Sonntag, 22. Mai 2022

Spielsucht-Seminar: „Wie Glück, Spiel & Sucht zusammen­hängen“

Frau im Fenster sitzend Spielsucht kann auch zur Depression führen (Bild: Pixabay)

Glücksspiel und die Gefahren einer Spielsucht sind in ein Thema, das viele Menschen bewegt. Um darüber aufzuklären, organisierte die Bayerische Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen (BAS) in Kooperation mit der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern am Donnerstag das Online-Seminar „Glücksspielsucht: Wie Glück, Spiel & Sucht zusammenhängen“.

Was ist Glücksspiel?

Einleitend erläuterte Referentin Corinna Gartner, M. Sc. Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der BAS, die Glücksspiel-Kriterien. Dabei handele es sich um Spiele, die durch Geldeinsatz, eine Gewinn- und Verlustmöglichkeit sowie den erheblichen Zufallsaspekt gekennzeichnet seien. Poker, aber auch riskante Börsengeschäfte sowie Sportwetten könnten trotz des vergleichsweise hohen Kompetenzanteils ebenfalls als Glücksspiel klassifiziert werden, da der Zufallsaspekt letztendlich überwiege.

Ähnliches gelte mittlerweile für Bereiche der Gaming-Branche. Hier enthielten Lootboxen mit ihren per Zufallsgenerator ausgewählten Inhalten ein mit dem Glücksspiel vergleichbares Element. Dieses könne bei vielen Gamern zu einem problematischem Spielverhalten führen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geht davon aus, dass in Deutschland bei 229.000 Personen (0,39 % der Bevölkerung) im Alter von 16 bis 70 Jahren ein problematisches Glücksspielverhalten vorliegt. Die Zahl der pathologischen Spieler wird von der BZgA auf weitere rund 200.000 Personen (0,34 %) geschätzt.

Gartner führte aus, woran Spielsucht zu erkennen sei. Es gebe eine Reihe von Indikatoren und Warnzeichen. Oft stehe am Anfang ein Gewinn, der positive Gefühle dem Glücksspiel gegenüber auslöse. Bei der einsetzenden Spielsucht handele es sich um eine schleichende Entwicklung. Betroffene spielten anfangs wenig, investierten mit der Zeit jedoch immer mehr Zeit und Geld.

Physische und psychische Folgen der Spielsucht

Im weiteren Verlauf nähmen finanzielle und soziale Probleme zu, da Spieler begännen, ihr Spielverhalten zu verheimlichen und verstärkt in Geldnot abrutschen. Der mit der Sucht einhergehende Kontrollverlust führe zum sozialen Rückzug. Darüber hinaus habe er weitere gravierende physische und psychische Konsequenzen.

So sei Glücksspielsucht Untersuchungen zufolge häufig mit anderen Störungen und Süchten verknüpft. Demnach klagten laut Gartner 63 % der pathologischen Spieler über psychische Verstimmungen wie beispielsweise Depressionen. Weitere 37 % berichteten von Angststörungen.

Zudem komme es öfter zum Drogenmissbrauch. So litten 78 % unter Tabakabhängigkeit, während bei 55 % Alkoholismus festgestellt worden sei. Auch andere Substanzen wie Tabletten und illegale Drogen würden von 44 % der Spielsüchtigen konsumiert. Bei Spielsüchtigen in stationärer Behandlung lägen diese Werte noch um einiges höher.

Von Glücksspielsucht überproportional betroffen seien 14- bis 30-Jährige, wobei Männer gefährdeter als Frauen seien. Während 1,7 % aller Männer mindestens einmal im Leben ein problematisches Glücksspielverhalten zeigten, liege dieser Anteil bei Frauen lediglich bei 0,2 %. Zu weiteren Risikofaktoren zählten eine niedrige Schulbildung, Arbeitslosigkeit und ein Migrationshintergrund.

Die mitunter erheblichen Folgen der Spielsucht seien mitverantwortlich dafür, dass in Studien bis zu 62 % der pathologischen Spieler erklärt hätten, mindestens einmal in ihrem Leben Suizidgedanken gehegt zu haben. Bis zu ein Viertel der Problemspieler habe zudem einen Selbstmordversuch hinter sich.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Folgen führt die Weltgesundheitsorganisation WHO problematisches und pathologisches Glücksspiel im Katalog der „International Classification of Diseases“ (ICD). Dort definiert sie dieses als „abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“.

Die Betroffenen und ihre Angehörigen seien jedoch nicht schutzlos. In Deutschland bestehe ein dichtes Netz an Hilfsangeboten, so Gartner. Neben Schuldner- und Suchtberatungsstellen, psychotherapeutische Praxen oder Suchtkliniken hob die BAS-Referentin auch das Oasis-Sperrsystem hervor. Bei diesem könnten sich Spieler effektiv für das Glücksspiel sperren lassen.

Wie bei vielen anderen Süchten sei es jedoch ein langer Prozess, um sich aus der Abhängigkeit vom Glücksspiel zu befreien.