Donnerstag, 11. August 2022

Deutsches Spielerschutz-Bündnis fordert Ende der Sport­wetten-Werbung

Twitter-Post Bündnis gegen Sportwetten-Werbung Die Gegner der Sportwetten-Werbung fordern mehr Spielerschutz (Bild: buendnis-gegen-sportwettenwerbung.de)

In diesen Tagen beginnt im deutschen Fußball die neue Saison. Pünktlich zum Start der 1. Bundesliga am kommenden Wochenende ist das Bündnis gegen Sportwetten-Werbung (BgSwW) mit dem Launch seiner neuen Webseite www.bgsww.de an die Öffentlichkeit getreten. Das Spielerschutz-Bündnis kritisiert darin die große öffentliche Verbreitung der Werbung von Sportwetten-Unternehmen.

Übermäßige Sportwetten-Werbung

Nach Ansicht des BgSwW hätten die Saisonstarts in der 2. Bundesliga und der 3. Liga sowie die DFB-Pokalspiele einen „Vorgeschmack auf die übermäßige Werbung von Sportwetten-Anbietern“ gegeben, welche sich ihrer Meinung nach zum Bundesligastart noch verstärken dürfte.

Ilona Füchtenschnieder vom Fachverband Glücksspielsucht erklärte zur Begründung:

Sportwetten-Werbung hat die Funktion, das gefährliche Produkt zu verharmlosen und als normale Freizeitbeschäftigung darzustellen, die zum Alltag dazugehört. Dieser Etikettenschwindel muss rasch beendet werden. Das Bündnis gegen Sportwetten-Werbung findet hoffentlich noch viele weitere Mitstreiter. Nur gemeinsam können wir es schaffen, den aktuellen Werbeirrsinn zu stoppen.

Das Bündnis setze sich eigenen Angaben zufolge für die weitestgehende Einschränkung von Sportwetten-Werbung ein. Wie in anderen europäischen Ländern müssten hierfür die nötigen politischen Entscheidungen getroffen werden.

Zugleich appelliert das BgSwW an die beteiligten Institutionen im Sport zur Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Diese müsse einhergehen mit der Stärkung von Forschung und Prävention in dem Bereich.

Dem BgSwW gehört eine Reihe von deutschen Spielerschutz-Organisationen an. Dazu zählen unter anderem der Bundesverband Selbsthilfe Glücksspielsucht und der Fachverband Glücksspielsucht, die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern sowie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Darüber hinaus sind dort Spielsucht-Experten wie Dr. Tobias Hayer oder Ilona Füchtenschnieder-Petry, die unter anderem bis Ende 2021 hauptberuflich als Leiterin der Landesfachstelle Glücksspielsucht der Suchtkooperation von NRW fungierte, vertreten.

Enger Zusammenhang von Sportwetten und Wettbetrug

Die Initiative bezieht ihre Forderung nicht nur auf den Spielerschutz. Zudem moniert sie die gefährliche Beziehung zwischen Sportwetten und möglichem Wettbetrug. Nach Ansicht von Prof. Nicolas Klein von Transparency International Deutschland bestehe durch die Wetten eine gefährliche Verbindung zu Spielmanipulationen und Korruption im Sport.

Prof. Klein erklärt in einem Statement:

Die Prävention von Glücksspielsucht und der Manipulation von Wettbewerben gehören zusammen. Die Einschränkung der Sportwetten-Werbung hilft, ehrliche Ergebnisse im Fußball zu sichern.

Gelegenheiten zur Spielmanipulation entstünden oftmals erst durch die mitunter engen Kontakte zwischen Sportlern und der Sportwetten-Szene. Hinzukomme die Erpressbarkeit von verschuldeten Spielern, die so anfällig für Manipulationsversuche und Wettbetrug seien.

Matchfixing ist mittlerweile zu einem globalen Phänomen geworden. Nicht zuletzt deshalb sehen ihn Organisationen wie die für die Integrität im Wettgeschäft zuständige International Betting Integrity Association (IBIA) als eine der größten Gefahren für den weltweiten Sport. Ob die BgSwW-Forderung nach einem Ende der Sportwetten-Werbung dazu beitragen könnte, dieses Risiko künftig zu senken, wird sich zeigen.