, 16.10.2018

Spaniens Glücksspiel-Anbietern könnten härtere Zeiten bevorstehen. Berichten zufolge plant die Regierung ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Beschränkung der Glücksspielwerbung. Dieses soll vergleichbar mit den einschneidenden Werbeverboten für die Tabakindustrie werden.

 

Wie spanische Zeitungen berichten, hat sich Premierminister Pedro Sánchez von den regierenden Sozialdemokraten bei Verhandlungen mit der linken Podemos-Partei auf die Einführung der Beschränkungen im nächsten Jahr geeinigt. Sánchez führt in Spanien zurzeit eine Minderheitsregierung und ist deshalb im Parlament auf die Kooperation mit einer anderen Partei angewiesen.

 

Politiker von Podemos treten vehement für eine Verschärfung der Werberichtlinien für das Glücksspiel ein, weshalb die Gespräche darüber ein wichtiger Bestandteil der Verhandlungen für einen Regierungshaushalt im kommenden Jahr sind.

 

Glücksspielwerbung wird der Tabakwerbung gleichgesetzt

Der Vereinbarung zufolge soll die Glücksspiel-Branche in Bezug auf die Werberichtlinien künftig behandelt werden, wie die Verkäufer von Tabakprodukten, deren Werbemöglichkeiten bereits seit vielen Jahren stark eingeschränkt sind.

 

Wie in anderen EU-Staaten ist der Tabakindustrie jegliche Werbung im Fernsehen verboten. Seit 2005 sind zudem bis auf einige Ausnahmen Anzeigen in Zeitschriften und Zeitungen nicht erlaubt, während Werbung auf Plakaten und in Kino-Spots nur mit Einschränkungen zulässig ist.

 

Wenn 2019 vergleichbare Restriktionen für die Glücksspiel-Unternehmen eingeführt würden, wären Werbemaßnahmen mit einem Umsatzvolumen von etwa 143 Millionen Euro betroffen. In dieser Höhe bewegen sich die Ausgaben von Spaniens lizensierten Buchmachern für TV-Spots, Anzeigen und Co.

 

Die hohen Ausgaben der Branche sind ein wichtiger Grund für den Plan der Regierung, die der Zunahme der Glücksspielwerbung einen Riegel vorschieben möchte, insbesondere der Werbung für Live-Wetten während Sportübertragungen im TV. So heißt es in der Gesetzesinitiative:

Fernsehübertragungen von Sportereignissen wie Fußball- oder Basketballspielen werden immer stärker mit Werbung für Live-Wetten geflutet. Auf diese Weise wird eine solche (Glücksspiel) Aktivität einem großen Personenkreis, inklusive Minderjährigen, verfügbar gemacht, was zu ernsten Problemen wie Abhängigkeit und Spielsucht führen kann.

Neben den Werbebeschränkungen sollen die Anstrengungen für ein verantwortungsvolles Spiel intensiviert werden, mit denen die Anbieter ihre Kunden besser über ihr Spielverhalten aufklären müssen. So sollen sie künftig schneller erkennen, wenn für sie aufgrund ihres Spielverhaltens die Gefahr einer Spielsucht besteht.

 

Dazu ist geplant, einen gewissen Prozentteil der Einnahmen von Online Casinos dafür zu verwenden, “die negativen Auswirkungen von Glücksspiel-Aktivitäten zu behandeln und lindern.”

Proteste vom Glücksspielverband
Die Formel Glücksspiel=Tabak stößt beim spanischen Glücksspielverband auf heftige Kritik. Dessen Präsident Mikel López de Torre sagte der spanischen Tageszeitung La Vanguardia, dass die geplanten Werbeverbote lediglich den illegalen Markt stützen würden, da die Werbung für lizensierte Anbieter der einzige Weg sei, sich von der nicht lizensierten Onlinekonkurrenz abzuheben. Zudem wurden Forderungen laut, dass die Verbote auch für die staatlichen Lotteriegesellschaften gelten sollten.

Die Pläne der Koalition in Madrid decken sich mit einer Initiative der Regierung von Katalonien, die ein Verbot der TV-Werbung für Sportwetten in der Zeit von 6 bis 10 Uhr morgens vorsieht. Zu dieser Zeit besteht ein Großteil der Zuschauer aus Minderjährigen.

 

Italien als Vorbild für das Werbeverbot

Casino di Campione

Casinos dürfen in Italien kaum noch werben (Bild: Wikipedia)

Spanien ist in Europa nicht der einzige Staat, der eine Verschärfung der Werberichtlinien für die Glücksspiel-Branche vorantreibt. Auch in Skandinavien und Großbritannien werden ähnliche Maßnahmen diskutiert.

 

Einen Schritt weiter ist Italien, wo die neugewählte Regierung im letzten August ein einschneidendes Werbeverbot für das Glücksspiel beschloss: Als erstes Land der EU verbietet Italien Glücksspiel-Anbietern jegliche Werbung im Fernsehen und Radio. Darüber hinaus dürfen die Buchmacher keine Sportveranstaltungen mehr sponsern. Besonders Letzteres hat für große Unruhe bei den Fußballclubs gesorgt, für die Firmen wie bwin, Tipico oder Betwin in den letzten Jahren zu wichtigen Geldgebern geworden sind.

 

Mit den Maßnahmen will die Regierungskoalition die auch in Italien grassierende Glücksspielsucht wirksamer bekämpfen. Kritiker bemängeln jedoch auch hier, dass von derlei Verboten lediglich die illegalen Anbieter von Glücksspiel profitieren würden, da die legalen Unternehmen an Werbebekanntheit einbüßen.

 

Gegenteilige Wirkung von Werbebeschränkungen in Australien

Dass Werbebeschränkungen für Glücksspiel-Unternehmen manchmal auch gegenteilige Effekte haben können, zeigt das Beispiel Australien. Im März 2018 hatte der Gesetzgeber des glücksspielverrückten Landes dafür gesorgt, dass die Ausstrahlung von Werbespots stark reglementiert wird.

 

Seitdem dürfen Buchmacher und andere Glücksspiel-Anbieter rund um die Übertragung von Sportereignissen ab kurz vor Beginn bis kurz nach Beendigung des Events keine Werbung im Fernsehen schalten. Zudem wurden sämtliche werblichen TV-Aktivitäten zwischen 5 Uhr morgens und 20.30 am Abend verboten. Durch diese Maßnahmen sollen insbesondere die jüngeren Zuschauer vor der Werbung geschützt werden.

 

Trotzdem sind die Werbeausgaben der Glücksspiel-Industrie in Australien seit Einführung der strengen Richtlinien um 26 % gestiegen. Grund dafür ist die Zunahme von Anzeigen in Zeitungen, die um 121 % anwuchs. Auch Plakatwerbung und Kino-Werbespots nahmen um 84 % und 60 % zu.

 

Die Anbieter von Glücksspiel aller Art zeigen sich somit äußerst kreativ, wenn es darum geht, ihre Werbeaktivitäten trotz zunehmender Regulierung aufrechtzuerhalten oder gar zu steigern. Die Zukunft wird zeigen, ob die Branche in Spanien ähnlich reagiert.