Montag, 16. Mai 2022

Spielmanipulation im Tennis: Spanische Profis zu Haftstrafen verurteilt

Tennisspieler hinter Netz Vier Tennisspieler wurden in Madrid wegen Spielmanipulation zu Haftstrafen verurteilt (Quelle: unsplash.com/John Fornander)

In dieser Woche verhängte der Nationale Gerichtshof von Spanien Haftstrafen gegen 14 Angeklagte aus dem Tennisbereich. Ermittlungen von EUROPOL und der Guardia Civil hatten ergeben, dass die Männer Teil eines Netzwerks waren, das auf und neben dem Platz Spiele manipulierte, um so Wettbetrug zu begehen.

Unter den Verurteilten befinden sich auch vier Tennisprofis. Marc Fornell, einst Nummer 236 der ATP-Rangliste, gilt als einer der Drahtzieher des Komplotts.

EUROPOL gegen Wettbetrug

Im Januar 2019 nahm die Guardia Civil im Rahmen von Ermittlungen zum Match Fixing im Tennis 15 Personen fest. Insgesamt betraf die Operación Bitures 83 Verdächtige, bei 28 von ihnen handelte es sich um professionelle Spieler.

Die Ermittlungen im spanischen Tennis waren 2017 von EUROPOL und der Guardia Civil aufgenommen worden.

Anlass waren Hinweise der International Tennis Integrity Agency ITIA (damals Tennis Integrity Unit (TIU)). Die Integritätsstelle des internationalen Tennis hatte verdächtige Aktivitäten bei der ITF Future und ATP Challenger Tour registriert.

Bei den folgenden Razzien beschlagnahmten Fahnder in Spanien 167.000 EUR an Bargeld, eine Schusswaffe, Dutzende Handys und Computer sowie fünf Luxusfahrzeuge. Zudem wurden 42 Konten von Verdächtigen eingefroren.

Nun mussten sich 14 der Beschuldigten vor der Audiencia Nacional in Madrid verantworten. Wie die Tageszeitung El País berichtet [Seite auf Spanisch], sei bei dem Termin eine schnelle Einigung erzielt worden.

So habe die Staatsanwaltschaft zwar ursprünglich eine Haftstrafe von acht Jahren für jeden der Angeklagten gefordert, sich jedoch letztlich auf ein Strafmaß von je zwei Jahren eingelassen. Zudem blieben die Match Fixer von der Haft verschont, wenn sie keine Vorstrafen aufwiesen.

Spielmanipulation auf eigene Rechnung

Als Kopf des Betrugsnetzwerks hatten die Ermittler den heute 40-jährigen Spanier Marc Fornell ausgemacht. Der ATP-Spieler war aufgrund des Manipulationsverdachts bereits 2018 provisorisch von der ITIA auf unbestimmte Zeit gesperrt worden [Seite auf Englisch].

Ebenfalls in dieser Woche gab die ITIA bekannt, den spanischen Tennisspieler Fernando Bogajo Fernández wegen Spielmanipulation im Jahr 2018 mit einer Sperre von einem Jahr und zehn Monaten belegt zu haben.

Da der geständige Spanier bereits seit Dezember 2019 einer provisorischen Sperre unterlegen habe, sei die Sanktion bereits abgegolten. Weiterhin verhängte die Aufsicht eine Geldstrafe von 8.000 EUR gegen den Sportler, von der 5.000 zur Bewährung ausgesetzt sind.

Der Mann aus Barcelona soll zunächst in Eigenregie begonnen haben, Spiele zu manipulieren. Hierbei sei er entweder selbst auf dem Platz aktiv geworden oder habe über Mittelsmänner Einfluss auf andere Spieler genommen, die er laut Anklage habe „beeinflussen“ können.

Überzeugende Argumente am Spielfeldrand

Nach einiger Zeit habe Fornell seine Strategie geändert und sich einer kriminellen Organisation aus Armenien angeschlossen. Anstatt selbst am Spielstand zu drehen, sei er nun als „Vermittler“ aufgetreten. So habe er unter Führung des Netzwerks Kontakt zu Spielern aufgenommen, um sie zu zum Betrug zu bewegen.

Zugutegekommen sei dem Sportler laut Anklage, dass er selbst Teil der sportlichen Szene gewesen sei:

Er nutzte sein umfangreiches Wissen in der Welt des Tennis, motiviert durch seine lange sportliche Karriere, und hatte die Fähigkeit, mit anderen Tennisspielern zu interagieren und Vertrauen zu schaffen (…) F. verfügte zudem über eine große Kenntnis des Wettgeschäfts und wettete über Mittelsmänner, um die Aufdeckung seiner Beteiligung und entsprechende Sanktionen zu vermeiden.

Bei den Turnieren seien dann die Armenier Armen M. und Artur A. aufgetaucht, um sicherzustellen, dass sich die fraglichen Spieler an die zuvor getroffenen Vereinbarungen hielten. Besonderen Nachdruck, so die Staatsanwaltschaft, hätten die Männer ihren Anliegen durch „ihre imposante Körperfülle“ verliehen.

Den Schaden der Taten bezifferten die Strafverfolger auf mehrere Zehntausend Euro. Vor Gericht hatten sich alle Angeklagten der Vorwürfe schuldig bekannt. Auf Nachfrage des Gerichts erklärten sie sich zudem einverstanden mit der verhängten Haftstrafe.