, November 10, 2018

In Deutschland werden wieder täglich Überfälle auf Spielhallen gemeldet. Viel deutet darauf hin, dass die dunklere Jahreszeit mehr Täter dazu ermuntert, einen Spielhallenraub zu begehen. Die Muster ähneln sich dabei, denn die Räuber schlagen meist abends oder nachts in Ballungsgebieten zu und sind oft schon nach wenigen Augenblicken mit ihrer Beute verschwunden.

 

Nordrhein-Westfalen im Fokus der Täter

Seit einigen Wochen ist insbesondere das Bundesland NRW von Überfällen betroffen. Dabei schrecken die Täter auch vor Waffengewalt nicht zurück.

 

Das musste der Angestellte einer Spielhalle in Recklinghausen erfahren, den in der Nacht zum letzten Donnerstag zwei maskierte Männer mit einer Schusswaffe und einer Machete bedrohten. Sie forderten den Angestellten auf, die Bargeldeinnahmen des Casinos in eine mitgebrachte Tasche zu stecken. Kaum hatten sie das Geld, flohen sie unerkannt in die Nacht.

 

Pünktlich zum Feierabend wurde am 07.11. um 1.00 nachts eine Spielhalle in Oberhausen überfallen. Der 61-jährige Kassierer wollte das Geschäft gerade abschließen, als ihn zwei Männer mit einer Schusswaffe bedrohten und ihn zurück in die Spielhalle drängten.

 

Spielhalle

In NRW trifft es besonders viele Spielhallen (Bild: Wikipedia)

Die beiden schlanken, schwarz gekleideten Männer durchsuchten daraufhin den Laden nach Wertsachen und flüchten nach wenigen Minuten mit einem niedrigen dreistelligen Betrag. Die eilig eingeschaltete Polizei konnte die Männer nicht mehr stellen.

 

Zwei Tage zuvor setzten in Mühlheim drei Täter gleich einen ganzen Lieferwagen ein, um in eine Spielhalle einzubrechen. Mitten in der Nacht fuhren sie vor dem Geschäft mit einem geliehenen Mercedes Sprinter vor und setzen rückwärts mit voller Wucht durch Tür und Glasscheibe in den Eingangsbereich.

 

Im Inneren des Casinos machten sie sich danach daran, einen der Automaten aufzuhebeln, um das darin enthaltene Bargeld zu entwenden. Dabei gingen sie derart lautstark vor, dass Passanten aufmerksam wurden. Deshalb verließen die Männer den Tatort nach kurzer Zeit fluchtartig und ohne jede Beute.

 

Die Polizei setzte sofort einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera und Suchhunde ein. Die Täter konnten nicht gefasst werden, dafür wurde das Fahrzeug kurz darauf sichergestellt. Der Leihwagen ermöglichte es den Beamten, die Namen der Männer zu ermitteln.

1,5 Überfälle am Tag
Zuletzt wurden in Deutschland im Jahr um die 600 Spielhallen überfallen. Im Vergleich zu 2012, wo es mit über 1.300 sogar doppelt soviel Straftaten in diesem Bereich gab, ist dies ein enormer Rückgang. Trotzdem passieren die Raubzüge noch immer erschreckend oft, denn bei durchschnittlich 1,5 Überfällen pro Tag kann von Entspannung keine Rede sein. Zudem sinkt die Zahl der Delikte seit 2016 kaum und auch die Aufklärungsquote lässt zu wünschen übrig, da ein Großteil der Täter unerkannt entkommt.

Am 31. Oktober hatte sich ein Mann passend zum Halloween-Fest in Lichtenbroich bei Düsseldorf mit einer Horrormaske verkleidet, bevor er die dortige Spielhalle überfiel. Er drückte die Kassiererin des Geschäfts mehrfach brutal zu Boden und bedrohte sie mit einem Schlagwerkzeug. Dabei forderte er die Herausgabe der Einnahmen. Bereitwillig gab ihm die Frau mehrere Hundert Euro aus der Kasse, woraufhin der Mann mit dem Geld den Laden verließ. Die Sofortfahndung blieb allerdings erfolglos.

