, 17.10.2021

Laut dem ab kommenden Januar geltenden medizinischen Klassifikationssystem ICD-11 der WHO gelten künftig auch Glückspielsucht und Computerspielsucht als diagnostizierbare Verhaltensstörungen. Noch fehlen jedoch viele Erkenntnisse in diesem verhältnismäßig jungen Feld, insbesondere in Bezug auf online-basierte Suchterkrankungen. Eine Forschungsgruppe der Universität Bamberg beschäftigt sich nun eingehend mit den Internetnutzungsstörungen Online-Shopping und Online-Gaming. Für ihre Studie suchen die Wissenschaftler Probanden, bei denen sich eine riskante Nutzung in diesen Bereichen entwickelt hat.

 

Konditionierung im Internet?

 

Lange galt vor allem der zwanghafte Missbrauch von Substanzen als Sucht. Mittlerweile ist klar, dass auch stoffungebundene Verhaltensstörungen als Abhängigkeitserkrankungen klassifiziert werden müssen.

 

Dies berücksichtigt auch die auch die ICD-11 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems), in die nach langer Kontroverse erstmals die Video- und Onlinespielsucht als „Gaming Disorder“ aufgenommen wurde.

 

Gemeinsam widmen sich Wissenschaftler der Universität Bamberg und der Medizinischen Hochschule Hannover nun der weiteren Erforschung von Internetnutzungstörungen. Im Fokus, so die Verantwortlichen, stehe die Frage nach möglichen Konditionierungsprozessen beim Online-Gaming und -Shopping.

Das Bamberger Projekt ist Teil einer transnationalen Forschungsgruppe, die sich an sieben deutschen Standorten mit den kognitiven und affektiven Mechanismen bei Internetnutzungsstörungen beschäftigen. Neben Computerspiel- und Shoppingverhalten werden auch die Nutzung von Pornographie und Social Media untersucht.

Hilfe für Betroffene

 

In der Studie solle untersucht werden, wie sich der Übergang von zielgerichtetem zu automatisiertem Verhalten bei der Nutzung der Angebote darstelle. Mit Blick auf die Pawlowschen Erkenntnisse zur Konditionierung gehe man davon aus, dass auch bei der Entstehung von Computerspiel- und Kaufverhaltensstörungen Mechanismen griffen, die die Motivation der Betroffenen verstärkten und so ein „belohnungsassoziiertes Verhalten“ aktivierten.

 

Zum Ziel ihrer Erhebung erläutern die Forscher:

Durch die Prüfung der Hypothesen bezüglich der zugrundeliegenden affektiven und kognitiven Mechanismen möchten wir nicht nur zu einem besseren Verständnis der psychologischen Prozesse von Internetnutzungsstörungen beitragen, sondern auch aufzeigen, welche affektiven und kognitiven Prozesse in der Prävention und Therapie stärker adressiert werden sollten.

Konkret suchen die Wissenschaftler nun nach Teilnehmern, die bereit sind, an einer rund 6-stündigen Testung in den Räumlichkeiten der Universität Bamberg teilzunehmen. Die Probanden müssen zwischen 18 und 65 Jahren alt sein und gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift besitzen. Ausschlaggebend ist laut Gesuch, dass sie „zu oft online shoppen oder oft Computer-, Video- oder Online-Spiele spielen“. Vergütet wird die Teilnahme mit 10 EUR pro Stunde. Interessierte können sich per E-Mail an die Forschungsgruppe wenden.