, 27.07.2020

In der vergangenen Woche hat Spaniens Verbraucherschutzminister Alberto Garzón angekündigt, das beabsichtigte Werbeverbot für Online-Glücksspiele könne schon im Oktober in Kraft treten. Nun erklärte er in einem Radiointerview, nicht nur gegen die Glücksspielwerbung, sondern auch gegen Wettbüros schärfer vorgehen zu wollen.

 

Im Interview mit dem spanischen Radiosender Radio Nacional de España [Seite auf Spanisch] erklärte Garzón am vergangenen Freitag, mit den strikten Restriktionen der Online-Glücksspiel-Werbung dem bisherigen „Gesetz des Dschungels“ endlich einen Riegel vorzuschieben.

 

Schärfere Restriktionen für Wettbüros in ganz Spanien geplant

 

Ziel des Werbeverbots sei es, besonders gefährdete Menschen und Minderjährige vor Glücksspielsucht und deren sozialen und ökonomischen Folgen zu schützen.

 

Besonders der ärmere Teil der spanischen Bevölkerung sei jedoch nicht nur durch das Online-Glücksspiel, sondern vorrangig durch das landbasierte Glücksspiel gefährdet:

„Oft sind es viele Familien, vor allem jene in den ärmeren Vierteln, in den Vierteln der Arbeiterklasse, die durch die Probleme zerstört werden, die sich aus dem zwanghaften Wetten ergeben.“

Wetten versprächen diesen Familien eine unmittelbare Lösung für ihre viel tiefer liegenden ökonomischen Probleme. Dagegen wolle die Regierung nun vorgehen. Allerdings würden die landbasierten Wettbüros nicht in den Zuständigkeitsbereich der Regierung, sondern in den der autonomen Gemeinschaften fallen.

Für die Regulierung des landbasierten Glücksspiels sind in Spanien die Regierungen der einzelnen autonomen Gemeinschaften zuständig. Die Lizenzierung des privaten Online-Glücksspiels dagegen fällt in den Zuständigkeitsbereich der Zentralregierung. Das Angebot von Lotterien ist der öffentlichen Lotteriegesellschaft SELAE (SELAE (Loterías y Apuestas del Estado) sowie der spanischen Blindenorganisation ONCE vorbehalten.

In vielen autonomen Gemeinschaften sei die bestehende Regulierung des landbasierten Glücksspiels seiner Ansicht nach jedoch nicht ausreichend. Vielerorts gäbe es keine Zutrittskontrollen und Jugendlichen würden in den Wettbüros preiswertere Getränke als andernorts geboten. Hier würden sie dementsprechend ein sehr risikobehaftetes Freizeitverhalten entwickeln.

 

Um welche autonomen Gemeinschaften es sich genau handele und worauf sich die Annahme stützt, dass es keine ausreichenden Zutrittskontrollen gäbe, nannte er nicht. Erst Ende 2019 hatte eine Razzia in mehr als 1.800 Wettbüros und Spielhallen in ganz Spanien gezeigt, dass der Jugendschutz von den Betreibern sehr ernst genommen wird.

 

Insgesamt, so hatten die Kontrollen gezeigt, hatten sich 28 Jugendliche unbefugten Zutritt zu den Wettbüros verschafft. Die Branche hatte daraufhin vermeldet, es gebe eine klare Dissonanz zwischen dem Vorgehen der Politik und der wahren sozialen Dimension.

 

Garzón bestätigte nun, dass Treffen mit den Lokalregierungen geplant seien, um das Problem „gemeinsam anzugehen“.