, 31.05.2018

Die spanische Enklave Ceuta in Nordafrika

Die spanische Enklave Ceuta in Nordafrika will Gibraltar Konkurrenz machen. (Bild: rtve.es)

Die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla wollen es Gibraltar gleichtun und zum neuen Epizentrum für Online Glücksspiel werden. Die beiden Städte liegen an der Küste Marokkos in Nordafrika, unweit von Gibraltar. Beide Gemeinden vereinen rund 85.000 Einwohner auf ihrem Gebiet und gehören verwaltungstechnisch zu Spanien und der EU.

 

Die seit dem Brexit unsichere Rechtslage in dem britischen Überseegebiet Gibraltar will Spanien sich dabei zunutze machen, um Glücksspielunternehmen ins eigene Staatsgebiet abzuwerben.

 

Brexit könnte Spanien zugutekommen

Lage von Ceuta und Melilla

Lage von Ceuta und Melilla (Bild: bento.de)

Der bevorstehende Brexit stellt ein großes Problem für den Fortbestand des ansonsten florierenden Marktes für Online Glücksspiel in Gibraltar dar. Obwohl Großbritannien seinem Überseegebiet zugesichert hat, zunächst bis 2020 weiterhin wie gewohnt und unter den gleichen Voraussetzungen und Vergünstigungen am europäischen Binnenmarkt teilhaben zu können, ist die Rechtslage und vor allem der Status Gibraltars nach dem Brexit ungewiss.

 

So werden mit dem Austritt aus der EU zum Beispiel wieder Grenzkontrollen zwischen Spanien und Gibraltar nötig, was zu einem Problem für die vielen aus Spanien pendelnden Angestellten werden könnte. Die Territorialstreitigkeiten von Großbritannien und Spanien um Gibraltar dürften dadurch erneut befeuert werden.

 

Online Anbieter schielen nach Malta

Die ansässigen Unternehmen auf Gibraltar wollen sich nicht komplett darauf verlassen, dass Großbritannien Wort halten kann und sehen sich bereits nach Alternativen um.

 

So wurde vergangene Woche bekannt, dass der Glücksspielriese bet365 seine Präsenz auf der Mittelmeerinsel Malta ausbauen will. Zwar wolle man die Beziehung und Niederlassung in Gibraltar auch weiterhin aufrecht und stabil erhalten, doch aufgrund der unsicheren Gesetzeslage auch in Malta investieren.

 

Neben bet365 sind weitere große Namen wie William Hill, Lottoland, Ladbrokes Coral und GVC in Gibraltar ansässig. Zusammen mit Malta verfügt Gibraltar über einige der glücksspielfreundlichsten Gesetze Europas.

 

Steuersatz von lediglich 10 % Steuern für Glücksspielanbieter in Ceuta und Melilla

Ein Grund für die Popularität Gibraltars unter Glücksspielfirmen und Buchmachern ist die niedrige Steuerbelastung in der Enklave. Die spanische Regierung hat dementsprechend bereits angekündigt, den Steuersatz für Glücksspielunternehmen, die ihren Betrieb nach Ceuta oder Melilla verlegen, auf 10 % zu senken.

 

Dies entspricht dem Satz in Gibraltar, gilt jedoch in dieser Form nur für den Bereich des Online Glücksspiels. Besteuert wird der sogenannte Bruttospielertrag (engl.: GGR), sprich die platzierten Einsätze minus ausgezahlter Gewinne. Im Rest des spanischen Staatsgebiets gilt indes noch eine Besteuerung von 25 %. Diese soll jedoch zusammen mit den Neuregelungen für Ceuta und Melilla auf 20 % reduziert werden soll.

 

Für landbasierte Anbieter soll der Steuersatz ebenfalls gesenkt werden. Auch sie sollen schon bald von lediglich 10 % Steuerbelastung profitieren. Dies entspricht einer Reduzierung von 50 % im Vergleich zum gegenwärtig geltenden Satz. Gelten soll die Neuerung für alle Anbieter mit Spielgeräten eines bestimmten Typs sowie für Produkte im Bereich Bingo und Tischspielen. Ein Inkrafttreten der neuen Regelungen ist für den 1. Juli angesetzt.