, May 20, 2019

Die World Health Organization (WHO) wird noch in dieser Woche entscheiden, ob zwanghaftes Spielen offiziell als Krankheit klassifiziert werden soll. Vertreter der Gaming Branche wie Epic, Activision Blizzard und Riot Gaming halten dies allerdings für übereilt und fordern mehr Kommunikation und Aufklärung.

 

Die elfte Iteration der Internationalen Klassifikation der Krankheiten – allgemein bekannt als ICD-11 [Seite auf Englisch] – wurde im Juni 2018 veröffentlicht und soll nun endgültig beschlossen werden. Erstmalig ist auch zwanghaftes Spielen unter den therapiebedürftigen Krankheiten aufgeführt.

Wie definiert die WHO zwanghaftes Spiel?

 

Zwanghaftes Spielen ist gekennzeichnet durch anhaltendes oder wiederkehrendes Spielverhalten (digitales Spielen oder Videospiele), das sowohl online als auch offline sein kann und sich laut WHO wie folgt manifestiert:

 

WHO Logo

Die WHO legt Definition von zwanghaftem Spiel fest. (Bild: wikimedia.org)

 

  • Der Betroffene verliert die Kontrolle über das Spiel hinsichtlich des Beginns, der Häufigkeit, der Dauer und der Beendigung desselben.
  • Das Spielen hat allen anderen Lebensinhalten gegenüber Priorität.
  • Trotz negativer Folgen setzt der Betroffene sein Spielverhalten fort, was zu erheblichen Beeinträchtigungen der schulischen, sozialen, beruflichen oder familiären Bereiche führt.

 

Das Muster des Spielverhaltens kann entweder kontinuierlich oder episodisch sein. Damit eine Diagnose zugewiesen werden kann, muss das zwanghafte Spielverhalten mindestens für einen Zeitraum von 12 Monaten sichtbar sein. Sollten die Symptome jedoch sehr intensiv sein, kann dieser Zeitraum auch verkürzt werden.

Der Leitfaden der WHO stellt allerdings klar, dass das zwanghafte Spielverhalten, das erhebliche Beeinträchtigungen des sozialen und beruflichen Umfelds nach sich ziehe, nur einen geringen Anteil der Menschen betreffe.

 

Besorgte Reaktionen der Gaming Branche

Die Klassifizierung des zwanghaften Spiels als Krankheit löste insbesondere in der Gaming Branche Diskussionen aus. Gesandte der Entertainment Software Association (ESA), die die größten Unternehmen vertritt, trafen sich im Dezember letzten Jahres mit der WHO, um das Thema zu erörtern. Die Unternehmen befürchten eine erhebliche Wertminderung ihrer Produkte.

 

Zu den Vertretern der Branche zählen unter anderem der Fortnite-Entwickler Epic Games, Activision Blizzard, der Herausgeber des beliebten Online Spiels World of Warcraft (WoW) und Riot Games, der Entwickler von League of Legends (LoL).

 

Stanley Pierre-Louis, der Präsident der ESA, sagte:

„Wir glauben, dass noch weitere Gespräche und Aufklärungsarbeit erforderlich sind, bevor eine Klassifizierung endgültig festgelegt werden kann. Tatsache ist, dass führende Experten für psychische Gesundheit darauf hingewiesen haben, dass die Klassifizierung ´zwanghaften Spielens´ das Risiko von Fehldiagnosen für jene Patienten mit sich bringt, die am dringendsten Hilfe brauchen.“

Pierre-Louis ergänzte, dass die ESA hoffe, der WHO durch kontinuierliche Dialoge dabei helfen zu können, überstürztes Handeln und Fehler zu vermeiden, deren Behebung Jahre dauern könnten.

 

Milliarden von Spielern auf der ganzen Welt, die von diagnostischen Fehleinschätzungen, basierend auf der ICD-11 Klassifizierung, betroffen sein könnten, verdienten seiner Meinung nach Maßnahmen, die auf sorgfältigen Nachforschungen beruhten.

 

Der ESA Präsident erklärte weiterhin:

“Als Branche sind wir bestrebt, mit Interessengruppen, Forschern, Entscheidungsträgern und Eltern zusammenzuarbeiten, um erstklassige Bewertungen, Kindersicherungen und andere Tools bieten zu können, mit denen Video-Game-Spieler und Eltern ein gesundes Videospiel verstehen und regeln können.”

Bedenken äußerte auch die Vereinigung der Spieleentwickler, die Game Developers Association, die die Mitarbeiter der Spielebranche vertritt. Die Definition der Spielstörung schädige das Spielen als Hobby und Interesse.

 

Die Vertreter der Spieleentwickler fügten hinzu, dass kein vernünftig denkender Mensch bei übermäßigem Fernsehkonsum von einer psychischen Störung spreche und stellte die Frage, ob die Definition der WHO vielleicht das Ergebnis von politischem Druck sei.

 

Die Gaming Branche stellt sich geschlossen gegen das Vorhaben der WHO

Um gegen die Einbeziehung in den Katalog der Krankheiten vorzugehen, schlossen sich globale Gaming Organisationen wie UKIE, ESA, EGDF, IESA, ESAC, IGEA, ISFE, KGAMES and UBV&G zusammen und unterzeichneten eine Erklärung:

„Mehr als 2 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt genießen Videospiele aller Genres, Plattformen und Geräte sicher und in vernünftigem Rahmen, basierend auf dem allgemein anerkannten erzieherischen, therapeutischen und freizeitlichen Wert der Spiele. Wir sind daher sehr besorgt zu sehen, dass das ´zwanghafte Spielen´ trotz erheblicher Widerstände seitens der medizinischen und wissenschaftlichen Fachwelt immer noch in der neusten Version des ICD-11 der WHO aufgeführt ist. […]“

In der Petition heißt es weiterhin, dass die Branche sich auch künftig dagegen einsetzen werde und die WHO dazu auffordere, ihr Vorhaben nochmals zu überdenken. Es wird sich nach dem endgültigen Beschluss zeigen, ob die Stimmen der Branche berücksichtigt wurden.