, 16.07.2020

Die Anzahl der Spielsüchtigen in Hessen ist in den letzten Jahren dramatisch angestiegen. Wie das Regionalmagazin Hessenschau am Mittwoch berichtet hat, sähen Spielsucht-Experten den Grund für die steigenden Zahlen insbesondere im Online-Glücksspiel.

 

So habe sich die Zahl der Spielsüchtigen innerhalb von nur vier Jahren fast verdoppelt. Während die Hessische Landesstelle für Suchtfragen e.V im Jahr 2015 zirka 17.700 Betroffene registriert habe, sei die Zahl 2017 auf 24.000 und 2019 schließlich auf 31.500 Personen (0,5 % der Einwohner Hessens) angestiegen.

 

Dies sei ein alarmierender Trend, so die Spielsucht-Experten. Petra Hammer-Scheuerer, die in der Suchtberatung des Diakonischen Werks der Region Kassel arbeitet, erklärt gegenüber der Hessenschau, dass immer mehr Spielsüchtige sich dem Online-Glücksspiel zuwendeten.

Wir haben über die Jahre gemerkt, dass die Zunahme von Online-Glücksspielern einfach da ist. Und das wird sich weiter verbreiten.

Online-Casinos seien für viele Spieler attraktiver, da diese mit höheren Gewinnmöglichkeiten oder Bonusangeboten würben. Gleichzeitig sei der Zugang leichter als im landbasierten Glücksspiel.

 

Gegensätzliche Spielsucht-Erfahrungen während Corona-Krise

Die Spielsucht-Therapeutin Michaela Jung sei der Ansicht, dass die Corona-Krise und die damit einhergehenden Ausgangsperren und Schließungen das Problem teilweise nochmals verstärkt hätten.

 

Das betreffe insbesondere die Problemspieler, die vorwiegend online spielten. Von einigen dieser Patienten habe sie erfahren, dass diese in den letzten Monaten noch mehr in Online-Casinos gespielt und dort größere Geldsummen gesetzt hätten als vor dem Lockdown.

 

Für Patienten, deren exzessives Glücksspiel hingegen sonst im landbasierten Sektor stattgefunden habe, hätten die Schließungen der Spielstätten einen positiven Effekt gehabt. Sie hätten die Situation sogar als entlastend beschrieben.

 

Wird die Legalisierung des Online-Glücksspiels den Trend bremsen?

Das Problem der Spielsucht betrifft somit sowohl das Online-Glücksspiel als auch den landbasierten Sektor. Da das Glücksspiel im Internet bislang in Deutschland jedoch beinahe flächendeckend verboten ist, stellt sich die Frage, inwieweit die geplante Legalisierung von Online-Casinos die Entwicklungen beeinflussen wird.

Laut den jüngsten Erhebungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wiesen derzeit 241.000 Menschen in Deutschland problematisches Spielverhalten auf. Weitere 215.000 Menschen fielen in die Kategorie der pathologischen Glücksspieler.

Ein direkter Vergleich zwischen Hessen und Schleswig-Holstein, dem einzigen Bundesland, in dem das Online-Glücksspiel derzeit legal ist, zeigt Folgendes:

 

Laut der Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein litten 2018 knapp 15.000 Menschen im nördlichsten Bundesland an Spielsucht. Bei einer Einwohnerzahl von 2,9 Millionen entspräche dies, ebenso wie in Hessen, 0,5 % der Bevölkerung.

 

Der geplante Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag sieht jedoch deutlich strengere Regeln und Limits vor als das geltende Glücksspielgesetz Schleswig-Holsteins. Es bleibt somit abzuwarten, welche langfristigen Auswirkungen das neue Gesetz auf die bundesweiten Zahlen Spielsüchtiger haben könnte.

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