Sonntag, 26. Juni 2022

Psychologen warnen: COVID-19-Isolation erhöht Risiko von Spiel- und Drogensucht

Person sitzt während Isolation am Fenster Coronavirus fliegt in der Luft

In einem gemeinsam verfassten Positionspapier haben sich 25 britische Professoren zu den psychologischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und den darauf ergriffenen Isolations- und Schutzmaßnahmen in Großbritannien geäußert.

Die Studie, die am Mittwoch in der Psychologie-Fachzeitschrift The Lanced Psychology veröffentlicht wurde [Original auf Englisch], stellt heraus, dass die derzeitige Gesamtsituation zu einem starken Anstieg psychischer Probleme, Suchtverhalten, Selbstverletzungen und im schlimmsten Fall Suiziden führen könnte.

Spezifisch durch die Isolation und Quarantäne könnten zahlreiche problematische Verhaltensweisen verursacht oder intensiviert werden.

Dazu zählten Spielsucht, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Cyber-Mobbing, häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch. Auch allgemeiner psychischer Stress und Angstzustände gehörten zu den aktuellen Hauptrisiken.

Das Positionspapier nimmt auch Bezug auf die SARS-Epidemie im Jahr 2003. Damals habe es in den Kerngebieten unter Personen im Alter von 65+ einen Suizid-Anstieg um 30 % gegeben. Von den Personen, die ihre Infektion überlebt haben, verspürten 50 % dauerhafte Angstzustände oder Depressionen. Bei 29 % der Angestellten im Gesundheitssektor sei eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden.

Um einen Überblick über die psychologischen Auswirkungen des aktuellen Lockdowns zu erhalten, führte das Team der Professoren detaillierte Online-Umfragen durch.

Aus den gesammelten Daten gehe hervor, dass 2.198 Personen insgesamt 4.350 Sorgen in Bezug auf die COVID-19-Pandemie und deren psychologische Auswirkungen geäußert hätten.

Von den Befragten hätten 21 % angegeben, Angst vor der sozialen Isolation zu haben. 20 % fürchteten nachhaltige psychische Probleme, jeweils 13 % machten sich Sorgen um den Verlust sozialer Kontakte sowie um anhaltende negative Gefühle. Lediglich 7 % hätten angegeben, sich vor einer Ansteckung mit dem Virus zu fürchten.

Suchtexperten und Glücksspielaufsicht in Sorge

Besonders gefährdet in Bezug auf die Entwicklung problematischer Verhaltensweisen seien Personen, die bereits unter psychischen Problemen litten, sowie allgemeine Risikogruppen wie Kinder und Jugendliche, Senioren und das medizinische Personal der Kategorie 1.

Die Regierung dürfe daher den Bereich der klinischen Psychologie während der aktuellen Krise nicht zugunsten der Infektionsbekämpfung vernachlässigen. Psychologieprofessor Rory O’Connor von der Universität Glasgow sagt:

Wenn wir nichts unternehmen, riskieren wir einen Anstieg psychischer Erkrankungen wie Angstzustände und Depressionen sowie einen Anstieg problematischer Verhaltensweisen wie Drogensucht, Glücksspiel, Cyber-Mobbing.

So wurden auch die Stimmen der Suchtexperten in den letzten Wochen stetig lauter, was letztendlich auch die UK Gambling Commission veranlasste, die Regeln für Glücksspiel-Anbieter schrittweise zu verschärfen.

Da ein starker Anstieg des Online-Glücksspiels verzeichnet worden sei, rief die Behörde die Betreiber zu erhöhter sozialer Verantwortung auf und mahnte Glücksspieler zu besonderer Vorsicht in Online-Casinos.