 

Kurz zuvor gingen zwei Räuber in Bottrop ähnlich rabiat vor, als sie ein Spielcasino mit den Worten “Wo ist das Geld? Gib alles, sonst stirbst du!” überfielen. Um ihrem Anliegen das nötige Gewicht zu verleihen, bedrohten sie die Angestellte mit einem mitgebrachten Golfschläger.

 

Die verängstigte Frau übergab einem der Männer die Tageseinnahmen, während sein Komplize vier Spielautomaten demolierte. Bevor sie flüchteten, ließen sie sich noch die Festplatten mit der Aufzeichnung der Video-Überwachungsanlage aushändigen, um ihre Identifizierung zu erschweren.

 

Den nicht maskierten Männern wurde dabei jedoch zum Verhängnis, dass die Daten bereits zuvor live auf einen externen Server überspielt worden waren. Dieser wurde an die Polizei übergeben, die nach Auswertung der Videos die Namen der Täter feststellten. Sie konnten am 06. November festgenommen werden.

Begünstigt die große Verbreitung der Spielhallen die Überfälle?
Die große Dichte an Spielhallen in Deutschland mag ein Grund dafür sein, dass weiterhin viele Casinos ausgeraubt werden. Januar 2018 gab es im gesamten Bundesgebiet 8.862 Spielhallen – ein Anstieg um etwa 15 % gegenüber 2008. Ihren Höhepunkt erreichte die Anzahl der Betriebe in 2012, als es 9.333 Geschäfte gab. Seitdem ist die Zahl der lizensierten Anbieter auch aufgrund des schärferen Glücksspielgesetzes leicht rückläufig. Doch noch immer üben die fast überall anzutreffenden und meist nur schlecht gesicherten Spielhallen auf die Täter eine hohe Anziehungskraft aus.

In zwei Wochen zwei Überfälle in Hamburg

Auch in Hamburg kam es in den letzten Tagen gleich mehrfach zu vergleichbaren Überfällen. Beide Male schlugen die Räuber in tiefster Nacht zu. Am 03. November bedrohten zwei Unbekannte den 55-jährigen Angestellten eines Spielcasinos und zwangen ihn, sich vor dem Tresen auf den Boden zu legen.

 

Reeperbahn

Auch in Hamburg schlagen die Räuber zu (Bild: Pixabay)

Nachdem der Mann gehorcht hatte, schlugen sie ihm mehrfach auf den Kopf und räumten die Kasse leer. Danach flüchteten die Räuber mit einer Beute von wenigen hundert Euro in unbekannte Richtung. Obwohl sich sofort vier Streifenwagen an die Verfolgung machten, konnten die Täter nicht gestellt werden. Bei der Attacke erlitt der Kassierer leichte Verletzungen, die ambulant behandelt werden konnten.

 

In der Hansestadt war es Ende Oktober zu einem weiteren Überfall gekommen, als ein 20 bis 40 Jahre alte Täter um 03.00 Uhr eine Spielhalle heimsuchte. Er bedrohte die Angestellte sowie den einzigen anwesenden Gast mit einem Messer und erbeutete Bargeld in Höhe von 250 Euro. Auch hier gelang es der Polizei trotz einer sofort eingeleiteten Fahndung nicht, den Mann zu fassen.

 

Modischer Spielhallen-Raub in der Hauptstadt

Nachgerade modisch gekleidet überfiel eine Frau in Berlin eine Spielhalle. Mit ihrer imposanten Fellmütze auf dem Kopf sowie einem Elektroschocker lenkte sie die Aufmerksamkeit der Kassiererin auf sich und zwang sie zur Herausgabe des Geldes.

 

Während sich die mit russischem Akzent sprechende Frau aus der Kasse bediente, gelang der Angestellten die Flucht aus dem Casino. Nach wenigen Sekunden flüchtete die Räuberin ebenfalls. Dabei muss die Frau ihre auffallende Kopfbedeckung weggeworfen werden, denn trotz genauer Personenbeschreibung und mehreren Streifenwagen, die sich auf die Verfolgung machten, blieb die Frau verschwunden.

 

Die aktuellen Vorkommnisse zeigen deutlich, dass für Spielhallen die Gefahr eines Raubüberfalls weiterhin nicht gebannt ist. Solange die Betriebe und die dort lagernden Gelder nur unzureichend geschützt sind, werden sie die Täter weiterhin anlocken.

 

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