, 20.07.2019

Die britische Glücksspielaufsicht UK Gambling Commission (UKGC) hat eine Studie veröffentlicht, nach der Menschen mit Glücksspielproblemen sehr viel stärker selbstmordgefährdet sind als die Durchschnittsbevölkerung.

 

Spielsüchtige besonders stark betroffen

Der Studie zufolge hätten im Jahr 2006 5 % der Personen mit einem problematischen Spielverhalten einen Selbstmordversuch unternommen, während die Rate bei der Gesamtbevölkerung bei 0,6 % lag. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass 10 % aller Suizidversuche auf das Glücksspiel zurückzuführen waren. Dabei gingen 5 % auf Spielsüchtige zurück, während weitere 5 % der Betroffenen Verhaltensauffälligkeiten beim Glücksspiel aufwiesen.

Bei der Analyse von Suiziden und versuchten Selbsttötungen griffen die Forscher auf Daten des Jahres 2007 zurück. Die UKGC betont jedoch, dass dies keine signifikanten Auswirkungen auf die Aktualität der Ergebnisse habe.

 

Die Untersuchung ist Teil eines breit angelegten Forschungsprojekts, mit dem eine nationale Strategie zum Schutz vor den Gefahren des Glücksspiels ausgearbeitet werden soll. Die UKGC kooperiert dabei mit der britischen Spielschutz-Organisation GambleAware [Seite auf Englisch].

Insgesamt setzten sich UKGC zufolge unter den Glücksspielern noch sehr viel mehr Menschen mit dem Thema Selbstmord auseinander. So hätten 2006 19 % aller von Spielsucht betroffenen Personen zumindest einmal über einen Suizid nachgedacht. Damit läge die Rate in dieser Gruppe gut viermal so hoch wie bei der Gesamtbevölkerung, wo dies 2006 4,1 % in Erwägung zogen.

 

Selbstmordgedanken bei Spielsucht weit verbreitet

Die UKGC gibt an, dass sogar 42,5 % aller Menschen mit Glücksspielproblemen mindestens einmal in ihrem Leben über einen Suizid nachgedacht hätten. Auch hier lägen die Betroffenen weit über dem Durchschnitt, wo 17,5 % diese Gedanken hegten.

 

Auch in Bezug auf die tatsächlich mindestens einmal im Leben durchgeführten Versuche (27,0 % gegenüber 5,4 %) sowie Selbstverletzungen (22,4 % vs. 5,4 %) wurden bei Spielsüchtigen in der Studie signifikant höhere Werte festgestellt.

 

Der UKGC-Vorsitzende Neil McArthur erklärte zu den Ergebnissen:

Die Ergebnisse zeigen eindeutig eine Verbindung zwischen Selbstmord und Glücksspiel, das einen verheerenden Einfluss auf das Leben von Menschen hat.

Als erste Maßnahme für einen besseren Schutz der Spieler sollen die Kontaktzeiten der Telefonhotline von GamCare, einer weiteren Spielschutz-Organisation, für ein vorerst auf zwei Jahre angelegtes Pilotprojekt auf 24 Stunden am Tag ausgeweitet werden.

 

Gleichzeitig bietet die Wohltätigkeitsorganisation der Samariter ebenfalls rund um die Uhr eine kostenfreie Hotline, unter der sich Betroffene Hilfe bei ihren Problemen mit dem Glücksspiel suchen können.

 

Darüber hinaus fordert die UKGC die Glücksspielindustrie auf, weitere Techniken zu entwickeln, anhand derer ein spielsüchtiges Verhalten an Spielautomaten oder in Online Casinos besser identifiziert werden könne.

 

Church of England fordert Angleichung der Glücksspielgesetze

Gambling Commission

Gambling Commission (Bild: Gambling Commission)

Die schädlichen Auswirkungen des Glücksspiels sind auch der Anglikanischen Kirche ein Dorn im Auge, die deshalb schon seit Jahren eine bessere Umsetzung der Gesetze fordert.

 

Dies hat Christine Hardman, die amtierende Bischöfin von Newcastle, nun erneut bekräftigt, als sie vor wenigen Tagen eine Angleichung der Rechtslage in Großbritannien und Nordirland anmahnte.

 

Grund für ihre Forderung ist, dass Einschränkungen wie beispielsweise die Maximierung der Höchsteinsätze bei Fixed Odds Betting Terminals  (FOBTs) auf 2 Pfund Sterling in England zwar bereits vor Monaten umgesetzt wurden, diese Regelung in Nordirland jedoch noch immer nicht greift.

 

In einer Rede vor dem britischen Oberhaus ermahnte sie die Regierung, bis September eine Aufstellung der in Nordirland noch nicht vollzogenen Maßnahmen vorzulegen, um diese dann zeitnah umzusetzen.

 

Dabei betonte sie, dass die derzeitige Rechtslage “verworren” sei und deshalb “reichlich Grund” für Unsicherheit böte, was insbesondere die Betroffenen gefährde.

 

Auch der Bischof von St, Albans, Dr. Alan Smith, forderte vor dem Oberhaus eine Angleichung. Mit Erfolg, denn die Parlamentarier beschlossen überparteilich, der Regierung eine entsprechende Vorlage präsentieren zu wollen.

 

Der Bischof zeigte sich überaus erfreut über die Zustimmung und hob gleichzeitig die aktuelle Gefahr für Menschen in Nordirland hervor:

Derzeit ist es für Menschen in Nordirland dreimal so wahrscheinlich, Glücksspielprobleme zu bekommen, wie im Rest des Landes.

Unter Berücksichtigung der jüngsten Erkenntnisse der UKGC in Bezug auf die gesteigerte Selbstmordgefahr durch das Glücksspiel dürften Menschen in Nordirland statistisch gesehen besonders betroffen sein. Die UKGC-Studie gewährt allerdings keinen Einblick in die regionale Verteilung der Suizide, um eine solche Annahme mit detaillierten Daten zu untermauern.

 

Die Kirchenvertreter zeigten sich jedoch überzeugt, dass die Regierung die von ihnen eingeforderte Harmonisierung der Rechtsprechung nun zeitnah angeht, um Menschen in ganz Großbritannien einheitlich vor Spielsucht zu schützen.

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