipment, das Betrügern schnell auf die Spur kommt.