Donnerstag, 06. Oktober 2022

Spaniens Spieler­schützer warnen vor Lootboxen als Vorläufer der Spielsucht bei Jugendlichen

Kind mit Konsole beim Gaming

In Spanien stehen Lootboxen derzeit massiv in der Kritik. Nun warnen Spielsuchtverbände davor, dass sie ebenso wie weitere Zahlfunktionen in Videospielen bei Jugendlichen zu Vorläufern einer Spielsucht werden könnten. Dies meldete die spanische Zeitung El Diario [Link auf Spanisch] am gestrigen Dienstag.

Die Spielerschutzorganisationen Antox, Aralar und Proyecto Hombre hätten ihre Bedenken diesbezüglich am Dienstag vor dem Parlament der autonomen Gemeinschaft Navarra vorgetragen. Blanca Martínez von der Organisation Antox warnte dabei davor, dass derartige Bezahlfunktionen in Games von immer jüngeren Spielern genutzt würden, zum Teil bereits von Zwölfjährigen.

In vielen Ländern wächst die Kritik an den Lootboxen in Computerspielen. Spielerschützer fordern zunehmend, sie als Glücksspiel einzustufen und dementsprechend zu regulieren. Das spanische Verbraucherschutzministerium kündigte Anfang November an, Lootboxen künftig dann als Glücksspiel einzustufen, wenn Spieler sie mit realer Währung erwerben könnten und die in den Lootboxen enthaltenen Items einen ökonomischen Wert hätten.

Die Glückspielbehörde Großbritanniens hatte bereits im Jahr 2019 darauf hingewiesen, dass der Einstufung der Lootboxen als Glücksspiel entgegenstehe, dass die Objekte in den Boxen sich nicht monetarisieren lassen.

Laut Garikoitz Meindiutxia von der Organisation Proyecto Hombre seien dementsprechend Maßnahmen erforderlich, die einer Normalisierung des Glücksspiels unter Minderjährigen generell entgegenwirken.

Forderungen nach Werbebeschränkungen und Mindestabständen

Untersuchungen im Rahmen des Projektes „Prevención de Azar en la Juventud“ (dt.: Prävention des Glücksspiels in der Jugend) hätten gezeigt, dass sich die Anzahl an Spielhallen allein in der autonomen Gemeinschaft Navarra seit dem Jahr 2010 verdoppelt hätte.

Zugleich hätten die Analysen ergeben, dass das Durchschnittsalter beim Einstieg in das Glücksspiel derzeit bei 16,5 Jahren liege. Von 2.812 im vergangenen Jahr befragten Personen hätten 15 % der Männer angegeben, am Glücksspiel teilgenommen zu haben. Nur 3 % der befragten Frauen hätten dies für sich erklärt.

Unter jenen, die Glücksspiele spielten, hätten 1,9 % von einem pathologischen Spielverhalten berichtet. Blanca Martínez warnte:

Hinter diesem Prozentsatz stecken Personen und Familien, die ein großes soziales Drama erleben.

Kinder, die in Familien aufwachsen, in denen Spielsucht ein Thema spiele, seien besonders stark von Problemen in der Schule betroffen. Sie müssten öfter die Schulklasse wiederholen und bei ihnen sei das Risiko höher, Drogen zu konsumieren.

Die Spielerschutzorganisationen fordern daher nicht nur, glücksspielähnliche Elemente in Videospielen in den Fokus zu rücken. Sie verlangen auch eine Reduktion der Mindestabstände zwischen Spielhallen und Werbebeschränkungen für terrestrische Glücksspiel-Anbieter.