Donnerstag, 29. September 2022

Spielsucht halbiert? Finnlands Glücksspiel-Monopolist Veikkaus lobt eigene Maßnahmen

Online-Spielautomaten von Veikkaus Online-Slots

Laut Finnlands staatlichem Glücksspielanbieter Veikkaus hat die Spielsucht-Rate im Land ein neues Rekordtief erreicht. Grund dafür seien die im letzten Jahr eingeführten Restriktionen für Glücksspieler, meldete [Seite auf Englisch] der Konzern Mitte der Woche. Dank Verlustlimits und einer verringerten Anzahl von Spielautomaten habe sich die Zahl der Problemspieler von 1,6 % der Bevölkerung auf 0,8 % verringert.

Veikkaus sagt eigenen Spielautomaten den Kampf an

Die Zahlen seien das Ergebnis einer vom Konzern selbst durchgeführten Umfrage. Laut Veikkaus lägen diese auf einem niedrigeren Niveau als jemals zuvor. Zu verdanken sei dies den neuen Maßnahmen, welche insbesondere das Glücksspiel an Spielautomaten einschränken sollten.

So habe Veikkaus im April 2020 das Verlustlimit bei seinen Online-Spielautomaten von 2.000 Euro auf 500 Euro pro Monat herabgesetzt. Kurz darauf sei das neue Limit auch auf landbasierte Spielautomaten ausgeweitet worden. Gleichzeitig habe Veikkaus seine Kunden darin bestärkt, individuell noch niedrigere Limits zu wählen.

Die Maßnahme habe sich als erfolgreich erwiesen. So hätten in den letzten zwei Monaten 60 % mehr Spieler das Limit erreicht und entsprechend mit dem Spielen aufgehört als in den Monaten zuvor. In 80 % der Fälle hätten die Spieler dabei ein individuelles Limit von weniger als 200 Euro festgelegt.

Lauri Halkola, der Verantwortliche für das Datenmanagement bei Veikkaus, kommentiert:

Seit der Einführung verpflichtender Verlustlimits hat sich das Spielverhalten sowohl unter Männern als auch Frauen und in allen Altersgruppen merklich reduziert. Die Glücksspiel-Raten [der verschiedenen Gruppen] haben sich aneinander angeglichen. Die stärksten Reduktionen erfolgten in jenen Gruppen, die vorher am meisten spielten sowie in der ältesten Altersgruppe.

Ebenfalls zur Verringerung der Spielhäufigkeit beigetragen habe die drastische Reduktion verfügbarer Spielautomaten. Seien 2019 noch 18.500 Geräte in Betrieb gewesen, sei die Zahl 2020 auf 10.000 Automaten gesenkt worden. Auch müssten Spieler seit letztem Jahr die verpflichtende ID-Verifizierung durchführen, um die Geräte nutzen zu können.

Dass Veikkaus mit seinen Maßnahmen auch die eigenen Umsätze aus Spielautomaten geschmälert hat, scheint den Konzern nicht zu stören. So hätten die einarmigen Banditen 2019 noch 40 % der Gesamteinnahmen generiert. Den Prognosen des Anbieters zufolge dürfte sich der Anteil bis nächstes Jahr auf 20 % verringert haben.

Ein Beleg für den Erfolg des Monopols?

Doch sind die von Veikkaus präsentierten Zahlen ein Beleg dafür, dass Spielsucht durch ein Glücksspiel-Monopol effizienter bekämpft werden kann? Branchen-Experten dürften dies anzweifeln.

Erst im September widmete sich der europäische Glücksspielverband EGBA dem Glücksspielmarkt Finnlands. In einem Webinar kamen dabei fünf Experten zu Wort. Diese bemängelten vor allem die laut H2 Gambling Capital niedrige Kanalisierungsrate im Land.

So spielten tatsächlich nur 65 % der finnischen Glücksspieler beim Monopolisten Veikkaus. Der Rest weiche insbesondere auf nicht lizenzierte Online-Anbieter im Ausland aus.

Laut der EGBA liegt die Kanalisierungsrate europaweit bei durchschnittlich 75 %. Länder mit einem Multi-Lizenz-System und einem eher liberalen Glücksspielmarkt gelten dabei als am erfolgreichsten. Spitzenreiter mit einer Kanalisierungsrate von 98 % sei Großbritannien. Auf dem zweiten Platz folge Italien mit 95 %, anschließend Dänemark mit 87 %. Am schlechtesten schneide Norwegen – ebenfalls mit Glücksspiel-Monopol – mit 51 % ab.

Wie Ed Birkin von H2 Gambling Capital erklärte, werde der Schwarzmarkt in keiner finnischen Studie berücksichtigt. Inwieweit Veikkaus dies nun getan haben könnte, bleibt offen. Insgesamt malen die Zahlen von H2 Gambling Capital jedoch ein deutlich anderes Bild als die jüngsten Veikkaus-Zahlen. Welches der beiden Unternehmen näher an der finnischen Realität liegt, bleibt Spekulation.