, 17.04.2021

Die britische Wohltätigkeitsorganisation GambleAware hat am Mittwoch ihre jüngste Spender-Liste veröffentlicht. Wie in jedem Jahr befinden sich auf der Liste auch zahlreiche Glücksspiel-Anbieter. Wie die britische Zeitung The Guardian heute berichtet [Seite auf Englisch], seien einige der Spenden jedoch nichts anderes als eine Beleidigung für den Spielerschutz.

 

Millionen für Sponsoring und Kleingeld für Spielerschutz

Kritik übt die Zeitung vor allem an all jenen Glücksspiel-Anbietern, die in Großbritannien Millionen in Sponsoring-Partnerschaften mit Fußball-Clubs investieren. Dazu zähle beispielsweise das auf der Isle of Man ansässige Unternehmen TGP Europe.

 

Das Unternehmen betreibt in Großbritannien über eine sogenannte White Label-Lizenz die Marken SBOTOP, Sportsbet.io und Fun88. Mit diesen Marken sponsert TGP Europe die Premier League Vereine Leeds United, Southampton und Newcastle United. Die Verträge werden auf je 5 Mio. GBP geschätzt. Für GambleAware hatte der Anbieter jedoch lediglich 5.000 GBP übrig.

Zu den Top-Spendern zählten aus dem Bereich Glücksspiel auch in diesem Jahr die Konzerne Flutter Entertainment (9,324 Mio. GBP), Entain (4,315 Mio. GBP), William Hill (1,4 Mio. GBP), Bet365 (763.000 GBP) Gamesys Ltd. (450.000 GBP) und der aktuelle Betreiber der britischen Nationallotterie, Camelot (425.000 GBP). Weitere Spenden im sechststelligen Bereich kamen von Tombola International (238.144 GBP), Rank Group (196.214 GBP), Betway (134.000 GBP) und Buzz Group Ltd. (112.680 GBP).

Andere Anbieter bewegten sich in ähnlich niedrigem Rahmen. Das auf Malta ansässige Unternehmen Vivaro, Betreiber der Marken ManBetX und LoveBet und Sponsor von den Wolverhampton Wanderers und Burnley, soll 10.000 GBP an GambleAware gespendet haben. Die Sponsoring-Deals hingegen seien ebenfalls Millionen wert.

 

Den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen habe jedoch der Glücksspiel-Anbieter W88, seit August 2020 Sponsor des Premier League Clubs Crystal Palace. Während die genaue Höhe der Sponsoring-Summe nicht offiziell bekannt ist, dürfte auch dieser Deal Medienberichten zufolge mehrere Millionen gekostet haben. An GambleAware spendete W88 lediglich 250 GBP.

 

Verpflichtende Abgaben notwendig

Im Rahmen der anstehenden Glücksspiel-Reform könnte sich dieses Missverhältnis jedoch bald ändern. So diskutiert die britische Regierung sowohl die Einführung eines Sponsoring-Verbots als auch einer verpflichtenden Abgabe für alle Glücksspielfirmen. Aktuell wird von den Casino- und Sportwetten-Betreibern lediglich eine „freiwillige Abgabe“ von 1 % ihres Bruttoumsatzes gefordert.

 

Nach Ansicht von James Grimes, dem Vorsitzenden der Spielerschutzorganisation The Big Step, bestehe hier dringender Handlungsbedarf. Gegenüber The Guardian sagt er:

Die Beträge, die diese Firmen gespendet haben, um die Schäden, die sie selbst verursacht haben, auszugleichen, ist eine Beleidung für die Millionen von Menschen, die in Großbritannien durch das Glücksspiel geschädigt werden. Viele dieser Menschen werden Fans der gesponserten Fußballclubs sein. Es ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Branche das Privileg des Fußball-Sponsorings nicht erlaubt sein sollte.

Ebenso wenig sollten die Glücksspielfirmen selbst entscheiden, wie viel von ihren Einnahmen sie an Spielsuchthilfen spendeten, so Grimes weiter. Ob das Fußball-Sponsoring und die freiwilligen Spenden schon bald der Vergangenheit angehören könnten, bleibt jedoch abzuwarten.