, 03.09.2019

Der britische Premier League-Club Tottenham Hotspur hat seine Partnerschaft mit dem Sportwettenanbieter 1xBet gekündigt. Der Entscheidung ist eine Mitteilung der UK Gambling Commission (UKGC) vorausgegangen, nach der Tottenham Hotspur mit einer strafrechtlichen Verfolgung und mit Bußgeldern rechnen müsse.

 

1xBet Logo

1xBet soll unter anderem Wetten auf Sportevents mit minderjährigen Teilnehmern angeboten haben. (Bild: Wikipedia/by 1xBet)

Der Wettanbieter hatte seine Website in Großbritannien im August eingestellt. Recherchen der britischen Zeitung Sunday Times hatten Verstöße gegen in Großbritannien geltende Vorschriften in anderen Ländern entdeckt und damit Untersuchungen durch die Glücksspielkommission ausgelöst.

 

1xBet war den Berichten zufolge in fragwürdige Werbe- und Wettpraktiken verwickelt. Dem Unternehmen wurde unter anderem vorgeworfen, in einigen Ländern Wetten auf Hahnenkämpfe und auf Veranstaltungen mit minderjährigen Teilnehmern [Seite auf Englisch] anzubieten. Zudem sei man auf ein „Pornhub“-Casino gestoßen und das Unternehmen habe Werbung auf verbotenen Webseiten geschaltet.

1xBet wurde 2007 in Russland gegründet und gilt als eines der am schnellsten wachsenden Glücksspielunternehmen. Der Fußballverein Tottenham machte 1xBet vor rund einem Jahr zum offiziellen Werbepartner. In Nairobi und Kenia soll Tottenham-Profi Harry Kane auf riesigen Werbetafeln für 1xBet geworben haben. Weitere Partnerschaften des Wettanbieters bestehen mit dem FC Chelsea und dem FC Liverpool.

Der Sportwettenanbieter stellte seine britische Webseite infolge der Berichte offline, was die Gambling Commission jedoch nicht von weiteren Untersuchungen abhielt.

 

Die Gambling Commission wandte sich schriftlich an die drei Vereine, die einen Sponsoringvertrag mit 1xBet haben.

„Wir haben kürzlich an den FC Liverpool, den FC Chelsea und den FC Tottenham Hotspur geschrieben, um sie daran zu erinnern, dass Organisationen, die sich auf ein Sponsoring und damit verbundene Werbemaßnahmen mit einem nicht lizensierten Betreiber einlassen, möglicherweise strafrechtlich verfolgt werden … für das Vergehen, illegales Glücksspiel zu bewerben.“

Bei Fortbestehen der Werbepartnerschaften könnten unbegrenzte Geldstrafen sowie bis zu 51 Wochen Freiheitsentzug drohen. Um derartige Sanktionen zu verhindern, kündigte Tottenham am Wochenende an, der Verein habe die Vertragsbeziehung zu 1xBet beendet. Die anderen beiden Fußballvereine scheinen auf die Warnung gelassener zu reagieren. Vom FC Liverpool liegen derzeit noch keine Kommentare vor, der FC Chelsea gab an, man würde die Situation überwachen.

 

1xBet äußerte sich der Sunday Times gegenüber wie folgt:

„Wir nehmen die Behauptung, dass die Marke von 1xBet auf verbotenen Websites beworben wurde, sehr ernst, denn dies verstößt gegen unsere strengen Richtlinien, und wir haben eine Untersuchung eingeleitet. Bis zu deren Abschluss halten wir es für verantwortungsvoll, unsere Werbeaktivitäten in Großbritannien auszusetzen.“

Auf die anderen Vorwürfe ging 1xBet in seiner Erklärung nicht ein. Die britische Webseite hatte das Unternehmen über die Sportwetten-Plattform FSB-Tech betrieben. Diese wurde in der vergangenen Woche wegen eines weiteren White-Label-Partners einer Prüfung durch die Gambling Commission unterzogen.

 

FSB Tech wegen Kooperation mit Blackbet auf dem Prüfstand

 

Ende August wurde bekannt, dass FSB Tech auch den Betrieb der Website des Wettanbieters Blackbet eingestellt hatte. Beim Aufrufen der Webseite erschien nur noch der Hinweis, die Seite sei aus regulatorischen Gründen für die absehbare Zukunft geschlossen worden.

 

Die UK Gambling Commission meldete daraufhin, dass eine Überprüfung von FSB Tech nach Sektion 116 des Gambling Acts 2005 eingeleitet wurde. Gemäß dieser Regelung kann die Glücksspielkommission einen Lizenznehmer unter anderem dann überprüfen, wenn dieser Vorgänge durchführe, die nicht in den Geltungsbereich seiner Lizenz fallen, er für die weitere Ausführung der lizensierten Tätigkeiten ungeeignet sei oder man eine Prüfung für angemessen halte.

 

Der Geschäftsführer von FSB Tech, David McDowall, gab in einer Erklärung an, die Überprüfung habe nur eine kleine Anzahl von White-Label-Partnern betroffen. Diese würden nun ebenso wie FSB Tech vollständig mit der Gambling Commission kooperieren und die Auflösung der bestehenden Bedenken sei absehbar.

 

Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist davon auszugehen, dass weitere Fußballvereine die Partnerschaft mit 1xBet beenden werden. Zudem werden Anbieter wie FSB Tech die Erfüllung der regulatorischen Voraussetzungen durch ihre Kooperationspartner ebenso kritisch in Augenschein nehmen müssen wie Sponsoringpartner.